5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wir sind faul – Duncannon nach Peters Mountain Shelter (mi 1153,8)

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Auch ein erstaunlich sauberes Bett kann seine Tücken haben wenn das Hotel etwas heruntergekommen ist. In diesem Fall waren es die Sprungfedern in der Matratze. Irgendwann nachts bin ich aufgewacht und merkte, dass sich eine in meine Seite bohrte. Einmal entdeckt, ließ das Bohren nicht mehr nach, egal wie ich mich drehte. Ich schlief zwar wieder ein und schlief auch nicht schlecht aber als ich aufwachte war ich wie gerädert. Auf Franks Seite war es zwar federtechnisch gesehen etwas besser aber er konnte auch keine bequeme Schlafposition finden. Als morgens unsere Wasserflasche unters Bett rollte, sahen wir, wir sehr es durchhing – ein Wunder, dass es noch nicht zusammengebrochen war!

Zum Frühstück ging es auf Empfehlung anderer Hiker über die Straße, ins Goodies. Die Pancakes dort sind legendär, wer vier ganze schafft wird fotografisch an der Wand dort verewigt. Wir aßen lieber Rührei mit Kartoffeln, Schinken, Zwiebeln und Paprika und dazu Toast. Nach etwas Rumgammeln auf der Terrasse des Hotels machten wir uns dann um zehn auf den Weg aus der Stadt. Wie gestern auch grüßten uns sämtliche Autofahrer und entgegenkommende Fußgänger (in dieser Stadt haben sie nicht nur Gehwege, die werden hier sogar nicht nur von Hikern benutzt). Die Postfrau und der FedEx-Mann hielten sogar kurz an, um mit uns zu plaudern – eine echt nette Stadt. Und die Parallelstraße zur Hauptstraße sah nach einer ziemlich guten Wohngegend aus. Allerdings merkt man, dass man im Norden ist, weil man immer weniger sogenannte „Front Porches“ sieht. Das sind überdachte Veranden vor der Eingangstür, die mit Schaukelstühlen und Hollywoodschaukel und weiteren Sitzgelegenheiten ausgestattet sind. Hier sieht man nur noch selten ordnungsgemäße Front Porches. Meist fehlen sie ganz oder sind zu klein (sie müssen nämlich über die gesamte Vorderfront gehen), oft ist die Bestuhlung falsch und ohne Schaukelgelegenheit und manchmal stehen sogar Mülltonnen dort. Ansonsten gefallen mir die Orte hier im Norden aber gut, es wird mehr mit Stein gebaut und die Häuser sind echt schön.

Der Eisladen hatte leider noch nicht offen als wir vorbeikamen. Schade, die schienen endlich mal etwas erfrischendere Sorten wie Joghurt und Orange zu haben und nicht immer nur die cremig überladenen. Der Weg aus der Stadt führte uns entlang des Highways über eine große Brücke über den Susquehanna. Die Flüsse hier sind echt ganz schön breit, allerdings scheinen sie nicht sehr tief zu sein.

Danach ging es endlich zurück in den Wald. Der Anstieg war wahrscheinlich gar nicht so heftig aber verwöhnt von den parkartigen Wegen der letzten Tage war das ziemlich anstrengend. Zum Glück war es heute nicht so extrem heiß. Es wurde zwischendurch über weite Strecken auch ziemlich felsig aber es war weniger schlimm als ich es nach all dem Gerede über „rocky Pennsylvania“ erwartet hatte. Es gab lange Passagen, die felsfrei und flach waren.

Die Wasserversorgung war heute eher der kritische Punkt. Eigentlich wollten wir ja zu einer Campsite fünf Meilen vom Peters Mountain Shelter gehen. Die letzte verlässliche Quelle war mehr als zehn Meilen davor, beim ersten Shelter nach Duncannon. Beim Peters Mountain Shelter war eine laut Guide unzuverlässige Quelle dreihundert Steinstufen unterhalb vom Shelter. Also sahen wir alle das erste Mal beim ersten Shelter, wo jeder versuchte, soviel Wasser wie möglich zu fassen.

Zwischendurch kamen wir übrigens genau an dem von euch, Maren und Dirk, beschriebenen Parkplatz an der PA 225 vorbei und haben extra ein Foto von uns vor der Brücke geschossen – vielleicht erkennt ihr die Stelle ja wieder?

Aufgrund der Hitze hatten wir alle mehr Wasser als erhofft verbraucht, so dass wir uns beim Peters Mountain Shelter wiedertrafen. Es ist ein wirklich schönes Shelter und es kam die Diskussion auf, dass man vielleicht doch hierbleiben sollte. Nach einem Blick ins Profil war klar, dass wir dann die nächsten drei Tage im Schnitt zwanzig Meilen am Tag machen müssen, um es am Sonntagabend nach Hamburg zu schaffen. Ich ging als erste runter, die Wasserquelle testen. Um sicherzugehen für meinen Bericht, zählte ich die Stufen. Die positive Überraschung war, dass es nur 271 Stufen waren. Außerdem war es eine ziemlich gute Quelle, sogar mit Rohr und relativ gutem Druck. Da hatten wir echt schon schlimmere gehabt.

Nachdem wir nun genug Wasser für heute Abend hatten und auch noch genug, um es morgen früh zur nächsten günstiger gelegenen Quelle zu schaffen, beschlossen wir, hier zu bleiben. Frank war ziemlich geschafft und wir wären erst spät am Zeltplatz angekommen. Dann hätten wir im Dunkeln unseren Platz suchen und das Essen aufhängen müssen, das ist nicht so schön. Außerdem sind Apollo und Handstand auch hier geblieben und wir haben hier eine sympathische Dayhikerin getroffen, die übers Wochenende mit ihrem Sohn und einem seiner Freunde wandern und zelten ist. Sie ist ganz begeistert von den vielen Thru-Hikern hier und hat sich all unsere Stories mit viel Staunen angehört, das war echt schön. Mit der Dämmerung sind wieder Glühwürmchen rausgekommen, es wird wohl eine schöne Nacht. Zum Schutz vor Stachelschweinen haben wir unsere Schuhe wieder aufgehängt.

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