5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Pickle Branch Shelter nach Johns Spring Shelter – 21,76km

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Heute haben mich nicht die Vögel zum Sonnenaufgang geweckt, sondern die Kojoten um halb sechs! Das Geheule war so laut, dass ich dachte, selbst Veronika müsse davon trotz Ohrstöpseln aufwachen. Dem war aber nicht so und als ich sie dann um sieben wecken wollte, war das auch nicht so ganz einfach. Sie hat sich einfach geweigert aufzustehen. Es war aber auch kalt draußen! Ich hatte schon nachts festgestellt, dass es viel kälter als gestern war. Dabei sollte es doch endlich wärmer werden!

Als wir dann endlich aufgestanden sind, mussten wir erstmal das Außenzelt am nächsten Baum zum Trocknen aufhängen. Alles, inklusive unserer Essenssäcke, die über Nacht ja draußen hängen, war feucht. Eine Stunde in der aufgehenden Sonne hat zumindest das Zelt trocknen lassen. Ich weiß nicht, ob es an den Wiesen oder an den nächtlichen Temperaturstürzen liegt, dass wir soviel Kondenswasser haben.

Erster Wegpunkt des Tages: Dragons Tooth, Drachenzahn. Auf dem Weg dorthin haben uns überraschender Weise Little Foot und Garbage Man überholt. Wir dachten, dass die beiden schon weit vor uns sein müssten, aber sie brauchten wohl einen zusätzlichen Zero. Zusammen mit den beiden, Yooper und Big Red sowie Bamboo und Morning Kid sind wir den Seitenpfad zum Dragons Tooth gegangen. Das ist ein hoher Monolith oben auf dem Grat, den wir bis dahin entlang gewandert sind. Man kann wohl auch drauf klettern, aber als ich gesehen habe, dass es oben nur einen guten halben Meter breit ist, hat mich meine Höhenangst davon abgehalten.

Zu klettern gab es dann auch noch genug! Der Weg nach unten ging teilweise einfach die Felswand hinunter. In einigen Passagen haben wir unsere Stöcke einfach runter geworfen und sind ihnen auf allen Vieren hinterher gekrabbelt. Ich hatte daran wesentlich mehr Spaß als Veronika. Dabei kommt sie doch aus den Bergen und ich bin der Flachlandtiroler! („Nein, München ist brettleben!“) Unten stand für die Tageswanderer dann auch ein Schild mit der Warnung, dass die nächste Meile extrem steil und felsig sei. Oben hatten wir nichts davon gelesen! Anscheinend müssen Thru-Hiker das einfach abkönnen. Oder wir sollten es als Vorgeschmack auf die White Mountains hinnehmen. Laut Little Foot und Garbage Man, die von dort oben kommen, sieht es da genau so aus…

Zweiter Wegpunkt des Tages: die Straße zur Catawba Grocery. Unsere Lebensmittelvorräte waren völlig erschöpft und wir mussten für die nächsten zwei Tage einkaufen! Als wir unten an der Straße ankamen, haben wir zum ersten Mal Sweet Tooth getroffen. Sie begleitet ihren Mann Molar Tooth, ein ehemaliger Zahnarzt, auf seinem Thru-Hike. Sie setzt ihn morgens ab, tagsüber wandert er und sie macht Trail Magic und abends bzw. nachmittags sammelt sie ihn wieder ein. Auch wir haben jeder ein Tütchen Chips bekommen. Die vorletzte Cola haben wir uns geteilt, damit Big Red und Yooper, die hinter uns waren, auch noch eine bekommen konnten. Reumütig muss ich zugeben, den Löwenanteil getrunken zu haben. Wenn man einem Wanderer hier ein Soda in die Hand gibt, verdampft das aber auch irgendwie in kürzester Zeit!

In der Grocery, die eigentlich die örtliche Tankstelle ist, gab es dann aber genug Zuckerwasser für uns alle. Leider darf man dort zwar Bier kaufen, es dann aber nicht auf dem Parkplatz trinken… Die Burger und das Sandwich, das wir uns geteilt haben, waren ausgesprochen gut. Nach unserer Erfahrung mit Trent’s Grocery hatten wir das so nicht erwartet. Nur der Resupply war ziemlich teuer! Für zwei Tage mussten wir soviel ausgeben wie sonst für drei. Tankstellenpreise halt. Als wir gerade im Aufbruch begriffen waren, hielt ein Auto und die zwei Jungs, die ausstiegen, fragten uns, ob sie uns etwas zu trinken kaufen oder sonst wie helfen könnten. Getrunken hatten wir genug aber Yooper hat geistesgegenwärtig gefragt, ob sie uns zurück zum Trail fahren könnten. Der Hund und der Beifahrer mussten an der Tankstelle warten und wir vier haben uns mit unseren Rucksäcken in das Auto gequetscht. Professor, unser Fahrer, ist mit seinem Cousin im letzten Herbst von Springer bis irgendwo nördlich von hier gewandert. Dieses Zurückgeben ist echt schön! Ein großer Teil der Trail Magic kommt von Leuten, die selbst hier unterwegs waren und denen damals auch geholfen wurde. Irgendwann müssen wir hier mal zur Thru-Hiker Saison Urlaub machen…

Die nächsten zwei Tage werden wohl eher kurz werden, neun und acht Meilen. Auf den letzten acht bis Daleville gibt es keine Möglichkeit zu campen und morgen die 17 zu pushen macht auch keinen Sinn. Wir hätten viel zu wenig Zeit auf dem McAfee Knob, dem wohl besten und meistfotografierten Aussichtspunkt Virginias, und müssten dann zwei Nächte im Motel bezahlen. Denn nach so einem langen Tag zeitig aufzustehen, Wäsche zu waschen, einzukaufen, Journals und Fotos hochzuladen, zum Outdoorshop zu gehen, möglichst viel zu essen und mittags wieder raus zu gehen übersteigt unsere Willenskraft dann doch. So werden wir übermorgen Mittag dort ankommen und am Tag danach ganz entspannt mittags wieder losgehen. Der Trail und die Shelter dürften dann übers Wochenende auch ziemlich leer sein, da doch einige zurück nach Damascus zu den Traildays fahren. Wir sparen uns das, holen unsere anderthalb Tage Rückstand auf und gewinnen noch gut drei dazu, da wir dafür eigentlich auch fünf Tage eingeplant hatten.

Noch 2.370km

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