5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Aller Anfang ist schwer, auch der Neuanfang – Harpers Ferry nach Crampton Gap Shelter (mi 1029,4)

Hinterlasse einen Kommentar

Heute hieß es also tatsächlich wieder den Rucksack aufzuschnallen und loszumarschieren. Zunächst ging es durch den Ort, zur Conservancy. Die Meilen auf dem Trail dorthin hatten wir ja schon am Samstag bestritten und durch den Ort war etwas kürzer. In voller Wandermontur ließen wir uns dort dann für das berühmte Buch mit den Fotos der Hiker ablichten. Wir sind Nummer 423 und 424. Wären wir letzte Woche Mittwoch hingegangen, hätten wir irgendwo um die 330 gelegen – hundert Hiker sind in den vergangenen sieben Tagen hier durch!

Dann ging es weiter, zurück auf den Trail und raus aus der Stadt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Rucksack leichter war als letztes Mal, als wir aus Luray losgezogen sind. Und das Profil heute war bestimmt nicht schwer und es war zwar ziemlich schwül und feuchtwarm draußen aber nicht unerträglich. Trotzdem habe ich gemerkt, was eine Woche faulenzen ausmacht. Ich hab mich ganz schön gequält am Anfang. Als ich mich über die Brücke über den Potomac aus Harpers Ferry rausschleppte, dachte Frank, ich klappe jeden Moment zusammen und wir müssen wieder zurück ins Hotel. Wahrscheinlich lag es an der Kombination aus Antibiotika und Luftfeuchtigkeit, dass mir ziemlich schwummrig zumute war.

Auf diese Weise haben wir ganz ohne es zu merken die Grenze von West Virginia nach Maryland überschritten. Wir sind damit jetzt in unserem sechsten Staat, acht weitere werden noch folgen. Als ich mich gerade fragte, was ich da vorne auf dem Baumstamm im Wasser sähe, rief Frank plötzlich ganz aufgeregt „guck mal, da!“ Und zeigte auf den Baumstamm links von uns in dem kleinen Kanal. Dort saßen drei Wasserschildkröten! Und das, was ich auf dem Baumstamm weiter vorne gesehen hatte, waren die Ausläufer einer Schildkrötenkolonie. Wir zählten dort zehn Wasserschildkröten verschiedenster Größen! Beim Weitergehen sahen wir nun immer mehr von diesen Tieren, insgesamt geschätzt so um die dreißig, die meisten auf im Wasser liegenden Baumstämmen sitzend und sich sonnend, ein paar aber auch im Wasser schwimmend. Total schön, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet!

Danach ging es zurück in den Wald, wir waren wieder auf unserem normalen Trail. Es war eigentlich ziemlich flach und gut zu laufen, aber ich hatte unverhältnismäßig viel damit zu kämpfen. Vor einer Woche hätten wir dieses bisschen Trail als nette Nachmittagsstrecke abgefrühstückt, heute war das eine ganz schöne Tagesaufgabe. Als wir endlich beim Shelter ankamen, war ich auch schon ganz schön müde. Beim Gathland State Park hatte es keine Softdrinks gegeben und wir waren dort von einem Torbogen in die Irre gelockt worden und einen Umweg gelaufen. Die letzten Meter zum Shelter hatte ich zwar das Gefühl, ich komme langsam wieder in den Rhythmus aber gleichzeitig fühlte ich mich nicht wie nach elf sondern eher wie nach zwanzig Meilen.

Da wir viel Zeit hatten beim Shelter, haben wir unsere Pläne für die nächsten Tage nochmal überarbeitet und werden wohl schon früher unsere Vorräte nachfüllen. Das ist jetzt auch nötig, da unsere Bagels fürs Mittagessen verschimmelt sind und wir deshalb mit Riegeln improvisieren müssen. Heute Nacht sind wir so wie’s aussieht wohl alleine hier im Shelter. Das hatten wir noch nie, so ganz allein auf weiter Flur. Ich bin aufgeregt, hab aber keine Angst, der Frank passt ja auf mich auf. Und die Mücken fressen uns heute Nacht auch nicht auf, weil wir das Innenzelt als Moskitonetz im Shelter aufgestellt haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s