5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Brown Mountain Creek Shelter nach Seeley-Woodworth Shelter – 25,28km

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Nicht einen Tropfen haben wir in der letzten Nacht abbekommen. Ich glaube zwar, es in einem der Nachbartäler donnern gehört zu haben, aber bei uns war alles eitel Mondenschein. Morgens hingen an unserem Zelt überall Junikäfer. Die haben uns schon gestern Abend genervt und heute Nacht müssen sich einige gehäutet haben, falls die sowas tun. Da hingen jedenfalls auch einige „leere“ Käfer.

Was hilft dem Wanderer morgens am besten beim warm werden? Genau, ein Anstieg. Der heutige fing direkt am Shelter an und sollte über knapp fünf Meilen gut 3.000 Fuß nach oben gehen. Bis zur Straße ging es noch ganz gut. 900 Fuß auf 1,8 Meilen. An dem kleinen Parkplatz gab es sogar Trail Magic für uns. Da standen zwei noch kalte Dosen DIÄT-Cola. 0 (in Worten: NULL) Kalorien! Wer macht denn sowas??? Wir haben sie trotzdem getrunken. Es ist schon schön immer mal wieder etwas zu trinken, was nicht nach Schwimmbad schmeckt.

Die nächsten drei Meilen waren die Hölle! Es wurde so richtig warm und ging nur aufwärts, aufwärts, aufwärts. Heute war ich derjenige, der nicht wirklich klar kam. Mein Rucksack fühlte sich viel schwerer als gestern an und dabei ist doch schon ein Tag Essen raus! Irgendwie, mit Hilfe eines enormen Wasserverbrauchs, haben wir es auf Bald Knob geschafft. Er war aber gar nicht kahl, sondern komplett bewachsen.

500 Fuß runter, 500 Fuß rauf auf Cold Mountain. Das schlimmste für heute war vorbei, dachten wir, und wir hatten uns unsere Mittagspause verdient. Ich habe das erste Mal Erdnussbutter mit Traubengelee gegessen. Seltsame aber leckere Mischung und kalorienmäßig so gut wie unschlagbar. 500kcal pro Tortilla, das macht über 1.000kcal alleine fürs Mittagessen!

Die folgenden Auf- und Abstiege waren sehr zivilisiert und wir kamen endlich gut voran. Am Vormittag war ich wirklich sehr langsam. An einer Wiese haben wir nochmal Halt gemacht zum Wasserfassen. Da saßen Sweet Pea und Oaks, der auf seiner Mandoline vor sich hin klimperte. Die beiden hatten die letzten Tage wohl einen „Virginia Blues“ und so konnten wir sie wieder einholen. Noch sieben Meilen bis zum Shelter und hinter uns düstere Wolken.

Sie wurden immer düsterer und nach einer Weile konnte man sie nicht mehr nur sehen, sondern auch ganz gut hören. Der Donner kam von rechts und ich war fest davon überzeugt, dass das es erstens an uns vorbei ziehen würde und es zweitens gar nicht unsere Richtung wäre. Da machte der Weg eine Kurve… Nun war es unsere Richtung. Was aber auch recht egal war, denn links von uns ging es jetzt auch los. Regencover über die Rucksäcke und weiter. Unterwegs standen vereinzelt Zelte neben dem Weg und ich muss zugeben, dass ich egoistischer Weise recht froh darüber war. Mehr Platz im Shelter! Noch 2 Meilen bis zum Shelter und wir spürten die ersten Tropfen.

Regenjacken anziehen? Ach nee, eigentlich ist es ja ganz angenehm nach der Hitze und wenn es schlimmer kommt können wir sie ja immer noch überstreifen. Und es kam schlimmer!!! Nur hatten wir keine Zeit mehr zum Überstreifen. Innerhalb von maximal zwei Minuten waren wir vollkommen nass! Sowas habe ich lange nicht mehr erlebt. Aus dem Trail wurde ein Bach, aus dem entfernten Gewitter ein nahes Unwetter, aus dem Regen zwischenzeitlich Hagel und wir waren mittendrin statt nur dabei… Anfangs versuchten wir noch neben dem Sturzbach, der unser Weg sein sollte, zu laufen. Nach fünf Minuten haben wir auch das aufgegeben. Das Wasser stand eh schon in den Stiefeln. Nach 36 Minuten konnte Veronika das Shelter sehen. Schlechte Laune oder schlechtes Wetter führen bei Pacemaker zu immer neuen Geschwindigkeitsrekorden!

Drinnen saßen nur vier Leute. Es gab also genug Platz. Sie waren ein wenig überrascht, uns zu sehen. So schnell wie möglich mussten wir aus den nassen Klamotte raus. Gott sei Dank war es nicht wirklich kalt! Alles was wir anhatten konnte man auswringen und die Schuhe mussten ausgeschüttet werden. Als wir gerade trocken waren, kamen auch Yooper und Big Red um die Ecke. Jetzt war das Shelter voll. Hinter uns dürfte aber auch niemand mehr unterwegs gewesen sein.

Es tröpfelt weiter mal stärker mal schwächer vor sich hin, in der Ferne sind Blitze zu sehen, aber wir liegen jetzt im Trockenen. Mal sehen was der Morgen bringt…

Noch 2.192km

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