5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Nearo im Shelter – Pearisburg nach Rice Field Shelter (mi 637,6)

Ein Kommentar

Da es gestern doch wieder etwas später geworden war, bis wir ins Bett gekommen sind, ließen wir uns erst um acht vom Wecker wachklingeln. Mein Runner Up war so lieb, zum Donutladen zu sausen, um Frühstück zu holen. Da wir heute ja wieder unser magereres Trail-Mittagessen kriegen sollten, gab es drei Donuts für jeden von uns.

Kurz bevor wir gegen zehn losmarschiert sind, haben Yooper und Big Red auf dem Weg raus noch reingeschaut, um zu gucken, wo wir heute hingehen wollten. Bei Dairy Queen haben wir sie dann überholt, sie haben sich noch ein Stadtmittagessen gegönnt. Als wir den Weg zurück zum Trail gingen, den wir vorgestern hochgelaufen waren, hielt ich Ausschau nach dem Elefantenstein, um ihn Frank zeigen zu können. Er sieht wirklich aus wie ein Elefant, ich war ganz überrascht. Vorgestern hatte ich nicht wirklich ein Auge dafür gehabt. Dann haben wir schnell noch ein Foto von den Überresten des explodierten Motels geschossen und sind zurück zum Trail.

Gleich nachdem wir in die Straße eingebogen waren, über die wir rein gekommen waren, hielt ein besorgter älterer Herr neben uns. Ob wir sicher seien, dass wir auf dem richtigen Weg seien, fragte er mit ausgeprägtem Südstaaten-Akzent. Weil er sähe die Wanderer immer an einer anderen Stelle Richtung Norden wandern. Wir mussten ihm mehrfach versichern, dass wir auf dem richtigen Weg seien solange wir die weißen Streifen sähen bis er uns immer noch ungläubig den Kopf schüttelnd ziehen ließ. Echt liebenswerte, hilfsbereite Leute hier überall.

Gleich nach den ersten Schritten auf dem Trail erkannte ich Giftefeu. Gestern in der Bibliothek hatte mir nämlich eine neben mir sitzende Kräuterfrau genau erklärt, wie das Zeug aussieht. Ich bin immer noch ziemlich überrascht, wieviel davon tatsächlich hier wächst – ich hab heute ständig welchen gesehen! Zum Glück haben wir einen Stick, der helfen soll, wenn’s einen erwischt hat. Und Yooper meinte gestern, dass nicht jeder von Giftefeu Ausschlag bekommt, anscheinend ist das wie bei einer Allergie und manche Leute sind dagegen immun. Für den Notfall hat die Kräuterfrau mir auch noch gezeigt, welche Pflanzen die Wirkung von Giftefeu lindern. Und zur Sicherheit haben wir einen Stick gegen den Ausschlag dabei.

Zunächst war das Wetter echt schön – sonnig und warm. Dann sahen wir die Wolken und den Regen am Horizont. Kaum spürten wir die ersten Regentropfen, waren wir auch schon mittendrin. Zum Glück war es nicht weit zum Shelter und so wagten wir es trotz Gewitters über die Wiese zu laufen. Im Shelter saßen schon Yooper und Big Red, sie hatten es gerade rein geschafft, bevor es losgelegt hatte. Eigentlich wollten wir alle nur das Ende des Schauers abwarten und dann weiter zur sieben Meilen entfernten Campsite.

Es wollte nur einfach kein Ende nehmen mit dem Regen. Uns allen steckte noch die Nässe von vorgestern in den Knochen. Außerdem wussten wir nicht, wie die Campsite gelegen ist und mit dem drohenden Gewitter wollten wir ungern auf einem freiliegenden Grat schlafen. Nach eingehender Abwägung der Möglichkeiten, genauer Abschätzung des Profils und Überprüfung der Vorräte waren wir uns einig, dass es das vernünftigste war, hierzubleiben. Wir waren noch fast trocken und wir können es gut schaffen, unseren Zeitplan einzuhalten, wenn wir morgen und übermorgen etwas weiter laufen. Übermorgen kochen nette Leute ca. 51,5 Meilen von Pearisburg entfernt für die Hiker. Das hört sich wirklich gut an und wir sind motiviert, morgen 25 und übermorgen 19 Meilen zu machen, um davon was abzukriegen.

Als Frank Wasserholen ging, hatte er echt großes Pech. Die Wasserstelle ist hier extrem weit weg und gerade als er unten war, ging der Regen wieder los. Ich hatte ein schlechtes Gewissen dabei hier oben im Trockenen zu sitzen. Noch während ich meine Regenmontur anzog, fing es auch noch an zu hageln. Jetzt fühlte ich mich richtig schlecht. Ich wartete ab, dass der Hagel nachließ, dann bin ich ihm entgegen gelaufen. Zum Glück hatte es dort unten wohl gar nicht gehagelt, er war nur völlig durchnässt. Kaum dass er wieder in trockenen Klamotten war, kamen immer mehr nasse Hiker zum Shelter. Inzwischen liegen wir zu neunt im 7er-Shelter. Wir hätten auch noch einen zehnten untergebracht, aber der wollte seinen Kumpel nicht alleine draußen lassen. Den hätten wir nämlich wirklich nicht mehr rein bekommen.

Das Mädchen, das als letztes ins Shelter gekommen ist, hatte echt abenteuerliches zu berichten: vor kurzem lag sie schlafend in ihrem Tarp-Tent (das ist ein offenes Zelt). Plötzlich wachte sie mitten in der Nacht auf und blickte einem Stinktier in die Augen. Das Stinktier biss sie in die Nase bevor sie irgendetwas tun konnte. Sie versuchte dann nur noch, sich vor der Spritzattacke zu schützen, die aber zum Glück nicht folgte. Das Stinktier zog sich ohne zurück, aber jetzt muss sie sich gegen Tollwut impfen lassen, weil dieses Verhalten bei einem Stinktier schon etwas besorgniserregend ist.

Ein Kommentar zu “Nearo im Shelter – Pearisburg nach Rice Field Shelter (mi 637,6)

  1. Bei der Story von dem Mädchen und dem Stinktier musste ich schmunzeln, obwohl ihr sicher nicht zum Lachen zumute war. Aber ein Tarp-Tent, das ist auch wirklich abenteuerlich, mit so etwas würde ich mich sicher nicht auf den Weg machen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s