5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Schon wieder ein Nearo im Shelter – Seeley-Woodworth Shelter nach The Priest Shelter (mi 822,7)

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Ich war als erste heute morgen um kurz nach sechs im Aufstehmodus, es regnete nicht mehr und wir hatten alle gesagt, wir wollten schnell los falls es trocken sei. Frank wollte allerdings gar nicht aufwachen und weil ich auch nicht allein aufstehen wollte, war Big Red dann der erste, der anfing die nassen Sachen von gestern draußen an eine Schnur zu hängen.

Es war erbärmlich, als wir uns unsere Klamotten ansahen und sie mehr oder weniger immer noch tropfnass waren. Noch schlimmer waren allerdings unsere Schuhe dran, die hatten wir gestern schon zweimal ausgeschüttet und soweit möglich ausgewrungen – die gleiche Prozedur konnten wir jetzt nochmal wiederholen. Nur die Hosen und T-Shirts, die wir gestern Abend schon aufgehängt hatten waren immerhin nur noch sehr feucht. Auch wenn wir sehr lange brauchten, um fertig zu werden, hatte unser Zeug keine Chance trocken zu werden. Vor allem, da es zwischendurch auch wieder anfing zu nieseln.

Ein besonderes Highlight war wieder die Pfütze, die sich in meinem Rucksack gebildet hatte – wieder schön zwischen den beiden Stoffschichten am Boden, so dass ich sie weder ausschütten noch aufwischen konnte. Wenigstens haben wir eine gute Lösung gefunden, mein Zeug trotzdem trocken zu halten: Frank hatte die Idee, die Bodenplane des Zeltes als Barriere darüber zu legen. Obwohl ich meinen Rucksack ansonsten echt mag, denke ich immer öfter über einen neuen Rucksack nach, weil das so echt keinen Spaß macht.

Als wir dann gegen neun endlich loskamen war das Wetter ganz angenehm. Nicht so heiß wie gestern aber auch erstmal kein Regen. Auf dem Weg querfeldein zurück zum Trail sahen wir eine extrem dicke Kröte, davon gibt es hier viele, aber eher kleinere. Eigentlich hatten wir für heute geplant, zu dem Shelter in 14,2 Meilen zu gehen. Das sollte ein schöner, kurzer, entspannter Tag werden und wir würden hoffentlich noch vor dem Regen da sein und einen Platz im Shelter bekommen. Zunächst wurde es ziemlich warm, so dass Frank und ich, die wir in unseren Regenklamotten losgelaufen waren, am Zerlaufen waren. Die Regenjacken konnten wir leicht ausziehen (zum Glück hatte ich den Plan verworfen, unter meiner Regenjacke nichts zu tragen, um nicht noch mehr Klamotten nass zu machen) aber die Regenhosen, unter denen wir nur unsere Unterhosen anhatten klebten an den Beinen und wir konnten sie erst am nächsten Shelter ausziehen, da wir dafür auch aus unseren Schuhen raus mussten.

Der Anstieg war trotz allem nicht schlimm, da er nett in kleinere Etappen unterteilt war und mir dadurch ziemlich kurz vorkam. Ich war also positiv überrascht als ich plötzlich das Shelter-Zeichen vor mir sah. So schnell es ging, sind wir runter zum Shelter, raus aus der Hose und vor allem auch raus aus den Schuhen und Socken. Frank hatte heute morgen ja trockene Socken angezogen, aber in Anbetracht des Zustands unserer Schuhe war mir klar, dass sie das nicht lange bleiben würden. Deshalb hatte ich die nassen von gestern wieder angezogen. Unten beim Shelter haben wir all unser nasses Zeug auf dem Tisch und den Felsen der Feuerstelle zum Trocknen verteilt. Yooper und Big Red taten es uns nach. Meine Hose konnte ich schon wieder anziehen und das T-Shirt, das ich ebenfalls draußen am Rucksack zum Trocknen festgemacht hatte war auch schon fast trocken.

In der Pause zog plötzlich eine Wolke über uns hinweg, so dass wir auf einmal mitten im Nebel saßen und leichte Tropfen abbekamen. Panisch räumten wir alle unser Zeug ins Shelter. Dann kam die Sonne wieder und wir fühlten uns ziemlich dumm. Gerade als wir aufbruchfertig waren, kam Free Agent ins Shelter, ein Thru-Hiker von 1991. Wir unterhielten uns noch kurz mit ihn und plötzlich fing es wieder an zu regnen. Also beschlossen wir, im Shelter zu warten, bis es aufhörte. Als Limit hatten wir uns die nächste halbe Stunde gesetzt, danach wollten wir entscheiden, ob wir weitergehen sollten oder nicht.

Beim ersten Donnerschlag waren wir uns schnell einig, dass wir hier bleiben wollten. Wir hatten kurz vorher noch überprüft, ob wir es trotzdem noch am Samstag nach Waynesboro schaffen könnten und da das gut möglich ist, fiel uns die Entscheidung zu bleiben sehr leicht. Danach waren wir alle total albern und kichrig vor lauter Glück, trocken im Shelter zu sitzen während draußen ein Sturm von ähnlichem Kaliber wie der gestrige tobte. Als der Regen wieder nachließ, beschlossen wir trotzdem, hier zu bleiben.

Wir haben diese Entscheidung bisher auch nicht bereut. So kommen wir heute früh ins Bett und können morgen früh aufstehen und dadurch gut voran kommen. Wären wir zum nächsten Shelter gegangen, hätten wir dort wohl keinen Platz mehr bekommen und würden genau jetzt in einem echt fiesen Gewitter im Zelt liegen. Nachdem hier bei den Gewittern oft Hagel dabei ist, keine schöne Vorstellung. Das Shelter hier ist Standard, aber sehr schön direkt neben der Quelle gelegen mit schönen Steinhaufen und guten Plätzen zum zelten. Also können wir morgen früh auch noch beim Wasserholen Zeit sparen. Und morgen soll endlich schöneres Wetter sein, kein Regen mehr.

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