5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Alles Gute kommt von oben – Spring Mountain Shelter nach Jerry Cabin Shelter (mi 300,3)

2 Kommentare

Ridge Line

Gestern Abend, als wir schon schlafbereit im Zelt lagen, hat es auf einmal mächtig gescheppert – irgendetwas war auf unser Zelt geweht worden. Ich bin natürlich total erschrocken, aber Frank noch viel mehr. Das Ding hatte seinen Fuß berührt. Er ist also nochmal raus, gucken was das war. Es war ein kleiner Ast. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch wegen des andauernden Windes aber mit der Sicherheit, dass der knarrende Baum weit genug weg stand um uns nicht draufzufallen, sind wir eingeschlafen. Heute morgen beim Aufstehen haben wir entdeckt, dass dieser kleine Ast, der so lang wie mein Arm und kaum dicker als mein Daumen war, ein 10cm langes Loch in unser Außenzelt und ein winziges Löchlein in unser Innenzelt geschlagen hatte. Bloß gut, dass das kein größerer Ast gewesen ist! Zunächst haben Frank und ein Redknee versucht, das Zelt mit Panzertape zu reparieren – das blieb allerdings nicht kleben. Ich hatte die Idee, es mit den Überresten des Luftmatratzen-Reparatursets zu probieren. Für das Innenzelt ging das, da das Loch klein genug war. Beim Außenzelt konnte Twigs uns mit seinem speziellen Tape für Zeltreparaturen helfen. Vielen Dank nochmal an die beiden für ihre Hilfe!

Sobald unser Zelt wieder ganz war und wir unsere Sachen gepackt hatten, ging es los. Heute wollten wir das mit dem Wasserholen besonders schlau takten, da es ja jetzt wärmer wird und wir mehr trinken und deshalb sowieso immer entlang des Wegs mindestens einmal Wasser nachfüllen müssen (und das gestern nicht ganz optimal gelaufen war mit unserer Planung). Also hatten wir uns gedacht, wir laufen mit den Resten von gestern los, so ca. 2l und füllen bei erster Gelegenheit nach. Dann müssen wir in der Früh nicht so schwer tragen und sind schneller dort, wo es wieder Wasser gibt. Die nächste Quelle war in einem Gap, es stand auch drin, dass sie ca. 200 Yards ab vom Weg läge. Ich denke mal, das waren großzügige 200 Yards Luftlinie – der Nebentrail war meiner Meinung nach deutlich länger. Dafür war es eine wirklich schöne Wasserstelle, an der sich vermutlich nicht sehr viele Hiker bedienen. Sie war ganz verwildert und wir konnten keine Fußspuren sehen. Allerdings hat uns der ganze Spaß fast eine Dreiviertelstunde gekostet! Unser schlauer Plan war also nicht wirklich zeitsparend…

Am nächsten Shelter haben wir auch wieder Halt gemacht, um Wasser zu holen. Es war wirklich ziemlich warm und unser Wasserverbrauch dementsprechend hoch. Am Shelter war ein sogenannter Ridgerunner, einer von den Freiwilligen, die sich hier um den A.T. kümmern, damit beschäftigt, das Shelter mit Chlor zu reinigen. Aufgrund des Magenviruses, das gerade im Umlauf ist, haben zur Zeit die meisten Hiker Angst davor, im Shelter zu schlafen, die Privies dort zu benutzen oder die Logbücher anzufassen. Der arme Kerl war ganz frustriert deswegen und auch wenn wir zu den Vorsichtigen gehören, tut er mir wirklich leid. Die Freiwilligen in der „verseuchten“ Gegend scheinen einen echt guten Job zu machen. Die Shelter hier sind sehr sauber, es gibt wirklich in jedem Shelter ein ordentliches Logbuch, die Wege sind gut in Schuss und vor allem die Ausschilderung ist hier vorbildlich. Ich hoffe, dass dieser ganze Ärger mit dem Magenvirus schnell ein Ende hat, damit wieder Normalität einkehrt und die Arbeit dieser Leute nicht mehr umsonst ist!

Der Ridgerunner hatte uns auch vor der nachfolgenden Ridgeline gewarnt, dass sie ziemlich anspruchsvoll sei. Kurz gesagt: das war sie auch. Allerdings war es trotz allem ein vernünftiger Trail, auch wenn ich persönlich immer so meine Schwierigkeiten mit diesen fiesen Stufen habe. Ich fühle mich dann immer wie ein kleines Kind, das Treppensteigen lernt. Nur dass keine liebevolle Hand von Mami oder Papi mich sicher führt, sondern dass ich auf mich allein und meine Stöcke angewiesen bin (ok, an besonders fiesen Stellen reicht Frank mir immer die Hand, um mich zu sichern). Wir haben auf jeden Fall ewig gebraucht für dieses Teilstück, hatten aber auch wieder ein paar echt gute Ausblicke.

Das letzte Stück des Weges waren wir dann wieder flotter unterwegs. Plötzlich war links von uns der Wald frisch verbrannt. Erst dachten wir, es wäre ein Waldbrand gewesen aber dann fiel uns auf, dass das Feuer anscheinend mit dem Flammenwerfer relativ gezielt und kontrolliert nur am Boden gelegt worden war. Mitten in diesem versengten Landstück war ein Schild aufgestellt, mit der Erklärung, dass das wirklich gezielt gelegt worden war.

Mit all der Trödelei wegen Wasser und Stufen auf der Ridgeline waren wir erst um halb acht am Shelter. Heute sind wir genau vier Wochen auf dem Trail.

2 Kommentare zu “Alles Gute kommt von oben – Spring Mountain Shelter nach Jerry Cabin Shelter (mi 300,3)

  1. Ich wandere auch am liebsten mit meinem Mann, denn der weiß immer genau, an welcher Stelle ich seine Hand brauche, um sicher über bestimmte Stellen zu kommen 🙂 Das mit dem Magen-Darm-Virus ist ärgerlich. Ich hoffe, ihr könnt ihn gut vermeiden!

  2. Toll! Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ihr nicht mehr frisch auf dem Trail seid sondern langsam Erfahrung sammelt! Immerhin ist schon gut 1/6 eurer Wanderung rum!

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