5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wilde Klettereien – Pickle Branch Shelter nach Johns Spring Shelter (mi 704,7)

Ein Kommentar

Ich bilde mir ein, dass ich heute früh recht fix wach wurde und wir deshalb auch eine Stunde früher als gestern abmarschbereit waren. Frank ist heute ausnahmsweise als erster von uns beiden aus dem Zelt gekrabbelt. Es war ganz schön kalt geworden heute Nacht, auch wenn es nicht gefroren hatte. Unser Zelt war von der Kondensation ganz nass aber zum Glück kam die Sonne raus und wir konnten es an einen Baum hängen um es zu trocknen während wir frühstückten und unser restliches Zeug in die Rucksäcke packten.

Ich hatte wieder richtig gut geschlafen in unserem Zelt. Frank meint, die Kojoten müssen heute Nacht echt nah dran gewesen sein, als sie ihr Heulkonzert veranstaltet haben. Eigentlich würde ich gern mal einen sehen, ich weiß noch nicht mal richtig, wie sie aussehen. Kurz nach dem Aufbruch sind uns gleich mehrere Rehe über den Weg gelaufen. Die waren aber weniger entspannt als das gestrige und sind davongelaufen, so dass Yooper und Big Red, die kurz nach uns kamen, kein einziges mehr gesehen haben.

Wir waren ganz überrascht, von Garbageman und Little Foot überholt zu werden. In den letzten Logs hatten wir gesehen, dass sie einen guten Tag Vorsprung auf uns hatten. Allerdings hatten sie vorgestern einen Zero eingelegt. Ich denke, jetzt werden wir sie wohl nicht mehr sehen, sie sind eigentlich viel schneller als wir.

An einer Felsformation, die Dragons Tooth heißt, haben wir zusammen mit den beiden, Bamboo und Morning Kid sowie Yooper und Big Red noch rumgeblödelt und uns teilweise angestellt, weil wir uns nicht getraut haben, auf den höchsten Punkt des Felsen zu klettern. Yooper ind ich sind dann auf einen kleinen Felsen unterhalb des Dragons Tooth geklettert und haben ihn Chickens Knob getauft – für alle, die sich nicht auf den großen Felsen trauen. Kurz danach mussten wir dann mit Rucksack und allem drum und dran noch viel waghalsigere Klettereien unternehmen, um dem Trail entlang nach unten zum Grocery Store zu folgen. Ich hab mich vor allem am Anfang echt schwer getan, weil ich mich durch den Rucksack sehr behindert gefühlt habe. Als dann aber immer mehr College-Studenten ohne jegliches Gepäck leichtfüßig an uns vorbei kraxelten, war mein Ehrgeiz geweckt und es fiel mir deutlich leichter. Zur Belohnung für all die Mühe gab es dann unten an der Straße Trail Magic von Sweet Tooth, einer Frau, die Molar Man, ihren Mann, bei seinem Thru-Hike unterstützt. Sie wartet jeden Tag stundenlang auf ihn an einer verabredeten Stelle am Trail und verbringt die Zeit mit lesen und Trail Magic. Ihr gesamter Kofferraum ist gefüllt mit Softdrinks und Snacks für Hiker. Sie schreibt auf, wen sie getroffen hat und weiß wahrscheinlich besser als alle anderen, wer alles gerade auf diesem Teil des Trails unterwegs ist. Ich finde das wirklich sehr großzügig, jeden Tag Trail Magic zu verteilen!

Das Essen im Grocery Store war echt lecker und die Dame an der Kasse war auch sehr liebenswürdig. Ich war wieder mal überrascht zu sehen, wie genau diese Leute anscheinend wissen, was Hiker gerne essen. Es gab echt alles, was wir so üblicherweise morgens, mittags, abends und zwischendurch essen. Alles einzeln abgepackt und in der Summe ganz schön teuer, aber dafür müssen wir auch nur für zwei Tage einkaufen, dann geht es nach Daleville. Alle Kunden des Ladens waren liebenswert und sehr begeistert von uns Hikern. Yooper war so clever, zwei Jungs, die uns Softdrinks spendieren wollten weil wir Wanderer sind zu fragen, ob sie uns nicht stattdessen zum Trail zurück bringen könnten. Das haben sie sofort mit der größten Freude getan, beide sind letztes Jahr auch ein großes Stück des Weges gewandert und wissen, was Hiker glücklich macht.

Zurück auf dem Trail ging es so gut gefüttert wie wir waren echt flott voran. Dieser Abschnitt wird anscheinend stark von Dayhikern genutzt, wir sind heute echt vielen begegnet. Hier sind aber auch viele schöne Plätze. Morgen geht es für uns zum McAfee Knob, einem berühmten Aussichtsfelsen – da machen alle tolle Fotos, ich hoffe, wir trauen uns da drauf. Auf den Infotafeln am letzten Parkplatz wurde diesmal nicht vor Bären sondern vor Pumas gewarnt. Das wäre natürlich auch total cool, so einen zu sehen. Heute hatten wir außer den Rehen nur noch eine kleine Eidechse, allerdings mit blauem Bauch. Hier haben vorher wieder die Kojoten geheult, wieder ganz schön nah. Ich bin gern hier draußen.

Ein Kommentar zu “Wilde Klettereien – Pickle Branch Shelter nach Johns Spring Shelter (mi 704,7)

  1. Das nenne ich doch mal eine liebende Ehefrau! Falls ich es nicht schaffe, jemals wirklich den AT zu wandern (und je mehr ich von euren Kraxeleien lese, umso mehr beginne ich zu zweifeln), dann werde ich mal in der Thru-Hiker Saison dort Urlaub machen und ganz viel Trail Magic verteilen!

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