5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die ersten hundert Meilen sind geschafft! Carter Gap Shelter nach Rock Gap (mi 106,1)

3 Kommentare

Sieht so aus, als wäre ich die einzige, die heute Nacht richtig gut geschlafen hat: der Regen hat mich nicht gestört und es war heute Nacht richtig warm – so warm, dass ich das Guckloch in meinem Schlafsack (da, wo eigtl. der Kopf raus schaut, bei mir aber kältebedingt die letzten Tage höchstens die Nase durch gepasst hätte, so sehr hatte ich es zugezogen) deutlich vergrößert habe und sogar mit dem Gedanken gespielt hatte, eine Schicht auszuziehen. Hab ich dann aber erstmal wieder verworfen, ich muss es ja nicht übertreiben – kommen bestimmt noch wärmere Nächte.

Während wir und die meisten anderen noch am Packen waren, kam ein Mann ins Lager gelaufen auf der Suche nach seinem Hund. Er hatte ihn als Begleiter für seinen Thru-Hike mitgenommen und der Hund war von einem Trail Runner erschreckt worden und weggelaufen. Einerseits tut der Kerl mir echt leid und noch mehr sein Hund, andererseits ist auf dem gesamten Trail bisher Leinenzwang… Ich hoffe, der arme Hund wird bald gesund und munter gefunden – ist sicher nicht so leicht für ihn, mit seinem Rucksack auf dem Rücken allein in der Wildnis unterwegs zu sein. Da muss ich an das Pärchen mit der Hündin denken, die die Nacht mit uns im Deep Gap Shelter verbracht haben – was für ein gut erzogener Hund und wie vorbildlich sie sich in Bezug auf ihn den anderen Hikern gegenüber verhalten haben: stets angeleint, vor und nicht im Shelter schlafend und ein guter Wachhund. Ich hab mich mit dem Hund viel sicherer vor unerwünschtem Besuch von Bären und Ähnlichem gefühlt und würde mich freuen, wieder das Nachtlager mit den dreien zu teilen.

Nachdem Mellow Jonny uns mitten im Rhododendrondickicht auf einen großartigen Ausblick aufmerksam gemacht hatte, wollte er ein Stück des Weges mit uns wandern. Da es über den Mount Albert gehen sollte, der für seinen schwierigen Aufstieg berüchtigt ist, war Jon ganz froh, in Begleitung zu sein. Und wir fanden es auch schön, zur Abwechslung mal zu dritt unterwegs zu sein – vor allem, da Mellow Jonny uns jetzt schon seit Beginn unseres Abenteuers zur Seite steht und wir viele wichtige Momente und Erlebnisse mit ihm geteilt haben.

Mount Albert hatte es zur Abwechslung mal wirklich in sich! Während bisher die im Vorfeld am meisten gefürchteten Berge wie Blood Mountain oder Standing Indian sich als eher harmlos erwiesen hatten, war der Aufstieg zu Mount Albert wirklich eine Herausforderung. Wie Mellow Jonny das so passend kommentiert hat, sah der Trail hier aus, „als wären sie plötzlich zu faul geworden, einen Weg den Berg hinauf zu bauen und hätten sich damit begnügt, einfach nur ein paar weiße Striche senkrecht den Berg hinauf zu pinseln“. Die Hoffnung auf eine großartige Aussicht und Mittagessen dort oben ließ uns trotzdem rasch den Anstieg bewältigen.

Die Aussicht war wirklich wunderbar, mindestens so gut wie auf Blood Mountain und wir haben auf dem Gipfel unser Mittagessen gemeinsam mit Roadrunner und seiner Truppe, Stupid und noch ein paar anderen verzehren können. Leider war die obere Plattform des Aussichtsturms gesperrt, so dass wir keinen unversperrten 360 Grad Rundblick hatten, aber es war trotzdem ein würdiger Platz, um unsere ersten 100 Trailmeilen zu feiern!

