5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Johns Spring Shelter nach Lamberts Meadow Campsite – 15,52km

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Der Sommer ist da! Heute Nacht konnte ich das zweite Mal auf dieser Wanderung ohne Fleecepullover schlafen. Bzw. musste es, weil es ansonsten viel zu warm gewesen wäre. Selbst zum aufstehen musste man nichts weiter anziehen. Gut, da heute ein kurzer Tag geplant war, haben wir auch ausgeschlafen und sind erst um acht aus dem Zelt gekrochen.

Lange hält man es da drin wach auch nicht mehr aus. Sechs Tage ohne Dusche, seit Wochen benutzte Schlafsäcke und wenig Wechselwäsche sind eine üble Mischung! Veronika hatte die tolle Idee, ihre dreckigen Socken außen an den Rucksack zu hängen. Vormittags, bevor sie durchgelüftet waren, musste ich echt Abstand zu ihr halten, weil da so eine Wolke hinter ihr her zog. Ich frage mich, wie der Professor es gestern mit uns vieren im Auto ausgehalten!

So gegen zehn haben wir uns dann langsam auf den Weg in Richtung McAfee Knob gemacht. Das Profil sah ab dem nächsten Shelter ziemlich steil und übel aus! Irgendwie wurde und wurde es aber nicht schrecklich. Nur die Schlangendichte hat heute für einiges Erschrecken (und ihren Schlangenschrei) bei Veronika gesorgt. Das waren aber auch zwei richtig große Exemplare: die erste war ungefähr 1,20m lang und Nummer zwei maß geschätzte 1,50m! Es waren aber keine Giftschlangen und ich fand es eher lustig und interessant. Bis ich fast auf eine getreten wäre. Die war nur so klein und mein Erschrecken so groß, dass Veronika sich noch eine ganze Weile darüber lustig gemacht hat.

Zur geschätzten Mitte des Anstiegs kam uns Bucky, ein Thru-Hiker von 2003, entgegen. Er verteilt hier wohl zweimal im Jahr Orangen, Bananen und Süßigkeiten. Frisches Obst ist das, was uns hier mit am meisten fehlt, weil es sich einfach nicht vernünftig transportieren lässt. Auf meine Frage hin, wie steil es denn da oben werden würde, antwortete er, dass wir das schlimmste schon hinter uns hätten! Das war mal wieder so ein Berg, der nur im Profil auf dicke Hose macht. Viertel vor zwölf waren wir dann auch oben.

Da saßen schon Yooper und Big Red. Da in einer Unistadt in der Nähe am nächsten Wochenende Abschlussfeiern sind, ist es wohl schwierig ein Hotelzimmer in der Umgebung zu bekommen. Wir wollten also vorsichtshalber in Daleville für morgen etwas reservieren. Unsere Telefone zu teuer, Big Reds Telefon ohne Akku, was tun? Hilfe gibt es selbst auf dem Berg! Insbesondere auf diesem, der ein extrem beliebtes Ausflugsziel ist. Yooper hat ein paar Collegekids gefragt und es war überhaupt kein Problem deren Handy zu benutzen! Es gab im Super8 auch noch zwei Zimmer aber auf Grund der Feierlichkeiten könne man uns keinen Wandererrabatt, den es hier fast überall, mal mehr mal weniger ausgeprägt gibt, geben. Also keine 60$ sondern 120$! Die Diskussion ging hin und her. Etwas anderes suchen oder in den sauren Apfel beißen? Anscheinend klangen wir durch das Telefon so arm und mitleiderregend, dass es plötzlich doch noch zwei Zimmer mit Rabatt gab. Danke Yooper und danke unbekannter Hotelangestellter!

Wir haben unser zweistündige Mittagspause dort oben dann richtig genossen. Der Ausblick war aber auch toll! Und wir mussten natürlich die typischen McAfee Knob Fotos mit über dem Abgrund baumelnden Beinen machen. Besonders lustig fand ich auch die ganzen Tageswanderer. Zehn Jahre jünger als ich, kein Gepäck dabei und trotzdem völlig fertig und stolz wie Oskar, es nach oben geschafft zu haben! Und dann hatten sie noch nicht mal Sodas oder Pizza für uns dabei! Es gibt immer wieder, vor allem abends am Feuer, die Überlegung, dass Tageswanderer dazu verpflichtet sein sollten, Softdrinks und Bier für die Thru-Hiker dabei zu haben.

Um zwei haben wir uns dann aufgemacht, die restlichen sieben Meilen für heute zu laufen. Mittlerweile war es so richtig warm geworden und wir waren froh, als es wieder in den Wald und den Schatten ging. Veronika meint, dass Wanderer wie Bauern sind, immer meckern sie übers Wetter. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken, zu windig, … Am Shelter kurz nach dem Gipfel haben wir nochmal Wasser geholt und weiter ging’s nach unten. Nur um dann wieder nach oben zu klettern. Hinauf auf Die Tinker Cliffs. Der Weg führte oben direkt an den Klippen entlang und der Blick war wieder grandios. Der Wind auch! Ich war echt froh, dass er die Bergflanke herauf kam und nicht aus der anderen Richtung. So schwankte man wenigstens immer vom Abgrund weg, wenn die nächste Böe kam!

Unser Zelt steht jetzt auf einem wunderschönen Platz im Wald neben einem Bach. Das plätschern wir mich entweder irre machen oder richtig gut schlafen lassen. Wir habe da drin jetzt auch die erwachsene Version der orangenen Molchen gesehen. Die Alten sind wesentlich aktiver und schneller. Morgen wird zeitig aufgestanden und dann ab zur Dusche, wir haben sie sooo bitter nötig!!!

Noch 2.354km

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