5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wanderer und Nichtwanderer – Silers Bald Shelter nach Newfound Gap (mi 206,8)

3 Kommentare

Es wurde richtig windig heute Nacht! Ich hab aber trotzdem gut geschlafen – wahrscheinlich als einzige aus der Zeltfraktion. Als ich gestern Abend besorgt war, dass unser Zelt davonfliegen könnte, hat Frank lieb seinen Arm um mich gelegt und mir gesagt, dass das nicht passieren würde. Also hab ich meine Ohren zugestöpselt, um den Wind nicht mehr zu hören und dann brav geschlafen. Alle anderen (inklusive Frank) lagen wach und haben sich vor dem Wind gefürchtet. Dabei muss das Zelt die ganze Nacht mehr oder weniger auf mir gelegen haben. Heute morgen im Wind war es auch recht schwierig, das Zelt abzubauen, ohne mit ihm davonzufliegen – das geht zu zweit dann doch deutlich einfacher als alleine!

Unser erster interessanter Wegpunkt war heute de Clingmans Dome, mit 2025m der höchste Berg auf dem gesamten Appalachian Trail. Es war ganz schön wolkig und windig, als wir losgegangen sind. Allerdings hatte gerade dieses Spiel mit den Wolken über den Bergen und den Sonnenlöchern auch wieder seinen ganz speziellen Reiz und wir hatten ein paar echt gute Ausblicke. Je höher wir kamen, umso mehr riss die Wolkendecke auf und wir konnten auf einen guten Blick vom Aussichtsturm oben hoffen. Den hatten wir dann auch und zur Belohnung gab es dann unten am Fuß des Turms gleich Mittagessen.

Wir saßen mit unseren Mitwanderern beisammen, als lockerer Haufen mit ständigem Kommen und Gehen. Für die „normalen“ Besucher des Aussichtsturms schienen wir höchst interessant zu sein, wir wurden angesehen wie Außerirdische und ein paar wagten es, uns anzusprechen und uns alle möglichen und unmöglichen Fragen zu stellen. Seltsam, auf Nicht-Hiker in den Bergen zu treffen! Was mir immer wieder auffällt: ich hab noch bei keinem Mitwanderer bemerkt, dass er stinken würde (wenn man mal von den Füßen absieht) aber mir fällt es immer sofort auf, wenn wir „normalen“ Menschen begegnen, wie gut die riechen. Wenn ich ein Bär wär, würde ich ja eher die fressen!

Apropos Bären – in den letzten Tagen wurde sehr viel über Bärenkot philosophiert, da wir entlang des Trails vermehrt auf diverse nicht-menschliche Hinterlassenschaften gestoßen waren. Und Hunde sind hier ja verboten, im Nationalpark. Es gibt zwei Theorien, wie Bärenkot aussieht. Die erste besagt, dass schwarzes Fell drin ist, die zweite, dass es ein handflächengroßer kugeliger Haufen mit roten Beeren drin ist. Wir hatten unser Zelt letzte Nacht genau zwischen einem felligen und einem beerigen Haufen aufgebaut. Der fellige Haufen soll angeblich laut anderen Quellen doch eher Kojote gewesen sein – wir werden das bei Gelegenheit recherchieren und mit Fotos dokumentieren ;-).

Der Weg war heute – abgesehen von Schnee und Eis, als ob wir davon nicht schon genug gehabt hätten – ganz anders als sonst. Heute waren wir von Nadelbäumen umgeben, die total vermoost waren. Es lag auch viel mehr totes Holz rum als sonst. Je weiter wir von Clingmans Dome weg kamen, umso mehr wurde es jedoch wieder der gewohnte Trail. Am 2. Shelter des Tages angekommen, haben wir uns von unseren Mitwanderern bis morgen verabschiedet – wir müssen nach Gatlinburg, neue Vorräte einkaufen. Alleine mit Siren und Stretch, die hier ihren Zero verbringen wollen, ging es weiter. Zwischenzeitlich mussten wir noch eine Gitterbrücke überqueren und waren in Wildschwein-freiem Gebiet unterwegs. Dann waren wir endlich am Newfound Gap und offiziell an der Staatsgrenze zwischen Tennessee und North Carolina (es geht trotzdem immer noch eine Weile weiter überwiegend durch North Carolina). Jetzt sind wir hier im Grand Prix Motel und draußen fühlt es sich an wie Sommer! Die Wäsche ist schon gewaschen, morgen kaufen wir Essen und für mich neue Schuheinlagen (die alten schieben sich beim Laufen nach vorne), frühstücken ausgiebig und dann geht’s zurück auf den Trail!

3 Kommentare zu “Wanderer und Nichtwanderer – Silers Bald Shelter nach Newfound Gap (mi 206,8)

  1. Seid herzlich gegrüßt von den Berlinern ihr Lieben, freue mich auf jeden neuen Bericht von euch. Weiterhin viel Glück auf den Weg!!

  2. Wir denken an Euch und hoffen, dass Euch der Regen beim Wandern nicht ständig in den Nacken rinnt.
    Liebe Grüße von allen aus der Heimat

  3. Es ist sehr interessant eure echt ausführlichen Berichte zu lesen. Nun seid ihr schon gut vier Wochen unterwegs und habt schon eine Menge erlebt. Und das Beste: es geht euch trotz des Wetters noch so gut (ich hätte mir mit Sicherheit schon eine Erkältung eingefangen). Und dann habt ihr auch noch so viel Zeit und Muße um uns daheimgebliebenen an eurem Abenteuer teilhaben zulassen, wirklich klasse.
    Ich wünsche euch für eure weitere Reise alles, alles Gute, ganz viel Durchhaltevermögen, Kraft, Ausdauer und Gelassenheit. Genießt die Zeit.

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