5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Einmal Trocknen, bitte! – Thunder Hill Shelter nach Buena Vista, Highway 501 (mi 780,3)

3 Kommentare

Als ich heute morgen gegen sechs einen Blick nach draußen wagte, traute ich meinen Augen kaum: die Bäume tropften zwar noch von der Feuchtigkeit von letzter Nacht aber es hatte aufgehört zu regnen und die einzigen sichtbaren Wolken waren rosa vom Sonnenaufgang! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, da die Vorhersage für heute Gewitter war. Hochmotiviert hab ich sofort Frank geweckt. Entgegen unserer Gewohnheit sind wir auch sofort aufgestanden um das gute Wetter zum Wandern zu nutzen. Alle anderen außer Trip und JD fingen gemeinsam mit uns an, ihr Zeug zusammenzusammeln.

Die nächste Entdeckung des Tages war die Privy. Gestern in dem Nebel hatten wir sie nicht gefunden und dachten, das Shelter hätte vielleicht doch keine Privy obwohl im Guide was anderes stand. Yooper kam ganz begeistert zurück und erzählte mir was von Oberlicht. Ich fürchtete schon, das wäre wieder eine ohne Dach, aber sie hatte wirklich ein Dach aus Plexiglas. Außerdem war sie rundrum geschlossen und sah sehr neu und appetitlich aus. Wenn wir sie gestern Abend schon entdeckt hätten wäre ich sicher versucht gewesen, zumindest einen Teil meiner Sachen dort unterzubringen um ihn vor dieser fiesen Luftfeuchtigkeit zu schützen.

All unsere Sachen und wir waren nass, weil sich diese winzigen Tropfen auf alles gelegt haben. Meine Schuhe waren sicher vor der Nacht trockener gewesen und das, obwohl ich den ganzen Tag durch Pfützen gelaufen war. Als ich meine Schuhe anzog, presste sich jedesmal wenn ich meine Schuhbänder festzog Wasser aus letzteren zur großen Erheiterung aller Anwesenden. Weniger erheiternd war die Entdeckung, dass sich in meinem Rucksack doch eine Pfütze gebildet hatte. Und zwar zwischen innerer und äußerer Stofflage, so dass ich sie nicht rausschütten konnte und auch nicht rauswringen. Ich bin ziemlich wütend deswegen, weil ich mir auch nicht ganz erklären kann, wie das passieren konnte. Außerdem hatte ich eigentlich schon genug Pfützen mit denen in meinen Jackentaschen.

Die Sachen, die wir in bzw. unter unseren Schlafsäcken trocknen wollten waren immer noch mehr als nur feucht, trotzdem mussten wir sie anziehen. Dank der Sonne und der Bewegung wurde uns aber relativ schnell warm und unsere Sachen trocken. Zum Glück blieb es die gesamten fünfzehn Meilen zur Straße, an der wir nach Buena Vista abgeholt werden sollten, trocken. Teilweise war es sogar richtig warm und sonnig, aber die dunklen Wolken waren immer am Horizont oder näher. Von oben konnten wir sehen, wie die Wolken in manchen Tälern festhingen, das sah echt schön aus, wie Wolkenseen. Zwischendurch wanderten wir auch immer wieder mal durch Wolken aber es war trotzdem alles viel angenehmer als gestern.

Gegen viertel vor drei waren wir am Parkplatz, Yooper und Big Red kamen um kurz nach drei an und wenig später unser Shuttle, etwas zu früh zum Glück. Der Fahrer war Trailwalker, ein echt netter Rentner, der sich ein kleines Zubrot mit den Shuttles verdient. Er geht selbst auch oft wandern und hat deshalb viel Verständnis für die Wanderer.

Wir haben heute einen Salamander gesehen und eine glasige Eidechse mit orangem Kopf. Außerdem konnten wir beobachten, wie einer der kleinen orangen Molche von einem Hundertfüssler überquert wurde. Yooper und Big Red haben eine ca. 2,1 m lange schwarze Schlange an einem Baum entdeckt – die hätte ich auch gern gesehen!

In der Stadt war ich ganz aufgeregt, weil wir endlich mal die Gelegenheit hatten, in einem Amish-Store einzukaufen. Die Verkäuferin war extrem freundlich und zuvorkommend, die Kasse war wider Erwarten elektronisch und alles war in Plastikpackungen. Der getrocknete Obstsalat, den ich dort bekommen habe riecht extrem lecker und das Brot ist mal endlich richtiges Brot – ich freu mich drauf! Leider hatten wir nicht viel Zeit, uns länger umzusehen, da schon wieder ein Gewitter am Horizont drohte und ich nicht schon wieder nass werden wollte. Danach mussten wir noch unsere restlichen Einkäufe erledigen, kaum waren wir zurück im Motel, setzte der heftigere Regen ein.

Also bestellten wir Pizza anstatt zum Mexikaner zu gehen. Danach haben wir unsere Sachen soweit möglich vorgepackt, morgen geht es wieder früh raus.

3 Kommentare zu “Einmal Trocknen, bitte! – Thunder Hill Shelter nach Buena Vista, Highway 501 (mi 780,3)

  1. Hallo,

    tröstet euch, hier in Deutschland ist fast das selbe Wetter. In unserer Gegend soll es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sogar schneien ( und das Ende Mai). Alle Leute hier sind schon frustriert, aber wir sitzen wenigstens im warmen, haben den Ofen an und lesen Eure Berichte. Und trotzdem………ich würde gerne mal mit Euch tauschen, um mal erleben zu können, wie das so ist, auf dem Trail…..! Toll, das Ihr so viel Motivation habt und euch nicht entmutigen lasst. Haltet durch!
    Freue mich auf jeden Eurer Berichte. Alles, alles Gute, beste Gesundheit, Kraft und Stärke weiterhin.

    L.G. aus dem Rothaargebirge
    Barbara

  2. Hallo ihr zwei
    Uns hat nicht nur der regen gebremst sondern auch 4 tage traildays in damascus und klaus geht es im moment schlecht. Wir werden morgen von daleville aus starten. Viel erfolg weiterhin fuer euch. Passt auf euch auf.

  3. Hey Turtle und Snail
    habt Ihr zwei auch nen Blog?

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