5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wandern mit Hindernissen – Rock Gap nach Wayah Shelter (mi 120,8)

Ein Kommentar

Zum Frühstück gab es heute wieder die selbstgebackenen Waffeln mit dem Pseudo-Ahornsirup – diesmal die aufgemotzte Version mit Bananenscheiben. Kaum waren wir fertig, stand auch schon der von Mellow Jonny organisierte Shuttle da, der Frank und mich zurück nach Rock Gap bringen, vorher noch bei der Post für Mellow Jonny vorbeifahren und anschliessend die drei anderen (Mellow Jonny, Backstreet, ein Mädchen) am Winding Stair Gap rauslassen sollte. Ein netter, gar nicht soooo alter Rentner, der sein Rentnerdasein damit verbringt, Bagels zu backen, Touristenbusse zu fahren und Thru-Hiker zu shuttlen. Frank und Backstreet hatten sich freiwillig gemeldet, auf der Ladefläche zu sitzen, wir anderen durften drinnen Platz nehmen. Im Auto wurden wir über den Bible Belt und verschiedene amerikanische Religionen wie Baptisten und Methodisten aufgeklärt, da wir uns anscheinend gerade mitten im Bible Belt befinden. Dort sind viele Menschen sehr strenggläubig und trinken keinen Alkohol – oft kann man noch nicht mal welchen kaufen.

Am Rock Gap abgesetzt ging es munter los. Das Wetter war traumhaft, es gab Wolkenseen in den Tälern, auf die wir herabblicken konnten und das Wandern machte Spaß. Innerhalb kurzer Zeit waren wir auch schon am Winding Stair Gap angelangt. Dort stand Rob, unser Mann für Tennessee mit seinem Auto und einer Kühltasche mit Bier und Cola drin. Da haben wir uns nicht lang geziert und natürlich gern zugegriffen! Während wir unsere Cola gezuzzelt haben, kamen immer mehr Hiker vorbei, die meisten wollten sich vom Gap nach Franklin shuttlen lassen, einige kamen auch grad des Wegs wie wir und manche kamen direkt aus Franklin. Viele Leute hatten wir schon länger nicht mehr gesehen und es war eine große Wiedersehensfreude an allen Ecken. Nur ungern sind wir weiter gegangen – wer weiß, ob und wann wir die Leute, die jetzt in der Stadt sind, wiedersehen. Diese Gemeinschaft auf dem Trail ist schon echt großartig!

Irgendwann kurz nach dem Mittagessen konnten wir schon von weitem laute Musik und Menschen hören. Beim Näherkommen sahen wir durch die Bäume hindurch Zelte und Pavillons – das schien die Trail Magic zu sein, von der Leute gestern schon berichtet hatten! Bier, Cola und Essen mitten im Wald – ein Thru-Hiker Traum! Unsere Vermutung war richtig, als wir runter kamen, kamen uns glück- und bierselige Mitwanderer entgegen. Unten wurden wir von einer Truppe ehemaliger Thru-Hiker (überwiegend von letztem Jahr) herzlich empfangen. Unsere Vorhut hatte zwar nicht viel Essen übrig gelassen, aber wir konnten gerade noch die letzten Bier abstauben und uns von den „Alten“ Tipps abholen und mit allen möglichen Leuten nett quatschen. Keiner war überrascht, dass wir Deutsche sind, sie wollten nur wissen, wann wir diese Doku gesehen haben. Seither gibt es anscheinend eine „German invasion on the Trail“. Vor uns sollen dieses Jahr angeblich schon 20 (!) andere Deutsche laufen, letztes Jahr waren insgesamt mindestens 40 unterwegs.

Später am Tag hatten wir einen richtig guten Ausblick vom Wayah Bald (Bald heißen hier die Berggipfel, wenn sie statt mit Bäumen nur mit niedrigerem Gewächs bewachsen sind) aus – wir konnten die Smokeys sehen. Kurz danach, ganz in der Nähe des Shelters haben wir uns dann das erste Mal verlaufen. Ich hatte sogar schon ein Foto geschossen, um die schlechten Wegzustände zu dokumentieren (North Carolina ist teilweise echt übel – manchmal sieht es aus, als wären sie einfach zu faul gewesen, einen vernünftigen Weg zu machen und hätten nur weiße Striche gemalt). Wir waren nicht die ersten, die sich genau dort verlaufen hatten – als die Spuren unserer Vorgänger schwächer wurden, haben wir unseren Fehler bemerkt und sind umgekehrt.

Endlich am Shelter angekommen, wurden wir mit großem Gejohle begrüßt. Alle waren sie da: Sparky, Mellow Jonny, Roadrunner, Krista, Monk, Nick, Han Solo, Peanut, Mtn Goat – es war wie ein Familientreffen! Wir waren total glücklich, da wir alle eigentlich entweder weiter vor oder hinter uns vermutet hätten.

Nach dem Abendessen hatten wir heute größere Schwierigkeiten mit dem Futtersack. Frank hatte zunächst einen Platz gefunden, aber da das mit dem Hochziehen nicht klappte (der Baum war etwas dünn und hatte eine rubbelige Rinde oder es lag an dem Zusammenspiel von Karabinern und Seil) und ich ihn missverstand, hab ich erstmal das Seil wieder runter geholt. Weil der Spot eh schlecht war, haben wir Mellow Jonny gefragt, ob wir seinen mitbenutzen dürfen. Er hat natürlich eingewilligt, aber eigtl. war nicht genug Platz für zwei. Han Solo hat uns dann geraten, zum Wasser runter zu gehen, wo wir den perfekten Fleck finden und Dank eines genialen Wurfs von Jon auch benutzen konnten. Das ganze Rumprobieren und -suchen hatte trotzdem richtig Zeit und Nerven gekostet. Und im Zelt haben wir nach und nach entdecken müssen, dass wir diverse Dinge (Labello, Riegel, Trail Mix) in unseren Taschen vergessen hatten. Also nochmal raus aus den Schlafsäcken, den langen Weg zu den Futtersäcken zurück und das ganze Gefummel nochmal – gibt echt schönere Dinge mitten in der Nacht… Immerhin hab ich die Gelegenheit genutzt und einen Blick auf den traumhaften Sternenhimmel geworfen. Ich hab sogar eine Sternschnuppe gesehen! Frank war leider zu kalt und er hatte nach dem ganzen Theater auch keine Lust mehr darauf, Sterne zu gucken. Jetzt ist wirklich höchste Zeit zu schlafen – Hiker Midnight ist schon laaaange vorbei!

Ein Kommentar zu “Wandern mit Hindernissen – Rock Gap nach Wayah Shelter (mi 120,8)

  1. Es tut uns gut, Euch in so toller Trailgemeinschaft zu wissen!

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