5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die Dusche war wohl nötig – Brown Mountain Creek Shelter nach Seeley-Woodworth Shelter (mi 816,1)

Ein Kommentar

Endlich mal wieder eine trockene Nacht draußen! Wir hatten gestern noch diskutiert, ob unsere Zelte im Falle einer Überflutung des Baches weit genug oben wären oder nicht. Zum Glück war das völlig egal, da es die ganze Nacht trocken blieb. Wir alle konnten sehr gut schlafen.

Zum Aufwärmen hatten wir heute über fünf Meilen einen Anstieg von dreitausend Fuß. Da es ganz schön heiss war, war der Anstieg natürlich noch anstrengender. Mir macht die Hitze deutlich mehr zu schaffen als Frank, der heute allerdings auch zu kämpfen hatte. Nach dem ersten Drittel kam die Straße, an der wir gestern zurück nach Buena Vista hätten fahren können. Wir waren gar nicht traurig, dass das gestern nicht geklappt hatte. Außerdem haben wir ganz frische Trailmagic gefunden, zwei Diet-Cokes, die noch kühl waren. Eine sehr willkommene Erfrischung auch ohne Kalorien und Koffein. Inklusive des zweiten Anstiegs über fünfhundert Fuß haben wir heute auf den ersten acht Meilen mehr Wasser verbraucht als sonst meist bis Abends. Unsere vier Wasserflaschen waren deshalb so gut wie leer, also mussten wir zu der Wasserstelle 0,3 Meilen abseits des Pfades, um unsere Flaschen zu füllen. Das war echt ein netter Flecken dort, eine schöne große mit Bäumen bestandene Wiese. An einem der Bäume hing sogar eine Schaukel, auf der Oaks saß, wunderschön auf seiner Mandoline Melodien für Sweet Pea klimpernd.

Ich ging allein runter zum Wasser, Frank durfte oben bei den Rucksäcken warten. Wenig später kam Yooper, Wasser für sich und Big Red holen. Die Luft roch nach frischem grünen Gras und Blumen und es war einfach nur schön, so richtig sommerlich. Als wir weitergingen, hoppelte vor uns ein aufgeschrecktes Murmeltier davon. Ich wusste gar nicht, wie das aussieht, wenn so ein Murmeltier rennt – das ist total witzig anzusehen, ein einziger hoppelnder pelziger Hintern!

Dann sahen wir die ersten dunklen Wolken am Horizont. Noch waren sie weit weg und wenn sich mal kurz eine vor die Sonne schon, war das ganz angenehm, weil kurzzeitig kühler. Dann hörten wir den ersten Donner. Noch knappe fünf Meilen bis zum Shelter. Ich fing an, schneller zu laufen. Wir sahen immer mehr Zelte entlang des Weges stehen. Für uns stand aber fest, dass wir versuchen wollten, es zum Shelter zu schaffen.

Zur Vorsicht hatten wir schon mal die Regenhüllen über die Rucksäcke gezogen. Wir waren noch zwei Meilen vom Shelter entfernt. Es fing zunächst an, leise zu regnen, was uns eine willkommene Erfrischung war. Ganz plötzlich wurde der Regen dann so heftig, dass es sich anfühlte wie wenn einer dastünde und uns eimerweise Wasser drüber gösse. Zu spät, die Regenklamotten rauszuholen. Also ging es einfach weiter. Das war mit Abstand der heftigste Regen, dem ich je ausgesetzt war. Schlimmer als der Regenzeit-Regen in Südafrika! Zu den unentwegt über uns tosenden Blitzen, Donnern und der Sintflut kam jetzt noch Hagel dazu. Zum Glück nur kleinere Körner, aber das setzte dem ganzen die Krone auf. Die Wege waren überflutet, aber das konnte uns egal sein, da das Wasser eh schon in unseren Schuhen stand. Da haben nicht mal mehr meine guten Meindl standgehalten, was aber wohl auch daran lag, dass das Wasser über meinen Körper in dicken Strömen von oben reinfloss. Und ich bin sonst meist die einzige mit trockenen Füßen hier draußen. Im Eiltempo ging es weiter den Trail entlang, in Gedanken bei Yooper und Big Red, die noch hinter uns waren und auch gerade diesem Wetter ausgesetzt waren.

Irgendwann kam endlich das Shelter in Sicht. Der Weg schien in einem Bogen drumherum zu führen. Wir sind einfach durchs Gehölz darauf zu gerannt, in der Hoffnung, dort unterzukommen. Es waren nur Sweet Pea und Oaks sowie zwei weitere Wanderer da, von denen der eine nur das Ende des Regens abwarten wollte. Also zum Glück genug Platz für alle, auch für Yooper und Big Red. Es war nicht der Zeitpunkt für große Schamgefühle, wir mussten raus aus den nassen Klamotten und trocken werden. Während es draußen weiter in Strömen goss, standen wir ziemlich schnell nur noch in nasser Unterwäsche im Shelter, unsere Rucksäcke nach trockener Wäsche durchsuchend. Endlich wieder in trockenen Klamotten ging es uns deutlich besser. Als dann der Regen nachließ und kurz danach Yooper und Big Red völlig durchnässt auftauchten, war alles gut. Yooper meinte nur über beide Ohren grinsend „Das war aufregend!“, dann durchliefen die beiden die gleiche Trocknungsprozedur wie wir kurz vorher, nur dass sie sich hinter dem Shelter umziehen konnten.

Freundlicherweise haben die beiden uns Wasser zum Kochen gegeben, so dass keiner von uns mehr raus musste, um welches zu holen. Nach einem warmen Abendessen werden wir heute Nacht alle sicher gut schlafen. Bloß gut, dass wir alle trockene Wechselklamotten hatten. So fühlt sich das alles gar nicht so schlimm an. Mal sehen, was der morgige Tag bringt!

Ein Kommentar zu “Die Dusche war wohl nötig – Brown Mountain Creek Shelter nach Seeley-Woodworth Shelter (mi 816,1)

  1. Für Frauen muss das doch eine Umstellung sein, oder? Unser Leben lang versuchen wir, so wenige Kalorien wie möglich in so viel Essen wie möglich zu bekommen! Am AT ist es wichtig, möglichst viele Kalorien in möglichst wenig Essen zu bekommen! Das wird bestimmt eine Herausforderung für mich – vor allem, weil ich Diat Coke so liebe, ich hätte meinem Mann gar keine gelassen 🙂

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