5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Farmland statt Felsen – Boiling Springs nach Darlington Shelter (mi 1131,2)

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Heute morgen war es ein relativ entspannter Aufbruch aus dem Resort, da wir zum Frühstück die Reste der Pizza von gestern Abend essen konnten und dementsprechend nicht rüber in das Restaurant mussten. Nachdem wir Apollo und Hangman am Trail verabschiedet hatten, ging es für uns in Richtung Stadt. Wir mussten ja noch den Trail durch Boiling Springs laufen, wollten eine neue Filterkartusche beim Outfitter kaufen und unsere Vorräte für die nächsten zwei Tage auffüllen.

Zunächst führte der Weg durch den Ort entlang des Children Lakes, einem größeren Tümpel. Dort waren Unmengen von Schwänen, Enten und Gänsen unterwegs, die von den Leuten fleißig gefüttert wurden. Wir wurden Zeugen eines etwas verwirrenden Kampfes zwischen zwei Gänsen und einem Schwan, mittendrin drei unschuldige Küken, von denen wir nicht wussten zu welcher Partei sie nun gehörten, da sie von allen Teilnehmern im Eifer des Gefechts immer wieder überrannt wurden. Wir standen besorgt daneben und zählten, ob sie auch alle wieder auftauchten. Als sich das ganze etwas beruhigte und nichts interessantes mehr zu sehen war gingen wir weiter.

Vor der örtlichen Niederlassung der Appalachian Trail Conservancy ließen wir wie Little Engine, Timber und Nevis Beeman unsere Rucksäcke stehen. Der Besuch beim Outfitter war erfolglos, es gab dort eigentlich ausschließlich Ausrüstung fürs Fliegenfischen. Auf dem Weg zum Grocery Store, der eine Tankstelle war, sahen wir unsere drei Mitwanderer in einem Café frühstücken. Die drei wollten den Rest des Tages im Allenberry Resort verbringen, wir werden sie wohl so schnell leider nicht wiedersehen. In der Tankstelle gab es alles, was wir brauchten, das war aber auch nicht viel. Je ein Frühstück für beide und Snacks für Frank morgen. Mit der guten Verpflegung entlang des Trails hatten wir in den letzten Tagen weniger von unseren Vorräten gebraucht als geplant.

Das ist der Vorteil an der dichten Besiedelung hier in Pennsylvania, es ist fast wie eine Verlängerung von Shenandoah, wo man eigentlich immer nur für maximal zwei Tage essen mitschleppen muss und zwischenrein lauter Essensmöglichkeiten hat. Der Nachteil ist, dass wir noch schlimmer als in Shenandoah mindestens jede Meile irgendwelche Straßen kreuzen. Und hier ist das nicht der entspannte Skyline Drive, hier sind das Highways und Interstates (dann aber mit Brücken oder Tunneln). Außerdem hat der Weg uns heute auch nicht durch die Wildnis sondern überwiegend über landwirtschaftlich genutzte Flächen geführt. Ich fand das eigentlich ganz interessant, weil es mal etwas anderes war. Und zum Glück durften wir diesen Teil heute bei bewölktem Himmel gehen – in der prallen Sonne wäre das eine ganz schöne Quälerei geworden. Auf den „wilden“ Teilstücken war der Wald heute eher eine Sumpflandschaft.

Gerade mit dem feuchtwarmen Wetter heute und weil der Weg flach und eben wie er war nicht soviel Aufmerksamkeit erforderte, ging meine Fantasie mit mir durch und ich hätte mich nicht gewundert, wenn plötzlich ein Alligator vor mir aufgetaucht wäre. Das wäre dann endlich ein etwas spannenderes Wildtier hier gewesen. Aber vermutlich sind wir einfach nur verwöhnt, immerhin haben wir hier schon ein paar kleine Wasserschildkröten, einen Kolibri, diverse Hörnchen, Rehe und Kaninchen gesehen.

Dank des einfachen Terrains kamen wir sehr schnell voran. Nur der Anstieg zum Shelter bremste uns ein bisschen aus. Am Shelter haben wir ein deutsches Paar und drei nette Jungs getroffen. Es zelten einige Leute heute hier aber die meisten waren nicht sehr kommunikativ. Wir schlafen ganz allein im Shelter, es sind wieder mal Regen und Gewitter angesagt und wir haben einfach keine Lust mehr, unnötig nass zu werden. Das schöne ist, dass wir inzwischen viel entspannter Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen als am Anfang, als wir aus wirren Gründen noch dachten, wir müssten all die harten Dinge auf uns nehmen, damit wir wirklich den Trail ordentlich gemacht haben, ohne zu schummeln. Wir haben gelernt, dass es hier immer noch hart genug ist auch wenn man vernünftig ist und unnötigem Ärger aus dem Weg geht. Es ist schön zu wissen, dass man zur Not auch im Gewitter wandern kann oder auch eine Marathondistanz an einem Stück wandern kann, aber deswegen muss ich das ja nicht ständig machen – sowas hebe ich mir lieber für den Notfall auf, wenn es denn sein muss. Ich frag mich allerdings, ob alle anderen aus Angst vor dem angeblich hier herumstromernden Stachelschwein das Shelter meiden. Ein bisschen mulmig ist mir schon, aber ich hoffe einfach darauf, dass wir heute Nacht in Ruhe gelassen werden.

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