5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Anbaden – Pine Grove Furnace State Park nach Boiling Springs (mi 1116,7)

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Gestern Abend nach elf Uhr kam noch ein weiterer Gast in unseren Schlafsaal. Die Frau hatte echt Nerven. Obwohl es schon dunkel war und alle schliefen, meinte sie, sich in aller Ruhe ein Bett aussuchen zu müssen. Eigentlich wollte sie das Bett unter mir und war auch schon drauf und dran, diejenige aufzuwecken, die ihr ganzes Zeug vor dem Bett ausgebreitet hatte, um es in Besitz zu nehmen (ja, es war mein Kram), als die Frau vom Hostel sie freundlich daran erinnerte, dass Check-In nur bis neun Uhr abends war und dass sie sich vielleicht einfach lieber ein Bett nehmen sollte, für das sie niemanden wecken musste.

Morgens ging es ähnlich erfreulich weiter, weil die erste schon um kurz nach fünf aufstand und fleißig auch gleich ihr Bett machte und all ihre Sachen packte und dazwischen rein und raus rannte und jedes Mal die Betten wackelten wenn sie daran vorbei kam. Da weiß man dann wieder, warum man gerne mehr Geld für ein Hotelzimmer zahlt. Ansonsten war das Hostel aber echt sehr schön und die Leute dort waren extrem nett. Ein ganz witziges Detail unseres Aufenthaltes war die Rationierung des Frischkäses für das Frühstück. Ich hatte gestern Abend zufällig mitgehört, wie sie das Frühstück besprochen haben. Dabei wurde dann in etwa diese Aussage zum Frischkäse gemacht: Wir können nicht wie sonst einfach die Packung mit dem Frischkäse hinstellen und jeder nimmt sich soviel wie er braucht, weil sonst jeder Hiker gleich eine halbe Packung ganz allein isst. Aus diesem Grund wurde der Frischkäse für uns rationiert und jeder bekam seine Portion gleich auf den Teller. Und ja, wenn sie den nicht portioniert hätten, dann hätte ich deutlich mehr davon gegessen.

Kaum waren wir losgegangen, kamen wir an einem Badesee vorbei. Wenn ich das gestern gewusst hätte, dann wäre ich da sicher schwimmen gegangen. Heute früh war dann allerdings keine Zeit dafür, wir hatten fast zwanzig Meilen vor uns und waren nicht sehr früh losgekommen, erst um viertel vor neun. Wir kamen heute allerdings echt gut voran, für die ersten sechs Meilen hatten wir nicht mal zweieinhalb Stunden gebraucht. Zur Mittagspause um eins hatten wir mit 10,8 Meilen schon mehr als die Hälfte der Strecke für heute geschafft. Während wir da saßen und unsere Bagels bzw. Hamburger-Brötchen mit Erdnussbutter und Traubengelee aßen, regnete es auf uns herab obwohl gleichzeitig die Sonne schien. Heute war der Regen aber nicht schlimm, weil er zum einen nicht so heftig war und außerdem alles gleich wegtrocknete, also ließen wir uns einfach nicht stören und mampften unbeirrt weiter.

Danach kam dann die Herausforderung des Tages: zwei Passagen, die als „Felslabyrinth“ im Profil standen. Wir wussten nicht so richtig, was uns erwartete, bis wir dann auf seltsame Weise durch die sich vor uns auftürmende Felsformation geführt wurden. Anstatt gerade an den Felsen vorbeizugehen, wurden wir im Zickzack durch sie hindurch geführt. Teilweise artete das Ganze in eine fiese Kletterei aus. Diesmal kam ich erstaunlich gut zurecht, während Frank sich durch ein gewagtes Manöver in eine ziemlich ausweglose Situation brachte. Zum Glück konnte ich ihm helfen, indem ich ihm die Stöcke und den Rucksack abnahm, so dass er dann zu mir rüberklettern konnte. Das tröstet mich ein bisschen über die Aktion am Dragons Tooth hinweg, wo er mir aushelfen musste – mein Stolz war doch etwas angeknackst, weil er meinen Rucksack für mich tragen musste und andere das auch noch sehen konnten.

Danach wurde das Terrain wieder einfacher und wir kamen wieder flott voran. Zum Abschluss gab es kurz vor Boiling Springs statt der gewohnten „wilderness experience“ einen Abschnitt, in dem wir über ein Maisfeld wandern durften – das war dann „rural character“-Erfahrung, wie wir auf einem Schild dort lesen konnten. Bloß gut, dass uns dieser ländliche Charakter erst abends serviert wurde, in der prallen Mittagssonne wären wir wohl eingegangen.

In Boiling Springs angekommen kürzten wir im Ort ein bisschen ab, um schneller beim Resort zu sein. Den Rest werden wir morgen eh nochmal laufen müssen, wenn wir unsere Vorräte im Ort auffüllen. Das Allenberry Resort ist echt schick. Das ist das schönste Bad, das wir bisher auf dem Trail hatten. Und das Beste ist, dass es hier einen Swimmingpool und einen warmen Whirlpool gibt. Kaum hatten wir geduscht und die Wäsche zum waschen gebracht, machte ich mich auf in Richtung Pool. Ich hatte etwas Schwierigkeiten, den Zugang zu finden, aber einmal dort, war es großartig. Sie haben dort ein Sortiment an Badeklamotten, von denen man sich ausleihen kann, was man braucht. Es gab sogar einen Bikini, der halbwegs passte. Ich hatte das Gefühl, dass ich damit aussah wir die Zwillingsschwester von Miss Piggy, aber egal, ich durfte damit in den Pool. Mein erstes Mal schwimmen dieses Jahr, ich war total glücklich. Frank war so lieb, beim Zimmer mit den anderen Hikern auf unsere Pizza zu warten, so dass ich bis zur letzten Sekunde im Wasser bleiben konnte. Die Pizza war echt lecker und dank großzügigen Trinkgelds ließ der Pizzafahrer sich sogar überreden, uns auch noch Bier zu bringen. Hier waren heute richtig viele Thru-Hiker, es war fast eine richtige Hiker-Party so wie am Anfang. Ich hoffe, das zerstreut sich ein bisschen bis morgen, sonst wird es schwierig, einen Platz im Shelter zu bekommen und morgen Nacht soll es wieder heftiger regnen.

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