5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

The Damascathon – Iron Mountain Shelter nach Damascus, (mi 467,1)

Hinterlasse einen Kommentar

Es hat sich gelohnt, dass wir gestern so früh abgehalten haben und mal nicht so spät ins Bett gekommen sind. Heute morgen waren wir die ersten, die um 8:00h vom Shelter aus aufgebrochen sind. Als wir bei der ersten Wasserstelle stoppen und Wasser fassen mussten, wurden wir dann zwar von allen überholt, weil unser Filter im Moment so schwer geht, wahrscheinlich ist er schon verschmutzt, aber das hat uns heute nicht gestört, da wir ja als erste losgelaufen waren.

Außerdem war das Profil so toll, dass wir unglaublich schnell vorangekommen sind und an jedem Wegpunkt dachten, die Meilenangaben im Buch seien falsch. Es lief viel besser als gestern und ich bin mit sicher, dass uns gestern die letzten Meilen, die heute unsere ersten waren, nicht so leicht gefallen wären. Als wir unten an der Straße ankamen, an der Beetlejuices Eltern ihn gestern abholen sollten, hielten wir eifrig Ausschau nach der versprochenen Trail Magic. Leider ohne Erfolg. Entweder wir waren zu spät und jemand anderes hatte unsere Trail Magic gefunden oder es war schon nichts mehr da gewesen, als Beetlejuice gestern Abend ankam.

Ich war ein bisschen traurig, weil nichts da gewesen war. Allerdings hatte eine Kirche kurz vor der Straße eine Kiste mit allerlei Gaben aufgestellt gehabt, wovon wir die Reste bewundern konnten. Eine dort angetroffene Southbounderin schlug vor, dass wir warten sollten, weil die Kiste täglich aufgefüllt würde. So wichtig war uns das dann aber auch nicht mit der Trail Magic.

Es ging also flott weiter über ein Stück Rollstuhlfahrer-gerechten Trail. Dieses Stück führte über eine Kuhweide, war abgesehen von den Kuhfladen sehr angenehm zu gehen und bot einen schönen Rundumblick. Auch danach blieb der Weg sehr gut begehbar und wir konnten es kaum glauben, als die nächste Straße in Sicht kam. Da wir ein paar Wegpunkte übersehen hatten, wähnten wir uns noch weit entfernt – bei normaler Geschwindigkeit hätten wir noch gut eine Meile dorthin gehabt. Heute aber nicht. Und unten auf dem Parkplatz standen zwei Wohnmobile, es war ein Pavillon aufgebaut und Lagerfeuer brannte. Beim Näherkommen sah ich dann die für Trail Magic typischen Kühltaschen – was für eine Freude! Als wir hoffnungsfroh auf die Kühltaschen zu gingen, kam uns ein Mann entgegen, erzählte, dass er von einer Kirche sei und drückte uns eine Karte in die Hand. Wir hatten nur Augen für das Hiker-Buffet, das sie da aufgebaut hatten: Softdrinks (die guten, ich hab Mountain Dew gekriegt), Chips, Obst, Moon Pies, Cookies, Riegel und vieles mehr! Zum Glück durften wir uns von allem soviel nehmen, wie wir wollten. Frank war bescheiden und hat sich zum Softdrink nur eine Mandarine und Chips genommen. Ich war etwas gieriger und hatte zusätzlich noch einen Apfel und einen Moonpie (wusste ja noch nicht, ob der Moonpie lecker ist). Wir haben uns zu einem weiteren Mann von der Trail Magic und Cyclops und „Triple-Howdy“ ans Feuer gesetzt und es uns gut gehen lassen. Irgendwann mussten wir dann leider wieder weg vom wärmenden Feuer, zurück auf den Trail. Natürlich mit einem weiteren Softdrink und Snacks für den Weg. Das war unsere coolste Trail Magic bisher (die Übernachtung bei Ken und Cindy steht natürlich über Trail Magic, das war etwas wirklich ganz besonderes).

