5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die Hälfte des Wegs und die halbe Gallone Eis – Birch Run Shelter nach Pine Grove Furnace State Park, Ironmaster’s Mansion Hostel (mi 1097,3)

10 Kommentare

Es war wunderschön, oben ohne zu schlafen – bis mich Frank mitten in der Nacht (um halb fünf) weckte. Es regnete. Schlauerweise hatten wir das Außenzelt schon so am Gestänge befestigt, dass wir es nur runterlassen mussten, aber wir mussten das ganze natürlich noch mit Heringen befestigen. Ich brauchte ein Weilchen, bis ich realisierte, dass Frank nicht hektisch aus dem Zelt gekrabbelt war, weil er aufs Klo musste sondern weil es regnete. Das war echt lieb von ihm, ich durfte drinnen bleiben und musste ihm nur die Heringe rausreichen. Kaum war das Außenzelt drüber, hörte es auch schon auf zu regnen.

Im Zelt war es danach viel wärmer als vorher. Ich habe dort weiter sehr gut geschlafen bis wir dann gegen viertel vor sieben aufgestanden sind. Auch wenn es geregnet hat war es sehr schön, wieder mal im Zelt zu schlafen. Heute waren alle morgens recht spät dran, weil die meisten nur die zehn Meilen bis zum Ironmaster’s Mansion Hostel gehen wollten. Weil wir eh schon total langsam waren, war es eh schon egal und ich nahm mir noch kurz die Zeit ein Foto von dem selbstgebauten Shelter hinter der Privy zu schießen, das ich gestern Abend entdeckt hatte. Das war ziemlich cool, ich dachte erst, das sei ein großer Ameisenhaufen aber dann sah ich, dass es so ein selbstgebautes Shelter mit Blätterdach war. Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich darum herum ging, um zu sehen, ob da jemand oder etwas drin sei – hätte ja ein Obdachloser oder ein Moonshiner oder schlimmeres sein können. Es war aber leer und so konnte ich ungestört Fotos davon schießen.

Der Weg war heute wieder überwiegend sehr angenehm, die meiste Zeit sehr flach und breit, wie in Maryland. Wir kamen gut voran und hatten schon nach nur knapp zwei Stunden die ersten 5,2 Meilen hinter uns gebracht. Genau zwischen der Straße kurz davor und der Campsite dort hatten wir die Hälfte des gesamten Weges hinter uns gebracht, 1092,95 Meilen! Das war echt aufregend, wir hatten schon die ganzen letzten Tage diesem Moment entgegenfiebert und jetzt war er endlich da! Leider war die offizielle Markierung erst ca. 1,5 Meilen weiter, da sie 2011 aufgestellt wurde, als die Mitte des Trails noch genau dort lag. Voller Stolz haben wir trotzdem da unsere Fotos geschossen und uns in das Log eingetragen.

Danach ging es flott weiter zum Pine Grove Furnace State Park, wo wir pünktlich um viertel vor eins unsere Rucksäcke und Stiefel vor dem Hostel abstellten um uns zum Mittagessen der sogenannten „Half-Gallon-Challenge“ zu stellen. Man muss eine halbe Gallone, also knapp zwei Liter, Eiscreme essen um in den „Half Gallon Club“ aufgenommen zu werden. Eigentlich hatte ich gesagt, dass ich das nicht tun wollte, da ich gehört hatte, dass die Teilnehmer danach oft über Tage ziemliche Probleme mit ihrer Verdauung hatten. Als ich aber gesehen hab, wie problemlos ich diese Unmenge Eis im Bears Den nach der Pizza weggesteckt hatte und da ich außerdem gehört hatte, dass die tatsächliche Eismenge deutlich weniger als eine halbe Gallone ist, wollte ich es zumindest probieren. Man konnte entweder eine große Packung mit einer einzigen Eissorte nehmen oder sich vier große Becher mit verschiedenen Sorten füllen lassen.

Es erschien uns einfacher, die Aufgabe mit verschiedenen Sorten zu bewältigen, da das abwechslungsreicher ist und man wechseln kann, wenn man eine Sorte satt hat. Runner Up, Little Engine und ich folgten also dieser Strategie, während Timber sich aus unerklärlichen Gründen dafür entschied, sich seine Becher alle mit Cream Cookies füllen zu lassen. Ich hatte sogar fünf verschiedene Sorten: Green Mint Chocolate Chip, Cotton Candy, Vanilla, Butter Pecan und Schokolade. Die anderen aßen sich alle der Reihe nach durch ihre Becher durch, während ich wild hin und her wechselte. Wir zogen Parallelen zu unserer Wanderung auf dem Trail: die anderen aßen sich stetig von Georgia (die ersten Löffel) über Virginia (schon ein gutes Stück der ersten Hälfte geschafft) und hier (die Hälfte geschafft) nach Maine (fast fertig) und schließlich Katahdin (der letzte Löffel). Ich hingegen war als Flip-Flopper unterwegs. Am Anfang war das etwas frustrierend, weil alle schon ihre ersten Becher leer hatten, aber als ich dann innerhalb kürzester Zeit alle meine Becher leeren konnte, war das schon cool. Als Trophäe gab es schon im Vorfeld einen Holzlöffel, der uns als Mitglieder des Half-Gallon-Clubs auszeichnete. Motiviert von diesen Vorschusslorbeeren fiel es uns allen bis auf Timber auch echt leicht, das Eis zu vernichten. Das einzige Problem war, dass uns dabei echt kalt wurde, was wir im Vorfeld überhaupt nicht bedacht hatten. Zum Schluss saß ich zitternd mit blauen Fingernägeln und Gänsehaut am ganzen Körper da. Als dann auch Timber fertig war holten wir uns noch Burger und Pommes, um dem Magen was wärmeres und solideres zum verdauen zu geben. Bis jetzt geht es uns allen noch gut…

