5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Grenzwertig – Big Meadows Campground nach Highway 211, Luray (mi 937,2)

5 Kommentare

Eigentlich wollten wir heute ja noch früher aufbrechen als gestern, um vor der großen Hitze so viele Meilen wie möglich zu schaffen. Der Plan ging nicht so ganz auf, wir beide sind erst gegen acht wieder auf dem Trail gewesen und Yooper und Big Red noch eine gute halbe Stunde später. Es war morgens noch wärmer als gestern was uns schlimmes für den Tag befürchten ließ.

Umso fixer sind wir zu unserem ersten Wegpunkt, dem Skyland Resort & Restaurant, gelaufen. Wir wollten dort zu Mittag essen bevor es dann weiter Richtung Stadt gehen sollte. Zu unserer Überraschung saß Gator dort, als wir ankamen. Wir hatten schon die Stecken draußen erkannt und uns gewundert, weil wir ihn weiter vor uns vermutet hätten. Als das Restaurant um zwölf öffnete, waren Yooper und Big Red immer noch nicht da. Wir setzten uns mit Gator zusammen an einen schönen Tisch am Fenster mit Panorama-Blick. Es gab Suppe für mich, Salat für Frank und Cheeseburger für alle. Die Kellnerin war sehr liebenswert aber etwas verwirrt und ignorierte konsequent meine Bestellungen. Als Yooper und Big Red dann da waren, versuchten wir, unseren Aufenthalt in Luray etwas konkreter zu planen.

Kurz bevor Runner Up und ich starten wollten, zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Wir warteten also noch etwas in der Hoffnung herauszufinden, ob es über uns runterkommen würde oder ob wir verschont bleiben würden. Es kühlte deutlich ab und windete auch ein bisschen und ich war ziemlich beunruhigt. Yooper sah auch nicht sehr glücklich aus, als wir beschlossen, es zu wagen und loszulaufen. Wir hatten schließlich schon ein Gewitter beim Wandern überstanden und heute könnten wir uns sogar in der Stadt im Hotel trocknen und nicht nur im Shelter. Es war völlig absurd, zu unserer linken hatten wir strahlend blauen Himmel mit einzelnen Schönwetterwolken während der Himmel zu unserer Rechten tiefschwarz war und wir immer wieder Donnergrollen hörten.

Irgendwann verschwanden die dunklen Wolken so schnell wie sie aufgezogen waren und das Donnern hörte auf. Die druckende Hitze kehrte zurück und die Sonne brannte heißer als zuvor. Wir konnten gar nicht so schnell trinken, wie wir die Flüssigkeit wieder ausschwitzten. Als wir bei der Pinnacles Picknick-Area ankamen, ließ ich mir erst das Wasser nur so über den Kopf laufen. Dann hatte Frank die schlaue Idee, seinen Buff mit dem kalten Wasser zu tränken und ihn aufzusetzen. Ich machte es ihm nach und wir sahen aus wie zwei Piraten. Naja, ich bin sicher, ich hab schon lächerlicher ausgesehen auf dieser Wanderung und die Kühlung war großartig.

Beim Shelter Byrds Nest ist uns wieder mal aufgefallen, wie wenig Thru-Hikern wir in den letzten Tagen begegnet waren. Die beiden Tage vor uns scheinen einige Leute unterwegs zu sein, aber um uns herum sind es gerade mal vier weitere Leute außer uns beiden und Yooper und Big Red. Es gibt wohl mehr Aquablazer als ich erwartet hätte.

Gegen halb fünf sanken die Temperaturen wieder und es wurde weniger anstrengend. Oben bei Mary’s Rock trafen wir auf einen Dayhiker, dem wir ein paar Fragen zu Luray stellten, zu den Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten dort. Er bot uns kurzerhand an, uns dorthin zu fahren, damit wir einen Blick auf die Motels werden und zu Walmart einkaufen gehen könnten. Was für ein großzügiger, hilfsbereiter Mann! Wir sind also flott hinter ihm her den Berg runtergehetzt, die letzten 1,7 Meilen haben wir in etwas mehr als einer halben Stunde geschafft. Tim arbeitet für die Wasserversorgung im Shenandoah-Nationalpark. Er wusste eine Menge interessanter Dinge über den Park zu berichten und war sehr interessiert an Thru-Hikern. Wir waren so unendlich dankbar, dass er uns mitgenommen hat und uns zu Walmart gebracht hat – ein echter Trail-Angel!

