5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Das Wetter ist unvorhersehbar, aber unser Freund – Bland nach Trent’s Grocery (mi 605,5)

5 Kommentare

Wie gut man doch in einem sauberen Hotelbett schläft! Wir waren beide gut erholt heute morgen, obwohl wir gestern doch recht spät ins Bett gekommen waren und pünktlich um halb acht aus den Federn waren. Nach einem schnellen Frühstück in dem Burgerladen gegenüber haben wir unsere Sachen gepackt und uns gemeinsam mit Big Red, Yooper und einem weiteren Hiker von Bubba zurück zum Trail fahren lassen.

Um viertel nach zehn ging es los, mit einem leicht mulmigen Gefühl wegen des Wetters. Für heute war strömender Regen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70-80% angekündigt. Unser Ziel war deshalb Trent’s Grocery in etwas mehr als achtzehn Meilen. Falls das Wetter wirklich so schlimm werden würde, könnten wir uns von dort zurück zum Motel fahren lassen. Andernfalls könnten wir dort campen, würden ein warmes Abendessen bekommen und hätten die Möglichkeit, unsere Vorräte für den Weg nach Pearisburg aufzustocken, zu duschen und Wäsche zu waschen.

Ich war ganz aufgeregt, weil ein Mitwanderer, der diese Strecke gestern gegangen war und sich zurück zum Motel shuttlen lassen hatte, erzählt hatte, er habe eine Schildkröte gesehen, eine Boxturtle. Mit der noch vorhandenen Feuchtigkeit und dem wieder einsetzenden Regen hatten wir gute Chancen, ihr auch zu begegnen. Vor dem Mittagessen sahen wir nur eine Schlange. Kaum dass wir unsere Regenklamotten angezogen hatten und unsere Rucksäcke geschützt hatten, hatte es nämlich aufgehört zu regnen. Damit es weiterhin trocken bliebe, haben wir so lange unsere Regenklamotten anbehalten, bis wir es nicht mehr ausgehalten haben – sie halten Feuchtigkeit in beiden Richtungen fest, es kommt auch nichts raus.

Nach dem Mittagessen tröpfelte es nochmal kurz, gerade genug, um einen der kleinen orangen Molche rauszulocken. Yooper und Big Red hatten bisher noch keinen gesehen, also haben wir kurz gewartet, damit sie uns einholen und wir ihn ihnen zeigen konnten. Nach einer kurzen Fotosession wurde auch dieser kleine Kerl aus der Gefahrenzone weg an den Wegrand gesetzt. Wir haben an sämtlichen Wasserstellen, an denen wir vorbei kamen, Ausschau nach den erwachsenen grünlichen Wassermolchen gehalten, allerdings ohne Erfolg. Dafür haben wir im Laufe des Tages noch drei weitere kleine orange Kerlchen getroffen.

Der Weg war überwiegend angenehm, gegen Ende erst etwas steinig und dann lehmig. Der lehmige Teil war ziemlich fies rutschig – Gott sei Dank hatte es heute fast nicht mehr geregnet. Gestern hat das bestimmt noch viel weniger Spaß gemacht. Mit dem Wetter hatten wir echt Glück heute, es hat immer nur rechts und links von uns ziemlich übel ausgesehen, nach viel Regen und dicken Wolken. Wir sind aber meistens trocken geblieben und hatten am Ende sogar Sonnenschein. Kurz vor der Straße zur Grocery durften wir einen Fluss mit Hilfe einer Hängebrücke überquer. Die war zwar weniger abenteuerlich als ich mir das vorgestellt hatte aber mal eine nette Abwechslung.

Die Burger hier in Trent’s Grocery waren ganz lecker, der Laden ist allerdings ziemlich schräg. Es gibt ein buntes Sortiment, das wohl vor allem Hiker, Fischer und Jäger glücklich machen soll. Die Auswahl an Riegeln war etwas beschränkt, dafür gab es kleine abgepackte Kuchen, die ich sonst noch nirgends gesehen habe – mal gucken, wie die schmecken und ob sie als Frühstück taugen. Bemerkenswert waren auch diese Tretfallen, ich glaube, die sind in Deutschland verboten. Diese fiesen, metallischen Halbringe, die einem die Füße mit Metallzähnen festhalten (oder abzwicken) wenn man drauf tritt. Mir fällt gerade der Fachbegriff nicht ein – waren es Tellerfallen?

Der Zeltplatz ist ok, die sanitären Einrichtungen kann ich allerdings nicht empfehlen. Wir waren uns alle einig, dass die nächste Dusche noch etwas warten kann. Und das Klo war ziemlich unbeschreiblich. Ich freu mich beinahe schon wieder auf die Plumpsklos im Wald. Wäsche waschen wollten wir auch nicht, aber das wäre kostenlos und man müsste noch nicht mal das Waschmittel zahlen. Mal gucken, ob wir es morgen schon nach Pearisburg schaffen, dann können wir uns dort grundreinigen und übermorgen einen Zero einlegen. Heute haben wir übrigens die 600-Meilen-Marke geknackt.

5 Kommentare zu “Das Wetter ist unvorhersehbar, aber unser Freund – Bland nach Trent’s Grocery (mi 605,5)

  1. Das wäre doch eine ziemliche Marktlücke: Regenklamotten, die nach außen abgeben aber nach innen dennoch nichts reinlassen! Erfinden müsste man sein…… Glückwunsch zur 600 Meilen Marke!

  2. Super macht ihr das. Weiter so . Binn gespannt auf Eure nächsten Einträge

    lg Michu

  3. Ich habe mich so gefreut, als ich eure Seite gestern entdeckt habe. Habe mir direkt euer Trailvideo angesehen, super. Bin sehr gespannt auf eure Berichte. Wollt Ihr den ganzen Trail laufen? Ich hoffe, dass ich es schaffe, wenigstens mal einen kleinen Teil zu „hiken“. Euch alles,alles Gute und Glückwunsch zu den bis jetzt gelaufenen 600 Meilen.

    L.G. aus dem Rothaargebirge
    Barbara

  4. Hey Leute finde Eure Orte Kaum, könnt Ihr wenn es geht den letzten shelter Name angeben damit ich mir anstreichen kann wo Ihr abgebogen seit. Trent’s Grocery finde ich niergens. Recht herzlichen Dank Ihr seit der Wahnsinn.

  5. Glückwunsch zu den ersten 600 Meilen!
    Ich hoffe die nächsten 1500 werden genauso schön 🙂
    LG

    Caillean

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