5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Rat Race nach Neel Gap – Lance Creek nach Neel Gap (mi 31,7)

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Blood Mountain

Wir waren heute morgen zwar schon um kurz nach halb acht auf den Beinen aber trotzdem wieder unter den letzten, die los gegangen sind. Und das, obwohl wir sogar auf ein warmes Fruehstueck verzichtet haben (Feigenriegel sind aber auch eine leckere Alternative zur taeglichen Nudelsuppe – nur ein Taesschen Tee dazu waere nett gewesen, wenn es nicht soviel Mehrarbeit bedeutet haette)!

Alle hatten es richtig eilig, los zu kommen, da die Blood Mountain Cabins in Neel Gap eine sehr beliebte Unterkunft sind und es nur zu wenige fuer diese Menge an Leuten, die hier heute Nacht gecampt haben, gibt. Wir hatten gestern am Lagerfeuer mit einer Gruppe von 12 Leuten ausgemacht, dass wir unabhaengig voneinander versuchen wollten, so schnell wie moeglich zu den Cabins zu kommen. Der erste, der dort ankommt, sollte drei Huetten sichern (eine Huette ist fuer 4 Erwachsene vorgesehen und man kann leider nicht telefonisch reservieren). Mit dem Passwort „Lance Creek“ sollten dann die nachkommenden den richtigen Huetten zugeordnet werden. Unser Mann war Jon, der als erster von „unserer Cabin“ (Jon, Sparky, Frank und ich hatten ausgemacht, dass wir uns eine teilen wollten) aufgebrochen ist.

Insgesamt waren wir mit unserem verspaeteten fruehen Aufbruch aber immer noch gut 1,5 Stunden frueher dran als die letzten Tage (sonst war bisher immer 10:30h unsere Standardzeit). Zum Glueck war es heute nicht ganz so kalt und vor allem auch nicht wo widerlich windig wie gestern so dass wir gleich von Anfang an ganz gut voran gekommen sind. Vielleicht auch ein bisschen zu schnell, als wir spaeter auf dem Weg Sparky getroffen haben, hat er uns erzaehlt, dass es wir weiter unten auf dem Weg an unserer ersten richtigen Trail Magic (die nicht aus bereits leeren Trinkwasserkanistern oder Geburtstagsgeschenken fuer Mitwanderer bestand) vorbei gelaufen waren – da hing eine Einladung zum Fruehstueck!! Wie wir spaeter von gluecklichen Mitwanderern erfahren haben, haette es Eier, Pancakes, Bratkartoffeln und alles moegliche gegeben! Andererseits war es vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass wir das Hinweisschild nicht verstanden hatten – viele Mitstreiter um die begehrten Schlafplaetze waren nun hinter uns statt vor uns!

Auf dem Weg haben wir einen Tageswanderer getroffen, der uns erzaehlt hat, dass er frueher am Morgen ein paar Rehe gesehen hatte. Wir waren etwas neidisch, da das einzige an Wildleben, was wir bisher gesehen hatten, nur Eichhoernchen, unsere Falken und eine seltsame Kreatur (eine Mischung zwischen Eichhoernchen und Maus), waren. Das letzte Stueck unseres Weges sollte uns heute durch ein Gebiet mit recht aktiven Baeren fuehren, weshalb wir dort nicht uebernachten wollten, weil man in dieser Gegend dann Baerentornister braucht.

Ich war schon ein bisschen enttaeuscht, dass ich bisher noch nicht die kleinste Spur von Baerenaktivitaeten erkennen konnte (umgedrehte Steine, zerkratzte Baeume oder aehnliches) – vielleicht liegt es ja am kalten Wetter, da halten sie einfach etwas laenger Winterschlaf. Uns ist allerdings positiv aufgefallen, wie wenig Muell entlang des Wegs liegt – aus Angst vor den Baeren (und wohl auch vor den hohen Strafen, die die Ranger bei Missachtung der „Leave no Trace“-Regel verhaengen) achten die Leute wirklich darauf, auch die kleinsten Schnipsel mitzunehmen.

Zum Abschluss fuehrte uns der Weg ueber Blood Mountain – der hoechste Berg, den wir hier in Georgia ueberqueren! Der Aufstieg war nicht so hart wie befuerchtet und wir wurden oben mit einigen richtig guten Aussichten belohnt. Das Blood Mountain Shelter war jedoch noch kaelter als erwartet – auf Blood Mountain war es schon ziemlich fies kalt aber wenn man erst mal im Shelter war, war man richtig froh, wieder raus zu kommen! Der Abstieg war dann ziemlich anstrengend, sehr viele Felsen, teilweise nass und manchmal sogar vereist – da moechte man sich nicht vorstellen, wie das bei schlechtem Wetter ausgesehen haette!

Bei den Blood Mountain Cabins angekommen wurden wir von Underpants begruesst – er hatte fuer die gesamte Truppe von Lance Creek Huetten besorgt! Was fuer eine Erleichterung, vor allem, weil ein paar andere Thru-Hiker uns bei Neel Gap erzaehlt hatten, es waere schon nichts mehr frei! Die Huetten sind die 60$ echt wert, wenn man zu viert dort schlaeft, ist es billiger als wenn man im Walasi Yi Inn im Bunk Room unterkommt (ausserdem wird einem hier sogar kostenlos die Waesche gewaschen!).

Zum Abendessen gab es Fertigpizza aus dem Backofen, den wir in unserer Cabin hatten (die Fertigpizza verkaufen sie dort auch – vielleicht ist das auch der Grund, warum kein Lieferservice eine Pizza nach Neel Gap bringt, selbst wenn man bereit ist, extra fuer die Anfahrt zu zahlen?). Ein paar Hiker aus anderen Huetten haben sich bei uns eingefunden, wir haben die naechsten Tage geplant, es gab ein kleines Kaminfeuer und Jon und Kristin haben Mandoline gespielt. Kristin hat eine total coole Hiker-Mandoline – klein, leicht und robust! Was fuer ein schoenes Gefuehl, wieder sauber zu sein und im Warmen zu sitzen und zu schlafen!

Ach ja, noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Wir dachten ja wirklich, wir waeren inzwischen schon ziemlich hart und ausgebufft, nachdem wir die letzten kalten Tage echt gut ueberstanden hatten. Heute frueh haben wir aber einen Hiker getroffen, der zusammen mit drei anderen die letzte Nacht im Plumpsklo vonWoody Gap geshlafen hatte, um Wind und Kaelte zu entgehen! So weit sind wir dann wohl doch noch nicht…

Um morgen Nacht nicht im Regen schlafen zu muessen (es sind Gewitter angesagt!), werden wir eine weitere Nacht hier in den Cabins verbringen und per Shuttle zuerst morgen zurueck zur Cabin und dann uebermorgen wieder zum Trail fahren.

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