5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ein wirklich gemütlicher Tag auf dem Trail – Johns Spring Shelter nach Lamberts Meadow Campsite (mi 714,4)

Ein Kommentar

Da wir heute eh nicht viele Meilen vor uns hatten, waren wir morgens alle sehr gemütlich gestimmt. Während Runner Up, Yooper und ich lange schliefen (wir beide sind erst um acht aufgewacht) hat Big Red in aller Ruhe das schöne Wetter draußen mit seinem Buch genossen. Es war schon morgens richtig schön warm, was wir alle sehr angenehm fanden.

Auch der nette Southbounder im Shelter hatte es nicht eilig, heute morgen loszukommen. Er schlief sogar noch länger als wir alle. Wie wir heute morgen erfahren haben, ist er einer von vielen Veteranen, die hier auf dem Trail unterwegs sind. Leute, die sich auskennen, erkennen sie anscheinend spätestens bei Regen an ihrer Ausrüstung. Einige von ihnen haben sich zu einer Gruppe zusammen gefunden, sie nennen sich „Warriors“. Wir sind bisher aber immer nur Einzelkämpfern begegnet.

Gegen zehn waren Frank und ich dann endlich so weit, dass wir losgehen konnten. Wirklich prima war, dass ich heute morgen vom ersten Augenblick an draußen in kurzer Hose und T-Shirt rumrennen konnte, ohne zu frieren. Diese Temperaturen lockten nicht nur unzählige wunderschöne und riesengroße Schmetterlinge raus, es waren auch wieder Schlangen unterwegs. Und was für welche! Auf die erste bin ich wieder mal mitten im Laufen fast draufgetreten. Diesmal hab ich aber nicht nur den Schlangenschrei ausgestoßen, ich hab auch gleichzeitig einen Satz nach hinten in Richtung meines Runner Ups gemacht. Angesichts der Größe der Schlange hat er sich nicht mal darüber beschwert, dadurch dem Gestank meiner am Rucksack lüftenden Socken ausgesetzt zu sein. Das Viech war bestimmt 1,2 Meter lang!

Nach einer kleinen Schrecksekunde holte ich fix meine Kamera raus und wir schossen Fotos. Ich wusste, dass es nur eine von den harmlosen schwarzen Schlangen war („the black ones are good ones, they only eat mice“) fand es dann aber doch etwas beunruhigend, wie wenig sich dieses Tier vor uns zu fürchten schien. Als Frank seinen Stock daneben hielt, damit man die Größe besser sieht, schien sie das nicht zu irritieren. Und als er sie damit anstupste, kam sie auf ihn zu statt verängstigt zu flüchten. Also haben wir das Weite gesucht und sind den Trail weiter.

Kaum war ich mit meinen Gedanken wieder woanders, sah ich plötzlich am Wegrand die große Schwester der ersten Schlange. Gegen diese Schlange hier war die erste ja noch fast niedlich gewesen! Die hier war noch ein gutes Stück länger, fast anderthalb Meter lang und natürlich dementsprechend dicker. Während die erste Schlange ein leichtes Muster auf dem Rücken und vor allem an der Seite hatte war diese hier tiefschwarz mit einem leicht bläulichen Glanz. Sie wollte sich aber nicht so schön fotografieren lassen sondern hat sich ziemlich schnell seitlich des Wegs entlang bewegt, freundlicherweise von uns fort. Auch wenn ich weiß, dass die nicht giftig ist, möchte ich ihr doch nicht zu nahe kommen.

Kurz danach hat Frank dann hinter mir lieber den linken Weg um ein Hindernis genommen statt wie ich den rechten zu gehen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich dann seinen Schlangenschrei kennenlernen. Mein Runner Up war das erste Mal auf dem Trail auch fast in eine Schlange gerannt. Da sie im Vergleich zu den beiden vorherigen Schlangen ziemlich klein war (gerade mal einen halben Meter lang höchstens) und sein Erschrecken umso größer war, konnte ich mir ein bisschen Spott nicht verkneifen.

Weiter ging es nach oben, in Richtung McAfee Knob. Das Profil sah ziemlich fies aus und wir rechneten die ganze Zeit mit fiesen Passagen wie gestern runter vom Dragons Tooth. Bis uns ein netter älterer Herr entgegen kam, der anscheinend schon auf uns vorbereitet war, da er uns mit „the Germans“ begrüßte. Wir waren etwas verwundert, da wir ihn nicht kannten. Als er allerdings aus seinem Rucksack eine Tüte mit Bananen, Orangen und Süßigkeitensäckchen zauberte und sich als ehemaliger Thru-Hiker von 2003 vorstellte, der seither zweimal im Jahr Trail Magic macht, war klar, dass er auch Yooper und Big Red getroffen hatte. Bucky möchte auf diese Weise das zurückgeben, was er damals bekommen hat. Die Orange war an diesem heißen Tag heute genau das Richtige und nach einer netten Unterhaltung mit ihm ging es weiter.

Von Bucky erfuhren wir auch, dass der Anstieg zu McAfee nicht mehr schlimmer würde und so war es auch, es ging über angenehme, flache Rampen nach oben. Oben warteten schon Yooper und Big Red. Wir wollten alle zusammen eine günstige Gelegenheit abpassen, dass dieser berühmte Felsvorsprung frei wird, um auch von uns Fotos auf ihn zu haben. Inklusive ausgedehnter Mittagspause haben wir alles in allem zwei Stunden dort oben verbracht. Außer uns tummelten sich dort oben nämlich jede Menge College-Absolventen, die natürlich auch alle Fotos von sich auf dem Felsen haben wollten. Gut, dass wir heute die Zeit hatten, zu warten!

Danach ging es dann zuerst nach unten und dann wieder hoch, entlang der Tinker Cliffs. Hier waren auch lauter Felsnasen und Ausblicke, das war wirklich schön. Angeblich sollten wir von dort auch zurück zu McAfee Knob blicken können, aber keiner von uns wusste sicher, welcher Berg genau es war. War aber nicht schlimm, der Ausblick war auch so atemberaubend schön.

Nach dem Cliff war es nur noch ein Katzensprung zum Shelter und von dort nur eine Drittelmeile zur Campsite. Hier ist wirklich ein schöner Platz, wir liegen am Ufer eines Bachs. In dem Bach haben wir beim Wasserholen einen Flusskrebs und einen von den erwachsenen grünlichen Wassermolchen entdeckt. Genau wie die kleinen orangen Kerlchen hat er sich nicht gerührt und wir konnten ihn gut fotografieren.

Heute Nacht wird es wohl ziemlich warm, wir können wohl mit offenen Schlafsäcken schlafen. Morgen wollen wir früh los, um so schnell wie möglich in der Stadt zu sein und dort alles erledigen zu können.

Ein Kommentar zu “Ein wirklich gemütlicher Tag auf dem Trail – Johns Spring Shelter nach Lamberts Meadow Campsite (mi 714,4)

  1. Pumas werdet ihr wohl nicht treffen. Pumas sollen zwar streng riechen aber sind Veronikas Socken sicherlich nicht gewachsen.

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