Der Rest des Weges war recht unspektakulär: angenehmes Profil und nur partiell matschig oder vereist. Unten am Rock Gap angekommen, hat Frank Ron Havens zwecks eines Shuttles nach Franklin angerufen. Wenige Augenblicke später kam ein zweisitziger Pickup angefahren und ich hatte schon Angst, dass das der Shuttle sein könnte und wir auf der Ladefläche nach Franklin fahren sollten! War es aber zum Glück nicht – es waren nur zwei nette Kerle aus der Nachbarschaft des Gaps, die gerne Thru-Hikern helfen. Da wir bereits unseren Shuttle organisiert hatten und deshalb in dieser Hinsicht keine Hilfe brauchten, boten sie uns Bier an, das wir gerne annahmen – die hundert Meilen wollten gefeiert werden!

In der Zwischenzeit kam ein weiteres Auto gefahren, eine nette junge Frau saß an Steuer. Sie sei hier, um zwei Leute abzuholen, die beim Outdoor-Shop wegen eines Shuttles angerufen hätten. Ob wir die beiden seien? Nein, wir haben ja Ron vom Hotel angerufen. Nachdem sie eine Weile gewartet hatte, beschloss sie, die anderen Gaps der Ungebung auf der Suche nach diesen beiden Leuten abzufahren. Zeit genug für unsere Bierspender, den Müll im Gap aufzusammeln und Trail Magic zu verteilen (Chips und Trinkwasser, das Bier hatten wir ja inzwischen getrunken). Frank wurde schon ganz nervös, weil unser Shuttle immer noch auf sich warten liess. Nach etwa 20 Minuten kam die Frau zurück: sie war doch für uns gerufen worden, Ron hatte beim Outfitter angerufen, da er selbst wegen der Hiker Bash in Sapphire Inn zu beschäftigt war (und in seinen beiden Hotels auch nix mehr frei war).

Also endlich ab nach Franklin! Unsere Fahrerin hat uns zum Microtel gebracht und gewartet, bis sicher war, dass wir dort auch unterkommen können. Ein weiterer Trail Angel! Wir haben uns schnell geduscht, unsere Ausrüstung zum Trocknen ausgebreitet und sind dann los Richtung Hiker Bash. Nach nur 15 Minuten Fußmarsches entlang der Hauptstraße von Franklin (nach gut 12 Minuten gab es dann auch endlich einen Gehweg – das ist echt kein Land für Fußgänger!) hielt auf der Gegenspur ein Wagen an. Der Fahrer fragte, ob wir mitfahren wollen würden, auch wenn sie keine Rückbank hätten. Dieses Angebot haben wir nur zu gern angenommen! Die beiden (Fahrer und Beifahrerin) waren völlig begeistert von uns Irren, die tatsächlich bis nach Maine zu Fuß laufen wollen.

Beim Sapphire Inn haben wir festgestellt, dass die anderen Hiker wohl schon alles aufgegessen hatten außer Nachtisch – also sind wir fix rüber zum Mexikaner gegenüber. Als wir danach wieder zurück zum Sapphire Inn gegangen sind, war da schon nicht mehr viel los – Hiker Midnight war schon lange vorbei. Die Leute vom Festival haben uns dann schnell und unkompliziert einen Shuttle zurück zum Microtel organisiert – in dieser Stadt scheinen sie Hiker echt zu lieben! Jetzt liegen wir im warmen kuscheligen Bett und freuen uns auf das Frühstück morgen (und hoffen, dass die Läden hier morgen trotz Ostern offen haben – aber angeblich soll das kein Problem sein).

3 Kommentare zu “Die ersten hundert Meilen sind geschafft! Carter Gap Shelter nach Rock Gap (mi 106,1)

  1. Nur immer tüchtig essen! Fettreserven bei Eurer Statur sind ja eher selten! Glückwunsch zu den ersten“ HUNDERT“

  2. Ohr seid also schon in North Carolina!

    Viel Glück!

  3. Schützt ein Hund nicht nur vor Bären sondern auch vor Mäusen? 🙂 Ich finde es total witzig, zuerst Franks und dann deine Zusammenfassung zu lesen – ohne hinzuschauen weiß ich schon, wer was geschrieben hat!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s