5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Eile mit Weile – Pine Knob Shelter nach Wolfsville Rd, Free State Hostel (mi 1049,9)

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Der Regen heute Nacht war gar nicht so schlimm gewesen, ich war fast etwas enttäuscht. Heute morgen beim Aufstehen regnete es auch nicht, aber man merkte schon, dass „etwas in der Luft war“.

Der Sectionhiker, der mit uns im Shelter übernachtet hatte, hatte ein kleines Radio dabei, aus dem von Knacken und Rauschen unterbrochen der Wetterbericht in Endlosschleife zu hören war. Wir verstanden nur etwas von „Warnung vor schweren Gewittern“, viel Wind, dass man von den Fenstern wegbleiben solle und dass wer den Donner hören kann, vom Blitz getroffen werden könnte. Irgendwann nach der x-ten Wiederholung war dann klar, dass auch unsere Region betroffen sein sollte. Uns war nur noch nicht so ganz klar, wann es losgehen sollte. Der Sectionhiker meinte, es würde gleich losschlagen und wäre gegen elf wieder vorbei während eine große Truppe Leute hektisch schon zwischen sechs und halb sieben aufgebrochen war, weil sie den Wetterbericht hatten, dass es mittags losgehen sollte und bis dahin im Trockenen sein wollten. Frank und ich waren hin- und her gerissen: wenn der Sectionhiker recht hatte, würden wir mit einem sofortigen Aufbruch genau in den schlimmsten Sturm rennen. Hatten die anderen recht aber wir warteten, würden wir kostbare Zeit verschenken und dann vielleicht genau im falschen Moment losrennen. Ich zog ernsthaft einen Zero im Shelter in Erwägung. Während wir noch überlegten und diskutierten, sah ich plötzlich die Baumspitzen im Nebel verschwinden. Die Wolken kamen! Und als dann der erste Donner zu hören war, war klar: es geht gleich los!

Little Engine und Timber, ein Thru-Hiker-Pärchen, hatten gerade noch Zeit, ihr Zeug aus den Hängematten rüber ins Shelter zu schaffen. Beim letzten Gang zurück zum Shelter war der Himmel schon so dunkel, dass sie ihre Kopflampen benutzen mussten. Das war echt beeindruckend, wie schnell und wie heftig dieses Gewitter rangebraust kam. Innerhalb von Aufenblicken war es dunkel, die Bäume bogen sich im Wind und es pladderte fröhlich vom Himmel. Wir lagen vergnügt in unserem Innenzelt im Shelter und guckten uns die Katastrophe da draußen an. Was waren wir froh, dass wir nicht da draußen unterwegs waren! Die armen Kids und diese Gruppe, ich hoffe, sie waren wenigstens schon nah genug am Washington Monument Park als es losging, so dass sie sich dort in ein Gebäude flüchten konnten. Es gab noch eine kleine Schrecksekunde, als ein Ast aufs Shelterdach fiel. Das wäre bei dem Wind heute meine größte Sorge gewesen, dass mir so ein Ast oder gar ein ganzer Baum auf den Kopf fällt.

Im Shelter fühlten wir uns aber sicher und als wir uns an dem Spektakel draußen satt gesehen hatten, nutzten wir die Gunst der Stunde für ein Schläfchen. Das war echter Luxus, sich um acht nochmal in den Schlafsack zu kuscheln und zu schlafen. Little Engine und Timber waren auch gleich ganz begeistert von der Idee und taten es uns nach. Der Sectionhiker denkt jetzt sicher, dass Thru-Hiker ein großer Haufen Schnarchnasen sind.

Das Gewitter hörte relativ schnell auf, aber es regnete noch eine ganze Weile. Gegen zehn war auch der Regen vorbei und da der Sectionhiker schon aufgebrochen war, hatten wir auch keinen guten Grund mehr, weiter faul rumzuliegen. Also packten wir das zweite Mal an diesem Morgen unsere Rucksäcke. Beim Losgehen sahen wir direkt neben dem Shelter eine Boxturtle. Das war ein recht belebtes Shelter gewesen, angeblich wohnt dort auch eine große schwarze Schlange – wir haben sie nicht gesehen, aber dank ihr dürfte es dort keine Mäuse geben.

Heute kamen wir gut voran, Maryland hatte bisher eher etwas von einem Park, mit seinen breiten, bequemen Wegen, als von dem gewohnten Trail. Zwischenzeitlich machte Frank sich etwas Sorgen, dass wir doch noch nass würden bevor wir beim Hostel ankämen, weil wieder Wolken aufzogen und wir auch gerade auf einer fiesen steinigen Passage recht langsam vorankamen. Diese Passage war wohl eine Vorbereitung auf Pennsylvania, sie hatte so gar nichts von Maryland. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass ich aus Versehen auf eine Giftschlange treten könnte. Die liegen gerne auf solchen Steinen rum, weil sie sich dazwischen gut verstecken können. Es ist aber nichts passiert und wir sind gut unten an der Straße und beim Hostel angekommen.

Das Hostel hier ist wirklich sehr schön und sauber, allerdings leider echt teuer. Für 32,-$ bekommt man anderswo zur Übernachtung und zum Wäschewaschen noch eine Pizza, einen Softdrink und ein Eis dazu. Dafür sind wir hier heute auch fast alleine und sturmsicher untergebracht. Außerdem war es nicht weit zum Dollar Store, wo wir unsere Vorräte aufstocken konnten. Wir hatten gestern aufgrund der Wettervorhersage spontan entschieden, heute hierher zu gehen und schon die Vorräte aufzufüllen, anstatt das erst morgen unterwegs zu erledigen. So war sichergestellt, dass wir trotz Sturm unsere Meilen in den nächsten beiden Tagen zusammenbekommen.

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