Danach ging es ins AT-Museum, das nur wenige Meter vom Campstore mit der Eiscreme entfernt lag. Wir wurden von einer freundlichen Frau empfangen, die selbst den AT durchwandert hatte und sich all unsere Geschichten mit größter Begeisterung anhörte. Wir informierten uns über ehemalige Thru-Hiker und die Geschichte des Trails und freuten uns darüber im Trockenen zu sein, als es draußen wieder mal regnete. Außerdem nahmen wir uns Shampoo aus der Hikerbox dort mit, man weiß ja nie, was die im Hostel haben. Gegen fünf konnten wir dann endlich dort rein. Das Hostel ist echt schön und sauber, der einzige Nachteil ist, dass Männer und Frauen getrennt schlafen müssen. Frank und ich haben seit Beginn dieser Reise nicht weiter als einen Meter getrennt voneinander geschlafen, das wird seltsam werden heute Nacht. Außerdem hat dieses Haus anscheinend eine spannende Vergangenheit. Es gibt neben dem normalen Keller noch einen geheimen, der in ein Gangsystem mündet, über das früher möglicherweise entflohene Sklaven hierher gebracht wurden. Mit unseren Stirnlampen bewaffnet haben Little Engine, Timber, Runner Up und ich uns in das Loch gewagt, in der Hoffnung, etwas interessantes da unten zu finden. Es war nur staubig und wir mussten gebückt laufen und da sich keiner traute, in die engen Löcher zu kriechen, auch nicht so spannend. Aber trotzdem ganz lustig, vor allem weil wir alle dabei sehr komisch ausgesehen haben.

10 Kommentare zu “Die Hälfte des Wegs und die halbe Gallone Eis – Birch Run Shelter nach Pine Grove Furnace State Park, Ironmaster’s Mansion Hostel (mi 1097,3)

  1. Gratulation für die Hälfte des Weges …super gemacht. Juhuuuu weiter so und noch viele tolle Km oder Meilen..

    michu

  2. freue mich für Euch,
    karin

  3. Hallo ihr Zwei, es freut mich das ihr weiter durchhält und ich verfolge mit Spannung, wie so viele, eure Reise.

    Ich hätte eine Frage an Frank:
    Deine Marmot – Stretch Man Jacket soll ja anfällig auf Abreibung sein? Da ihr ja des öfteren mit 15kg+ unterwegs seid, wie sieht deine Jacke derzeit aus? Hält sie den Strapazen stand? Würde mich über eine kurze Meinung von dir freuen.

    Liebe Grüße
    Nandino mit Lui

    • Hallo!

      Ja, das hatte ich vorher auch gelesen. Meine Jacke hält aber bisher besser durch als Veronikas. Man sieht zwar leichte Spuren, aber nichts gravierendes. Mein Rucksack sitzt um die Hüfte sehr sehr stramm, da kann also nicht viel scheuern und an den Schultern sieht man gar nix.

      Ob die Jacke allerdings den aktuellen Preis rechtfertigt, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe sie vor über zwei Jahren gekauft. Da war sie noch etwas „günstiger“!

      Gruß
      Frank

      • Danke für die Antwort Frank. Hab mich nun für die DriDucks entschieden, der Preis ist einfach der Wahnsinn und solange es nicht in Kübeln regnet, tut es meine Softshell auch. Ich werde sie testen und dann mal weiter sehen.

        Freu mich das ihr weiter durchhält!

        Liebe Grüße
        Nandino mit Lui

  4. Mich würde es wunder nehmen wie das Waschen vorsich geht. Ich habe Merino Wäsche und die sollte man laut Hersteller nicht in den Trockner geben . Hmm wie macht Ihr das und bekommt mann das Waschpulfer.
    Seit ihr mit den Rucksäcken zufrieden ? Passt und Tragkonform ok? Genügend Platz?

    Gruss aus der Schweiz

  5. Hallo,

    wir verfolgen Eure Reise schon seit einiger Zeit auf der Webseite. Unser Plan ist es auch in naher Zukunft diesen Weg auf uns zu nehmen,
    leider fehlt uns noch die Zeit und die Gelegenheit ein halbes Jahr Auszeit zu nehmen.
    Sind diese Woche gerade auch in USA/PA und waren am Dienstag 18.06 spontan nach Harrisburg auf den Parkplatz am AT gefahren (wo der AT mittels Bruecke ueber die US 225 geht). Haben dort noch einen Mann (von Beruf Krankenpfleger) mit seiner 13 Jahren alten Tochter getroffen.

    Weiterhin noch viel Erfolg und haltet durch bis zum Schluss!

    Gruss

    Maren und Dirk

  6. Glückwunsch!!
    Die Hälfte ist geschafft!!
    Ich habe, wahrscheinlich wie ihr auch, nie daran gezweifelt, dass ihr es schafft!!
    Ich hoffe die zweite Hälfte wird genauso schön und ihr lasst euch trotz steiniger Berge und heftigen Gewittern
    nicht die Laune verderben, wie ihr es bis jetzt immer geschafft habt!!
    Viel Glück, keine Verletzungen, keine Streits und nette Mitwander wünsche ich euch.
    Alles Liebe,
    Caillean

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