Es ging genauso schnell weiter wie vor der Trail Magic. Zwischenzeitlich fing es an zu regnen, so dass wir unsere Regenjacken überziehen mussten, aber auch das konnte uns heute nicht stoppen. Heute waren wir diejenigen, die die anderen alle überholt haben und nicht umgekehrt. Auch mal ganz schön zur Abwechslung zu den schnelleren zu gehören! Unsere wohlverdiente und wegen der Trail Magic etwas spätere Mittagspause hatten wir in einem der ältesten noch stehenden Shelter, dem Queens Knob Shelter. Die Liegefläche dort ist in etwa so groß wie ein kurzes, schmales 2-Personenbett, es zieht durch lauter Ritzen und man muss sich bücken, um dort reinzukommen. Ich hätte wohl auch besser beim rausgehen den Kopf einziehen sollen: Peng – saß ich wieder und hielt mir erstmal den Kopf. Das hatte ganz schön gescheppert, aber falls überhaupt, war nur das Shelter beschädigt, der Kopf auf jeden Fall nicht. Trotz des großen Schreckens ist mir dieses niedliche alte Shelter sehr sympathisch, es sollte aber nur im Notfall als Unterkunft benutzt werden.

Nachdem Frank sich versichert hatte, dass ich wirklich noch ganz war, ging es weiter zum nächsten Shelter. Hier trafen wir einige der Leute von unserem Shelter letzte Nacht an, sie wollten alle dort bleiben. Da es gerade mal vier Uhr Nachmittag war, wollten wir auf jeden Fall weiter in Richtung Damaskus – bei der aktuellen Geschwindigkeit würden wir es bis halb acht nach unten schaffen. Und es gab als Backup eine Campsite zwei Meilen vor der Stadt, falls es doch später werden würde. Wir wollten nicht noch so eine Nacht- und Nebel-Aktion wie letztens riskieren.

Kurz vor halb sieben hatten wir eine weitere wichtige Wegmarke erreicht: Wir waren an der Staatsgrenze zwischen Tennessee und Virginia. Damit sind wir jetzt in unserem vierten Staat! Da werden wir wohl aber auch seeeeeehr lange bleiben, bis zur Meile 1012… Wenig später kamen wir zu der Campsite 2 Meilen vor Damascus. Inzwischen regnete es wieder heftiger und für uns stand fest: heute gehen wir in die Stadt! Blue Bonnet und Yank lagen dort in ihrem Zelt, es sah sehr gemütlich aus, aber ein warmes Zimmer war uns doch lieber. Wie immer freuten sich die beiden darüber, dass wir wieder mal dem Regen ausweichen wollten.

In Damascus führt der Trail wirklich durch die Stadt, mit richtigen White Blazes und einem Shelter (in dem man jedoch nicht übernachten darf). Wir haben uns in letzteres gesetzt, um mit dem Stadt-WiFi per Skype die diversen Übernachtungsmöglichkeiten durchzutelefonieren. Nach einigen Anrufen haben wir dann ein Zimmer in einem Bed & Breakfast bekommen. Ohne Breakfast aber dafür mit eigenem Bad für 85$. Heute gab es nichts günstigeres mehr. Der Laden hier ist echt nett, überall hängen Zettel mit Gebrauchs- und Verhaltensanweisungen für die Gäste. In der Küche war Trail Magic, ein Mitwanderer hat Gatorades und Snacks da gelassen.

Nachdem wir unser ganzes Zeug zum Trocknen ausgebreitet hatten, sind wir zum Abendessen ins Blue Blaze Café. Wir hatten uns bei der Pizza ein bisschen verrechnet und deswegen viel zu viel zu Essen bestellt. Das schlimme ist: bis auf ein Stück Pizza haben wir alles restlos aufgegessen!

Mountain Goat, TK (ehemals Peanut) und Backstreet sind auch in der Stadt, wir wollen uns morgen zum Essen treffen. Apropos Treffen – wir haben Jeff in der Stadt getroffen, der damals am ersten Tag mit uns vom Hiker Hostel aufgebrochen war. Wir hatten ihn viel weiter vor uns vermutet. So schlecht sind wir wohl gar nicht unterwegs!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s