Wir haben fix unser Essen für die nächsten vier Tage bei Walmart gekauft, dann sollte es in die Innenstadt gehen, um zu schauen, in welchem Motel wir bleiben wollten bzw. gucken, ob die anderen beiden inzwischen schon in einem der beiden gelandet waren. Zunächst versuchten wir, zu trampen. Viele Leute schienen sehr an uns interessiert zu sein, einige winkten begeistert oder hielten auch den Daumen hoch. Schließlich hielt ein Kleinbus von einer Kirche, in dem eine Frau und viele Jugendliche saßen. Die Frau kam auf uns zu und fragte, ob wir finanzielle Probleme hätten. Als wir verneinten und meinten, wir wollten nur eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt, musste sie leider ablehnen – unsere Anwesenheit könnte die Eltern der Kinder beunruhigen. Sehen wir inzwischen schon so heruntergekommen aus?! Immerhin gab sie uns den hilfreichen Hinweis, dass es nicht sooo weit zu laufen sei.

Also setzten wir uns wieder Richtung Innenstadt in Bewegung. Nach kurzer Zeit hielt ein Pickup neben uns und fragte, ob wir eine Mitfahrgelegenheit bräuchten. Wir nahmen natürlich begeistert an und im Handumdrehen waren wir vor dem Budget Inn. Dort war keine Nachricht von Yooper und Big Red, nur Shamen, die heute einen Unfall mit dem Kanu gehabt hatte. Jetzt hat sie eine große Naht am Schienbein und fürs erste genug vom Aquablazen. Sobald ihre Wunde etwas verheilt ist, geht sie wieder zurück auf den Trail. Das mit den Krankenversicherungen hier ist echt schlimm, selbst wenn man eine hat, muss man aufpassen, dass man nur im richtigen Staat zum Doktor geht, weil man andernfalls doch wieder selbst zahlen muss. Shamen tut mir so leid, ich hoffe, ihr geht es schnell wieder gut! Aber ich bin froh, dass Yooper und Big Red sich doch entschieden haben, zu wandern und nicht mit dem Boot zu fahren. Der Mann, der uns zum Motel gefahren hat, hat uns übrigens noch erzählt, dass sein Neffe das Gewitter heute Nachmittag abbekommen hatte und dass es bei ihn wohl fünf Zentimeter Regen in der kurzen Zeit gegeben hätte. Bloß gut, dass es an uns vorbeigezogen ist!

Im Best Western war dann eine Nachricht für uns, so dass wir auch dort unterkamen. Es gab noch schnell lecker Essen beim Italiener nebenan, dann ging es zurück zum Motel. Wäsche waschen wir morgen, dann geht’s zurück zum Trail.

5 Kommentare zu “Grenzwertig – Big Meadows Campground nach Highway 211, Luray (mi 937,2)

  1. Kleine Bitte: Ihr kennt euch ja mit den Begriffen aus aber ich musste jetzt erstmal den Begriff Aquablazer googeln, vlíelleicht könnt ihr bei sowas einfach kurz ne Erklärung mitliefern? Danke!

  2. Nicoletta; Ich glaube zu wissen was das sind,
    ein Teil der Strecke, kannst du im nahgelegenen Fluss mit einem Boot absolvieren.
    Grins aber es hat doch der einen oder anderen Ausdruck, den ich auch nicht so ganz mitkrieg..

    Machst du den A.T auch noch?

  3. ha, ich wollte auch gerade fragen, ob ich was verpasst habe und eigentlich wissen müsste, was Aquablazer bedeutet. Ihr lebt in einer anderen Welt und redet in Insiderrätseln!!!!!!!! herrje, ich bin wirklich begeistert!

  4. Danke für die neuen tollen Fotos …hammer … macht weiter so. Hoffe doch Ihr habt jetzt besseres Wetter .
    michu-auf-dem-at

  5. @Nicoletta und Tina: Sorry für die Verwirrung.

    Bei den vielen Arten wie man hier angeblich blazen kann, komm ich selbst oft noch durcheinander. Aber Aquablazen scheint tatsächlich ein offizieller Begriff zu sein, Michaels Interpretation ist richtig: es bedeutet, dass man den Shenandoah Nationalpark statt zu Fuß auf dem Landwege im Boot auf dem Wasserweg bezwingt. Allerdings scheinen die Aquablazer dieses Jahr wenig Glück zu haben, die meisten mussten abbrechen und waren froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

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