5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

25 Meilen bei Nacht und Nebel – Mountain Harbour nach Black Bear Resort (mi 416,5)

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Auch wenn wir gestern echt wenig Meilen gemacht haben, um das Frühstück genießen zu können, und 10$ recht viel für ein Frühstück sind, muss ich sagen, das war es echt wert! Diese Frau hat einfach alles aufgefahren, was die Küche hergibt und alles war wirklich lecker! Frank hat in seinem Artikel eine genaue Aufzählung der Dinge, die es gab, also werd ich da nicht nochmal drauf eingehen. Aber ich möchte anmerken, dass ich woanders bisher French Toast nicht mochte. Hier fand ich ihn lecker. Und die Cinnamon Buns hier waren die besten, die ich je hatte. Außerdem hat mir gefallen, dass sie nicht nur die Standardsachen hatte, die es hier überall gibt, sondern die Eier zum Beispiel als Soufflé serviert hat. Ich fand es auch faszinierend, wie gut sie eingeschätzt hatte, wieviel wir essen würden. Man musste sich für das Frühstück anmelden und am Ende war kaum noch etwas übrig. Ich könnte noch ewig weiter über das Frühstück schreiben und wir werden wohl noch eine ganze Weile davon träumen.

Da wir erst gegen 9:30h mit dem Frühstück fertig waren und unser Zelt und unsere Schlafsäcke noch zum Trocknen über dem Zaun hingen (nicht dem zu den Ziegen, die kauen da nämlich gern drauf herum wie Silverfox am Vortag feststellen musste) sind wir erst gegen 10:30h los gekommen. Eigentlich viel zu spät, um noch viele Meilen zu schaffen. Aber das Wetter war angenehm, trocken und nicht zu warm und das Profil kam uns auch entgegen. Nach einem kurzen Mittagessen mit Samba bei den Jones Wasserfällen flogen die Kilometer nur so dahin und wir waren viel zu früh bei der Abzweigung zum Hostel, in das wir vor dem Regen flüchten wollten. Also beschlossen wir, weiterzugehen. Der Regen war auch nicht so schlimm, wie befürchtet und wir waren echt gut unterwegs obwohl ich die ganze Zeit damit beschäftigt war, Ausschau nach Baumschlangen und Salamandern zu halten. Die sind nämlich beide harmlos und machen sich gut auf Fotos. Außerdem sausen sie hoffentlich nicht so schnell weg wie diese ganzen Hörnchen, die es hier in allem Größen und Farben gibt.

Ich hatte aber kein Glück mit diesen Wildtieren. Dafür führte uns der Trail den ganzen Tag über vorbei an diversen Wasserfällen, die teilweise auch echt beeindruckend waren und bestimmt super aussehen auf den Fotos. Irgendwann wurde uns klar, dass wir es mit der Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs waren, zum nächsten Hostel schaffen könnten. Das war zwar 25 Meilen von unserem Startpunkt entfernt aber unter den aktuellen Bedingungen sollte es machbar sein, vor 22h unten anzukommen. Und das, obwohl wir so spät gestartet waren! Eine Nacht im Bunkroom wäre allemal besser als nass (und das waren wir nach der Wanderung im Regen schon ziemlich) zelten zu müssen.

Gerade rechtzeitig vor einem gewaltigen Regenschauer kamen wir um kurz nach sieben am letzten Shelter vor der Straße zum Hostel an. Während wir dort das Ende des heftigen Regens abwarteten und uns in unsere Regenhosen packten, die wir bis dahin noch nicht gebraucht hatten, erzählten uns die dort übernachtenden Hiker von einem zweiten Hostel an der Straße. Nach einem kurzen Blick in unsere beiden Guides und einem Anruf beim Black Bear Resort um sicherzustellen, dass sie uns um 22h noch reinlassen würden, stand fest, dass wir dorthin gehen wollten. Pünktlich zu unserem Weitermarsch um halb acht ließ der Regen wieder nach – das schien uns ein gutes Zeichen zu sein!

Zwischenzeitlich war noch kurz vor dem Shelter ein Reh aufgetaucht und wir hatten ein Kaninchen gesehen und konnten es sogar fotografieren, also war unser Bedarf an Wildtiersichtungen für den Tag gedeckt und wir konnten uns voll auf den Weg konzentrieren. Das war aber auch nötig. Mit zunehmender Dunkelheit wurde es gleichzeitig immer nebliger. Da wir uns nach oben bewegten, nehme ich an, wir waren wieder mal in den Wolken unterwegs. Irgendwann zwischen viertel nach acht und halb neun kam der Punkt, an dem wir definitiv die Stirnlampen einschalten mussten. Dummerweise haben die keine Nebelscheinwerfer, so dass wir nun immer eine weiße Wand vor uns hatten. Ich bin natürlich wie immer voraus gegangen und Frank fröhlich hinterher. Die Sicht war zwischenzeitlich so miserabel, dass ich mehr fühlte als sah, dass ich auf dem Trail war und dass ich jedes Mal wenn ich ein White Blaze erblickte, aufatmete. Die letzte Möglichkeit, draußen zu übernachten, hatten wir weit hinter uns gelassen, wir waren pudelnass und da der Weg vom Profil und vom Zustand her weiterhin gut begehbar war, schien es uns die vernünftigste Lösung, weiterzugehen. Im Hostel würden wir wenigstens die Nacht im Trockenen verbringen und könnten uns und unser Zeug Aufwärmen und trocknen.

Aufgrund der schwierigen Witterung haben wir dann doch etwas länger als erwartet runter zur Straße gebraucht, wir waren erst um 22:15h dort. In aller Eile sind wir diese dann runter Richtung Black Bear Resort gerannt. Als wir dort um kurz vor halb ankamen und uns das „Open“-Schild entgegen leuchtete, waren wir ungemein erleichtert! Die Besitzer hier sind unglaublich liebenswerte Leute, nass und verdreckt wie wir waren, haben sie uns in ihre Wohnung gebeten, um dort alles für die Nacht zu organisieren. Wir haben den neuen Bunkroom für uns alleine, damit wir die anderen nicht aufwecken. Außerdem haben wir noch fix Getränke und Essen aus ihrem Laden bekommen und wir wurden sogar zu unserem Schlafplatz gefahren (in dem ehemals sauberen Auto mit den guten Ledersitzen). Jetzt haben wir unser ganzes Zeug im gesamten Bunkroom zum Trocknen verteilt, die Heizung aufgedreht und kuscheln uns in unsere Schlafsäcke. Wir haben heute 25 Meilen durch Nacht, Nebel und Regen geschafft – dafür fühl ich mich echt gut, weniger kaputt als erwartet.

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