5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die Klapperschlange klappert nicht – Bears Den Rocks nach Harpers Ferry (mi 1018,1)

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Dieses Hostel ist wirklich großartig. Die Matratze war gut und ich hab sehr gut geschlafen. Morgens um sechs war Don’s Brother der erste, der aufgestanden ist. Wir haben uns noch etwas Zeit gelassen, dann ging es hoch in die Küche, Trail Magic frühstücken. Für Frank gab es Pancakes aus einer Fertigmischung, ich hatte Toast mit Peanutbutter und Erdbeeraufstrich. Don’s Brother hatte auch Pancakes und sich ein Ei dazu gemacht. Morgens hatte ich keine Lust auf Ei und leider nicht daran gedacht, mir eins für mittags zu machen – da hätte ich Lust darauf gehabt. Die Trail Magic war großartig, vielen Dank unbekannterweise!

Wegen des ausgiebigen Frühstücks und des Computers wurde es relativ spät, bis wir loskamen. Gegen halb neun flogen wir endlich aus, anderthalb Stunden nach Don’s Brother aber immer noch vor Ambassador, der allerdings anscheinend den Tag im Hostel bleiben wollte. Es war erstaunlich kühl draußen und während Runner Up wartete, dass ich startklar würde zog er es vor, sich in die Sonne zu stellen. Ohne die bevorstehende Bewegung hätten wir wohl auch unsere Fleecepullis gebraucht.

Schon nach nur 1,4 Meilen hatten wir einen großen Meilenstein unserer Reise erreicht: die 1000-Meilen-Marke! Freundlicherweise hatte jemand einen Zettel mit einer großen „1000“ darauf an einen Baum dort gebunden – die Marke variiert ja von Jahr zu Jahr da sie den Trail regelmäßig anpassen. Was für ein aufregendes Gefühl, tausend Meilen mehr oder weniger am Stück zu Fuß zurückgelegt zu haben! Tausendsechshundert Kilometer!

Unser nächster Meilenstein sollte die Grenze von Virginia und West Virginia nach weiteren 1,5 Meilen sein. Zumindest stand das so im Profil. Nachdem wir eigentlich schon eine Weile diese anderthalb Meilen hinter uns gebracht hätten haben müssen und wir immer noch kein Zeichen gesehen hatten, dachten wir, diese Grenze wäre nicht markiert. Noch deutlich weiter weg war dann endlich ein Schild, auf dem für die von Norden kommenden stand, „Willkommen in Virginia“. Wir hatten auch diverse weitere Wegmarken, die im Profil angegeben waren, nicht oder nicht an den erwarteten Stellen gefunden. Als wir mit anderen Hikern darüber sprachen, bestätigten sie dies. Wir haben uns beide gefreut den fünften von vierzehn Staaten zu attackieren. Virginia war der längste von allen, aber ich hatte es nicht sooo eilig ihn zu verlassen, da es recht schön war hier. Viele schöne Erinnerungen, aufregende Tiere und aufregendes Wetter – letzteres könnte besser werden für die weiteren Staaten.

Mit Virginia verließen wir auch den Rollercoaster und der Weg wurde deutlich angenehmer und flacher, ohne all diese herumliegenden Steine. Es war immer noch schön kühl und wir kamen flott voran. Bis ich plötzlich quer über den Weg wieder eine Schlange liegen sah. Dank der Kräuterfrau aus Pearisburg erkannte ich sofort, dass das eine Giftschlange sein könnte. Ein Blick auf das Schwanzende bestätigte den Verdacht, wir hatten eine waschechte Klapperschlange vor uns liegen! Ich war sehr stolz, dass ich sie schon aus sicherer Entfernung bemerkt und vor allem erkannt hatte.

Allerdings standen wir jetzt vor dem Problem, wie wir unseren Weg fortsetzen sollten. Wir konnten nicht außen herum gehen, weil das Gestrüpp zu dicht war. Vielleicht war die Schlange ja tot, ihr Kopf hing so komisch da. Frank stupste sie mit seinem Stecken vorsichtig am Schwanz an – zack, sie bewegte sich mit dem Kopf in Richtung Stecken, ganz schön schnell für eine tote Schlange. Jetzt war sie also wach. Wahrscheinlich hätten wir leicht ohne Gefahr über sie darübersteigen können, solange sie schlief. Nun, da sie wach und grantig war, war das nicht mehr möglich. Frank klopfte mit dem Stecken neben sie, aber das brachte sie nicht dazu, sich wegzubewegen. Erst, als er mit dem Stecken durch das nahe Gebüsch strich, verkroch sie sich zur Seite. Sie lag nun zwar immer noch am Wegesrand, aber jetzt konnten wir weit genug an ihr vorbei gehen. Ich bin trotzdem ziemlich hastig gesaust, wer weiß, ob sie nicht plötzlich etwas munterer würde. Im Nachhinein denken wir, dass sie wohl aufgrund der niedrigen Temperaturen etwas träge war. Alle anderen, die Klapperschlangen begegnet waren, waren auf relativ weite Distanz durch Klappern gewarnt worden. Unsere war zu faul dazu, aber zum Glück auch zu faul zum Beißen.

Cool ist, dass wir alle Indikatoren für Giftschlangen, die unsere Mitwanderer und die Kräuterfrau uns auf den Weg gegeben hatten, an unserer Klapperschlange bestätigen konnten. Zunächst das knotige, ringförmig verlaufende Muster, das in dieser Art wohl typisch für Giftschlangen hier ist (auch für die Kupferkopfschlange). Dann der überdimensional große, diamantförmige Kopf. Und zum Schluss, aber das haben wir erst auf dem Foto gesehen, die länglichen, senkrecht stehenden Pupillen, wie bei einer Katze. Echt prima, was wir hier inzwischen alles gelernt haben!

Gut, dass wir beim Laufen heute so schnell voran kamen, da wir zwischendurch sehr viele, sehr lange Pausen gemacht haben. Der Hunger war endlich wieder da, nachdem er die letzten Tage aufgrund der Hitze eher nicht vorhanden war beim Wandern. Kurz vor Harpers Ferry, als wir nochmal die Staatsgrenze nach West Virginia überschritten wurde der Weg wieder fies steil und steinig. So haben wir für die letzten anderthalb Meilen etwas länger gebraucht und waren gegen halb acht in der Econo Lodge. Ich bin heute ziemlich platt aber Frank ist noch ganz munter und kümmert sich um die Fotos für unseren Blog. Ich bin gespannt, was Harpers Ferry morgen bringt, da wir die letzten Tage viel schlechtes darüber gehört haben.

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