5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Es gibt doch Trail Magic im Norden – Tumbling Run Shelters nach Birch Run Shelter (mi 1087,8)

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Heute morgen beim Aufwachen war es erstaunlich kalt. Also machte ich als erste Aktion des Tages meine Hosenbeine lang und zog mir tatsächlich meinen Daunenpulli an – letzterer war dann aber doch etwas zu warm. Wir hatten es alle nicht sonderlich eilig von diesem wunderbaren Shelter-Areal aufzubrechen. Kurz bevor wir losgingen kam noch einer der Freiwilligen des Potomac Appalachian Trail Clubs (PATC), die sich um das Shelter kümmern, vorbei. Ein netter älterer Herr, der von uns allen freudig begrüßt wurde, weil sie hier so extrem gute Arbeit machen, und der uns Obst mitgebracht hatte. Dank der Kälte war ideales Wanderwetter, wir hatten einen großartigen Start in den Tag.

Der erste Anstieg des Tages half dann, uns gut aufzuwärmen. Schon morgens waren extrem viele Leute im Wald, die keine Thru-Hiker waren. Wir fragen uns, ob das nur ist, weil morgen hier Vatertag ist oder ob das jetzt bei schönem Wetter am Wochenende immer so sein wird. Nach dem steilen Anstieg wurde es deutlich flacher, zwischenzeitlich hatten wir das Gefühl, wieder in Maryland zu sein. Dann jedoch kamen ein paar fiese felsige Passagen und wir fingen an zu ahnen, dass das weiter nördlich dann überall so aussehen würde.

Wir alle waren sehr motiviert, weil wir nach zehn Meilen – also genau passend zur Mittagszeit – durch den Caledonia State Park kommen sollten, wo man angeblich Burger kaufen konnte. Kurz bevor wir an der Straße ankamen, an der man möglicherweise schon zu dem Burgerladen kommen konnte (wir waren uns nicht mehr ganz sicher, was genau in der Beschreibung in unseren Guides stand), sahen wir wieder eine der berühmten Kühltaschen am Wegrand stehen. Ich bin sofort begeistert darauf zugeschossen, aber schon beim Anheben des Deckels merkte ich, dass sie wohl leer sein würde. War sie nicht ganz, es lag ein Zettel darin, ein Musterbeispiel für zielgruppenorientiertes Marketing: „Wir wussten, dass dies deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. TRAIL MAGIC VORAUS! im Caledonia State Park! Folge dem A.T. ca. 1/4 Meile und halte Ausschau. Opie + Parmesan“.

Voll froher Hoffnung und etwas verwirrt folgten wir erstmal dem Trail in Richtung Park, zur Not wären da ja immer noch die Burger, die es auch dort gab. Als ich gerade den Laden mit den Burgern erspäht hatte, ertönte plötzlich von links Gejohle. Puffy und die anderen saßen schon da und winkten uns glückselig grinsend und mit vollen Backen kauend zu sich rüber. Es war großartig, was Opie und Parmesan zusammen mit der Mutter von letzterem auf die Beine gestellt hatten. Es gab Caesar’s Salad, Hot Dogs mit diversen Saucen, Bohnen, Chips, Eis mit Schokosauce und Streuseln, Obst und natürlich die obligatorischen Softdrinks. Und alles in rauen Mengen. Die beiden Jungs hatten letztes Jahr den Trail gemacht und wollten etwas zurückgebe, von dem, was sie bekommen hatten. Wir waren alle total begeistert, das was sie da hatten, war echt gut und sie waren mit so einer Begeisterung unsere Gastgeber, das war echt vorbildlich. Und das in diesem zarten Alter – die beiden waren höchstens zwanzig! Wir alle hielten uns echt lange auf, was ich mitbekommen habe, hat jeder mindestens drei Hot Dogs gegessen und drei Softdrinks getrunken. Frank und ich waren relativ fix, wir haben uns „nur“ zwei Stunden dort aufgehalten. Diese Trail Magic ist echt inspirierend, die Hinweis-Kühltasche, der Ort und das ganze Essen waren echt super durchdacht und passend.

Ich hatte befürchtet, dass wir uns echt schwer tun würden mit dem Anstieg aus dem Park raus, vollgefuttert wie wir waren, aber es ging echt ganz gut voran. Wir waren in unserer normalen Zeit am Shelter danach. Dieses Shelter war auch wieder sehr liebevoll hergerichtet. Es war ebenfalls ein Doppelshelter mit überdachtem Essbereich. Hier jedoch hatte sich jemand so richtig ausgetobt und überall Blumenkästen und diverse Deko-Gegenstände verteilt. Es war sehr hübsch, mit Bank und Bächlein, gekiestem Weg und Garzenzaun erinnerte mich das ganze an einen dörflichen Garten. Man hat den Eindruck, hier in Pennsylvania herrscht ein Wettkampf zwischen den Freiwilligen, wer das schönste Shelter hat. Sollen sie ruhig machen, uns kommt das entgegen.

Schneller als erwartet waren wir am Birch Run Shelter angekommen. Unterwegs waren wir Unmengen von Jugendlichen begegnet, die mit sauren Mienen durch den Wald wanderten – wahrscheinlich hatten ihre bösen Eltern sie gezwungen, wandern zu gehen. Das Shelter hier ist auch sehr schön und groß, mit überdachtem Essbereich direkt davor. Die Privy scheint allerdings vom Wettbewerb ausgeschlossen, hier ist kein Duftspender und auch sonst ist sie eher von der ekligen Sorte. Das Shelter sah beim Ankommen sehr voll aus und heute ist kein Regen angesagt, so dass wir und viele andere Thru-Hiker heute das erste Mal seit langem wieder im Zelt schlafen. Heute schlafen wir „oben ohne“, also ohne unser Außenzelt. Darauf hatte ich mich schon von Anfang an gefreut, endlich mit den Sternen direkt über mir schlafen zu können.

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