5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Mountain Harbour Hostel nach Black Bear Resort – 40km

3 Kommentare

Unser Plan für heute lautete: 7:00 Uhr Aufstehen und Packen, 8:00 Uhr Frühstück, 9:00 Uhr Abmarsch und dann abhängig vom Wetter entweder 13 Meilen ins nächste Hostel oder irgendwo unser Zelt aufschlagen. Doch dann kam alles anders…

Beim Aufwachen mussten wir feststellen, dass durch den nächtlichen Temperatursturz von 20 Grad all unsere Sachen ziemlich feucht vom Kondenswasser waren. Also haben wir das Außenzelt und die Schlafsäcke über den Zaun zum trocknen gelegt und unser restliches Zeug so weit wie vorbereitet. Dann war es auch schon fast Zeit fürs Frühstück. Eindeutig daran erkennbar, dass sich alle Wanderer wie eine Horde hungriger Wölfe auf der Veranda des Haupthauses sammelten.

All die Lobeshymnen, die wir über dieses Frühstück schon gehört hatten, waren nicht übertrieben! Das ist mit riesigem Abstand das beste Frühstück, das wir hier bisher bekommen haben! Es gab: Tomaten, Kanadischen Beacon, in Entenfett gebratene Kartoffeln, Reispudding, Gemüsesoufflee, French Toast mit Pekannusssirup, Brötchen, Tomatengravy, Käsequiche, Pekannusskuchen, Zimtschnecken und Obstsalat. Natürlich alles hausgemacht! Bis nach um neun haben wir in der Wohnküche gesessen und gegessen… Von diesem Frühstück werden wir noch des Öfteren träumen!

Als wir dann endlich alles zusammengepackt hatten war es schon halb elf und es sah so aus, als ob wir wieder keine 15 Meilen schaffen würden. Ein Blick auf die Uhr, nach unserer Mittagspause am Jones Wasserfall mit Samba, hat uns aber gezeigt, dass wir heute ziemlich fix unterwegs waren. Zwei Meilen pro Stunde inklusive Pausen! So sollte es dann auch weitergehen. Das Profil war relativ flach und wir wurden immer schneller. Als wir die Walnut Mountain Road bei Meile 10 erreicht hatten, war unser Schnitt auf 2,4 Meilen/Stunde angestiegen. Wenn das so weiter ginge und wir ein wenig verrückt wären könnten wir ja… Und außerdem gäbe es dann wohl ein Bett im Bunk Room und eine heiße Dusche! Und wir müssten nicht im zu erwartenden Regen campen! So wurde der Plan geboren bis nachts halb zehn an der Dennis Cove Road zu sein und dann ins Kincora Hikink Hostel zu gehen. Eine 25 Meilen Etappe!

Um viertel vor fünf kam dann der Regen. Es war aber erstmal nicht schlimm und es reihte, unsere Regenjacken anzuziehen. Kurz vor dem Side Trail zum Abby’s Memorial Hostel war dieser erste Regenschauer nach einer Stunde auch schon wieder vorbei. Der ganze Wald roch jetzt so wunderbar frisch nach Sommerregen und es war endlich auch nicht mehr so drückend schwül. Trotzdem standen überall am Wegesrand die Zelte von Wanderern, die das Wetter hier draußen aussitzen wollten. Anscheinend waren nur noch wir unterwegs…

Um halb acht kamen wir am letzten Shelter vor der Dennis Cove Road an. Auch hier hatten sich schon alle für die Nacht eingerichtet und es wäre kein Platz mehr für uns gewesen. Dort fing es dann auch so richtig an zu schütten! Also haben wir als erste unsere gesamte Regenausrüstung angezogen. In dem Shelter hing auch ein Zettel des Black Bear Resorts. Das sah wesentlich netter aus als das Kincorean. Außerdem wollten auf Grund des Preises die meisten vor uns wohl schon dort hin und der Bunk Room dürfte voll gewesen sein. Daher haben wir mit dem Telefon eines Wanderers aus dem Shelter beim Resort angerufen, unsere Ankunft für 22:00 Uhr angekündigt und weiter ging’s auf die letzten sechs Meilen. Mittlerweile hatte sich auch der Regen etwas beruhigt.

Nur wurde es dann doch so langsam dunkel. Nach dem Shelter sollte noch ein letzter Aufstieg kommen. Der hat hat uns in den Nebel oder die Wolken geführt. Was von beidem es war, machte auch keinen wirklichen Unterschied. Es war so oder so ziemlich widerlich. Während wir sonst in der Nacht im Camp eigentlich nie Lampen brauchen, weil der Mond so hell ist, haben sie uns heute so gut wie nichts gebracht. Wir hatten ungefähr 3m Sicht, der Rest war eine schwarze Nebelsuppe! Teilweise war es sogar schwer zu erkennen, wo der Weg langgeht. Veronika hat später gesagt, dass sie ihn zwar nicht immer sehen konnte, aber sie hat wohl gefühlt, dass sie darauf lief… Die ganzen zwei Stunden ist sie wie ein Blindenhund vor mir her gelaufen: „Stein, Wurzel, Ast, White Blaze, hoch, runter“! Ich war wirklich beruhigt, wie gut sie das macht, und bin ihr einfach hinterher gelaufen. Dafür war sie wohl extrem angespannt. Einige Passagen auf diesem fast unsichtbaren Weg waren aber auch nicht ohne! Teilweise ging es über Felsen und Geröll, was unsere Geschwindigkeit massiv gedrosselt hat. Und die ganze Zeit dieser doofe Regen!

Irgendwann waren wir endlich in tieferen Regionen unterwegs und man konnte wieder halbwegs vernünftig sehen. Was waren wir froh, als um 22:15 Uhr eine Straßenlaterne durch die Bäume zu sehen war!!! Noch eine halbe Meile, hoffentlich ist noch jemand wach! Ansonsten wollten wir uns einfach in den Bunk Room legen. Die anderen Wanderer hätten uns bei diesem Wetter auf jeden Fall reingelassen. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir am Resort an und wurden von einem „Open“ Sign begrüßt! Sie haben wohl noch auf eine andere Gruppe gewartet, die irgendwo im Stau steckte. Um die anderen nicht zu wecken, wurden wir im neuen Bunk House einquartiert und hatten das ganz für uns alleine. Fertig wie wir waren, haben wir uns jeder noch ein Soda und ein Bier gegönnt, etwas Trailmix als Abendbrot gegessen, alle unsere Sachen zum Trocknen ausgebreitet und sind ins Bett gefallen.

So wurde aus einem geplanten 13 Meilen Tag unser erster 40km Lauf. Was ein gutes Frühstück alles bewirken kann…

Noch 2.831km

3 Kommentare zu “Mountain Harbour Hostel nach Black Bear Resort – 40km

  1. Fleißíg, fleißig, da habt ihr einen richtig abenteuerlichen Wandertag hinter euch! Du kannst wirklich froh sein, dass Veronika so ein guter Wanderguide ist, das macht es doch um einiges leichter, oder? 🙂

  2. Bei Nacht und Nebel durch den Wald, brrrrrrrrrrrrrrrr. Aber wenigstens hattet ihr nicht unsere tierischen Begleiter der letzten vier Wochen. Übrigens DANKE Veronika für Deine liebevolle Pflege.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s