5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Aufbruch in den Shenandoah Nationalpark – Rockfish Gap, Waynesboro nach Calf Mountain Shelter (mi 865,0)

2 Kommentare

Da es gestern Abend wie immer in der Stadt etwas später geworden war haben wir heute gemütlich ausgeschlafen und dann wie immer pünktlich um elf ausgecheckt. Danach ging es erstmal zusammen mit Yooper und Big Red zu Shoney’s zum Brunch. Das Buffet sagte uns eher nicht zu, also gab es für uns alle Burger und Salat, dazu Softdrinks oder Kaffee.

Nach den Burgern bestellten die Herren sich noch jeder ein Dessert, dann baten wir um die Rechnung. Die Kellnerin kam mit der Rechnung für den Nachtisch wieder. Den Rest habe jemand für uns bezahlt. Auf unser Nachfragen erklärte sie uns, das sei eine blonde Dame zwei Tische weiter gewesen. Sie habe uns mit den Rucksäcken reinkommen gesehen und als sie gegangen sei, habe sie die Rechnung für uns übernommen, weil sie ein Herz für Hiker habe. Wir waren ganz baff, als sie uns das sagte und mochten unseren Ohren nicht recht trauen! Was für eine großzügige Frau! Vielen, vielen Dank unbekannterweise!

Danach ging es zum Walmart, um Essen für zwei Tage einzukaufen. Großartig, wenn man nur so wenig braucht. Allerdings fällt einem dann lauter Blödsinn ein, was man noch alles zusätzlich mitschleppen könnte, jetzt wo man dank des wenigen Essens auf einmal soviel Platz im Rucksack hat. Also ging es auf zum örtlichen Liquor-Store, zur Feier des Memorial Days Scotch kaufen. Den haben wir in den aus dem Fernsehen wohlbekannten braunen Papiertüten überreicht bekommen. Um dem ganzen dann die Krone aufzusetzen haben wir ihn in unsere leere Dr. Pepper-Plastikflasche gefüllt – das war zwar des Gewichts wegen aber in Zusammenhang mit der Papiertüte und dem ganzen Getue wegen Alkohol hier kam mir das irgendwie albern vor. Trotzdem freu ich mich drauf, die letzten Tage bei dem scheußlichen Wetter hatten wir alle diverse Male davon geträumt, gemütlich im Shelter zu sitzen und einen Scotch zu trinken.

Danach haben wir uns beim Frozen-Yogurt-Laden von Miss Lady abholen und zurück zum Trail bringen lassen. Auch sie kam wieder bereitwillig und hilfsbereit und schien sich tatsächlich darüber zu freuen, uns wiederzusehen. Während wir auf sie warteten wurden wir von diversen Leuten angesprochen und hätten nicht nur eine Möglichkeit gehabt, mitgenommen zu werden. Miss Lady meinte auf unsere Feststellung hin, wie freundlich hier alle zu uns seien, dass wir schließlich nur kurz blieben, Geld daließen und dann zum Glück schnell wieder gingen. Da mag was Wahres dran sein, aber wenigstens zeigen sie es nicht so offensichtlich, dass sie nur an unserem Geld interessiert sind, wie beispielsweise in Damaskus. Waynesboro ist voller Trail Angel und bisher meine Lieblingsstadt auf dem Trail! Hier sind sie wirklich hikerfreundlich und man hat das Gefühl, dass sie uns auch wirklich gerne da haben und wir willkommen sind. Auch von anderen Hikern haben wir nur Gutes gehört.

Dieser gute Start aus der Stadt und auch die Tatsache, dass wir nur so wenig Essen mitschleppen mussten, gaben uns Antrieb für den ganzen Tag (der heute aber auch ziemlich kurz war). Wir waren gegen drei auf dem Trail und hatten genau 7,5 Meilen vor uns. Dank des leichten Rucksacks und der angenehmen Temperaturen ging es flott voran. Wir hatten Zeit, mit ein paar Dayhikern zu sprechen. So viele davon hatten wir tatsächlich noch nie auf dem Trail. Es war wieder sehr schön zu sehen, wie begeistert die Leute von den Thru-Hikern sind. Wir haben von ihnen gelernt, wie die Sassafras-Pflanze aussieht und dass sie schmeckt wie Root-Beer, wenn man am Stengel oder an der Wurzel saugt – letzteres müssen wir nochmal überprüfen, der Stengel war etwas enttäuschend.

Im Park haben wir extrem viele Kaninchen, auch kleine, und einen Truthahn gesehen. Angeblich muss kurz nachdem wir von der Strasse los sind dort ein Bär gesichtet worden sein. Wir waren auch vor dieser Nachricht schon ganz hibbelig, weil viele Hiker im Shenandoah Nationalpark ihren ersten Bären sehen und jetzt auch genau die Saison losgeht. Bei jedem lauteren Knacken im Gehölz waren wir alarmiert. Inzwischen wissen wir, dass Kaninchen und Eichhörnchen auch ganz schön viel Lärm machen können.

Beim Shelter hier sind heute extrem viele Leute. Die ganzen Dayhiker campen und das Shelter ist gesteckt voll mit Thru-Hikern. So wie wir oft riechen, wollten die Dayhiker wohl nicht neben uns schlafen. Oder sie finden es einfach aufregender, im Zelt zu schlafen, da ist die „Wilderness Experience“ intensiver. Der Bear-Pole (Frank hat genauer beschrieben, wie das aussieht) hängt total voll mit lauter Essenssäcken. Mich würde es nicht wundern, wenn die ganze Sache mitten in der Nacht mit einem lauten Knall zusammenbricht. Beim Sack-Aufhängen haben zwei Wanderer eine Eule auf einem Ast entdeckt. Die war ganz schön groß, ist allerdings lautlos davongeflogen, als alle kamen, um sie zu sehen. Jetzt hat sie gerade geheult. Ich bin gespannt, was für Tieren wir hier noch begegnen werden!

2 Kommentare zu “Aufbruch in den Shenandoah Nationalpark – Rockfish Gap, Waynesboro nach Calf Mountain Shelter (mi 865,0)

  1. Unglaublich, dass da einfach so jemand die Essen-Rechnung übernimmt, das passiert bestimmt nicht alle Tage und auch nicht allen Thru-Hikern. Irgendwie schade, dass ihr gar nicht die Chance hattet, euch persönlich zu bedanken. Ich warte schon die ganze Zeit, bis Frozen Yoghurt auch zu uns nach Österreich kommt 🙂

    • Das war wirklich unglaublich großzügig! Ich finde es einerseits auch schade, dass wir uns nicht persönlich bedanken konnten, aber andererseits macht es das ganze noch magischer und uneigennütziger von dieser Frau – sie wollte noch nicht mal unseren Dank dafür! Und gerade jetzt wo ich deinen Kommentar lese, krieg ich unheimlichen Appetit auf Frozen Yogurt…

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