5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Raus aus dem Süden, ab in den Norden – Wolfsville Rd nach Tumbling Run Shelters (mi 1068,2)

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Heute Nacht hab ich so gut geschlafen, dass ich morgens das erste Mal seit langem vom Wecker überrascht wurde. Frank war auch noch nicht so im Aufstehmodus, also haben wir den Wecker eine halbe Stunde später, um halb sieben, nochmal klingeln lassen. Da fiel es uns beiden dann etwas leichter, aus den Betten zu kriechen – wir hatten sie teuer genug bezahlt.

Gegen kurz nach acht ging es zurück auf den Trail. Es war erstaunlich kalt draußen, aber das war uns recht, perfektes Wanderwetter. Als wir nach 0,2 Meilen am Shelter vorbei kamen, waren da unten mehrere Hiker zu sehen. Gleich darauf wurden wir von Apollo und dann von Handstand eingeholt, zwei Thru-Hikern, die kurz vor uns in Georgia gestartet waren. Endlich wieder Thru-Hiker außer uns tagsüber auf dem Trail!

Den ganzen Tag über sahen wir jede Menge Leute, lauter Thru-Hiker, das war echt schön. Wir hatten uns schon ziemlich einsam gefühlt in den letzten Tagen seit Shenandoah. Kurz vor der Mittagspause zeigte sich Maryland nachdem es eigentlich die ganze Zeit eher was von einem netten Spaziergang durch den Park gehabt hatte, noch von seiner garstigen Seite. Wir wanderten durch ein Felsenmeer und wäre nicht ständig irgendwo ein White Blaze gewesen, hätte kein Mensch geglaubt, dass das ein Pfad sein soll. Dann wurde es doch wieder ein schöner, breiter Pfad und wir waren im Pen Mar Park. Die Fressbuden hatten leider geschlossen, aber es stand zum Glück ein Getränkeautomat da. Das Mountain Dew war leider schon aus, ist ja auch Hiker’s Lieblingssoda, aber es gab Pepsi und Gatorade für Frank und mich. Wir hatten einen königlichen Platz fürs Mittagessen auf einer überdachten Veranda mit einem großartigen Blick über das Land unter uns, vermutlich zur Hälfte Maryland und zur anderen Hälfte Pennsylvania. Auf der Infotafel neben der Veranda stand nur was vom Bürgerkrieg, nicht, was wir heute da unten sähen.

Gleich nach dem Park ging es über Bahngleise und direkt danach stand das Schild, das die Grenze zwischen Maryland und Pennsylvania, die Mason-Dixon-Line, anzeigte. Das ist quasi der Weißwurstäquator der USA. Darunter ist der Süden, der als traditioneller, religiöser und warmherziger gilt. Die Menschen dort sprechen einen für Auswärtige schwer verständlichen Kauderwelsch und essen Grits. Darüber liegt der Norden, von dem es heißt, er sei moderner, weltoffener und vornehm zurückhaltend. Im Norden sprechen sie bis auf einige entfernte Ecken, in denen sie fast schon kanadisch sprechen, gepflegtes „American English“, wie die Ausländer dankbar feststellen, und das, was man mit etwas Glück dort an Grits findet, verdient in den Augen der Südstaatler diesen Namen nicht. Wir verlassen den Süden mit ein bisschen Wehmut, weil wir uns sehr wohl gefühlt haben, und sind gespannt darauf, was der Norden uns bringen wird. Mal sehen, ob es uns gelingt, zu den Herzen der Nordamerikaner Zugang zu finden – das soll ja angeblich nicht so leicht sein.

Heute kamen wir dank des Wetters und des schönen Weges flott voran, ich hatte das Gefühl, endlich wieder in Form zu sein. Also beschlossen wir, ein paar Meilen mehr zum übernächsten Shelter zu gehen. Da liegen drei Shelter auf einer Strecke von gerade mal 3.6 Meilen beieinander. Diese drei Shelter sind alle sehr schön. Beim ersten sind es zwei normale Shelter, die beieinander stehen. Das zweite Shelter ist ziemlich klein, für fünf Personen, aber sehr schön romantisch auf einer Grasnarbe zwischen zwei Bächen gelegen. Das dritte und letzte Shelter jedoch ist der absolute Wahnsinn, ich würde das als Shelterareal bezeichnen. Es gibt ein Schnarcher- und ein Nichtschnarcher-Shelter, mit je vier Schlafplätzen. Dazwischen sind ein überdachter und ein offener Picknicktisch. Hinter jedem Shelter ist eine festinstallierte Wäscheleine und es gibt einen Bearpole. Außerdem ist die Privy sauber, hat einen guten Schließmechanismus, Duftbäumchen, es gibt einen Sanitizer und sogar Klopapier dort. Die Wege sind gekiest, es gibt eine kleine Brücke rüber zu den Gruppenzeltplätzen, und und und… Dieses Shelter ist echt super, der totale Wahnsinn! Ich bin froh, dass wir noch die Meilen mehr gemacht haben und an diesem tollen Shelter mit lauter Thru-Hikern schlafen!

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