5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

In der Schlangengrube, diesmal aber wirklich! – Peter’s Mountain Shelter nach Campsite beim Rausch Gap Shelter (mi 1171,7)

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Wir waren heute die ersten und für lange Zeit auch die einzigen im Shelter, die aufgestanden sind und sich fertig gemacht haben. Heute waren wir sogar mit die ersten, die aufgebrochen sind, vor uns war nur die Dreiergruppe losgezogen, die gestern Abend so spät eingetroffen war.

Der Weg war wieder weniger schlimm als erwartet und da es ziemlich flach war, kamen wir extrem schnell voran. Wir flogen mit ca. drei Meilen pro Stunde dahin und waren viel schneller als erwartet beim ersten Ausblick, der Kinter View. Da es in Pennsylvania nicht so viele Ausblicke gibt, sind wir rüber gelaufen. Ich hatte mich gerade auf dem Felsen niedergelassen, um den Ausblick zu genießen, als ich zu meinen Füßen eine Schlange erblickte. So eine hatten wir noch nicht gesehen, sie schien mattgrau zu sein und hatte einen ziemlich dicken Körper. Der dicke Körper brachte mich dazu, meine Füße zurück auf den Felsen zu ziehen und schon klapperte sie los. Es war wieder eine Waldklapperschlange, diesmal allerdings die dunkle Form. Nach einem kurzen Klappern verzog sie sich gemächlich in die Büsche, sehr sympathisch. Direkt hinter uns kam Apollo an, wir warnten ihn davor, zu nah an die Büsche zu gehen. Schnell wie er ist, ließen wir ihn dann vor.

Wir waren nicht weit gekommen, da hatten wir ihn schon wieder eingeholt. Er stand vor einer Passage des Trails, die über einen sonnigen Felshaufen führte und zeigte auf einen Spalt: „Da ist die nächste Klapperschlange.“ Mit unserem inzwischen geschulten Blick erkannten wir jedoch sofort, dass es sich eindeutig um eine Kupferkopfschlange handelte. Das, was er für die Rassel gehalten hatte, war der Kopf einer Artgenossin. Nachdem er uns vorgewarnt hatte, versuchte er nun, sie weiträumig zu umlaufen, indem er nach rechts unten ging. Er war nicht weit gekommen, als er erstarrte: „Das ist jetzt aber eindeutig eine Klapperschlange!“ Und nach einem weiteren vorsichtigen Blick um den Felsen: „Herrje, das sind ja zwei – wo in aller Welt sind wir hier hin geraten?!“ Jetzt fühlten wir uns wirklich wie Indiana Jones, die Felspassage vor uns erschien uns wie ein Tretminenfeld. Keiner wusste so richtig, wie wir da heil durchkommen sollten. Von Frank kam nur „Oh Mann, das wird uns so langsam machen!“.

Da er lange Hosen und hohe Schuhe hat (und es wohl auch am eiligsten hatte), erklärte er sich wagemutig bereit, vorauszugehen. Er beschloss, zwischen den beiden Schlangennestern durchzugehen und somit nach beiden Seiten etwa einen Meter Sicherheitsabstand einzuhalten. Sobald er auf sie zuging, zogen die beiden Copperheads ihre Köpfe ein. Auch sie beißen nur im Notfall. Natürlich wollte er auch die Klapperschlangen sehen und sah sich um, als er am Felsen vorbei war. „Ich kann die Klapperschlangen immer noch nicht sehen, aber da ist noch eine Kupferkopfschlange!“. Apollo und ich ließen uns nicht abschrecken und folgten auf dem Fuß. Da kam schon wieder „Und hier ist die nächste Kupferkopfschlange.“ Wir waren noch damit beschäftigt, die anderen zu bewundern. Ich fragte mich, wieviele Schlangen noch in dieser Felslandschaft versteckt seien und ließ meinen Blick über sie schweifen. Da sah ich die nächste, drei Meter unter mir. Sie machte sich fertig zum Rasseln, diesmal allerdings nicht nur kurz und knapp sondern mit vollem Aufgebot. Sie rollte sich um sich selbst, züngelte mit dem Kopf in unsere Richtung und rasselte fleißig vor sich hin. Dank sicherem Abstands zur Schlange waren wir begeistert von ihrer Show und filmten gleich los. Dank der Infotafel vom Doyle glaubten wir, eine Massasauga in ihr zu erkennen. Damit hätten wir dann an einem einzigen Tag sämtliche Giftschlangen Pennsylvanias gesehen.

Über den Rest des Felsabschnitts kamen wir ohne weitere Giftschlangenbegegnungen, wir sahen nur noch die Haut einer sehr großen Klapperschlange weiter unten liegen, trauten uns aber nicht, sie zu holen, weil wir auf dem Weg an weiteren Felsspalten vorbei gemusst hätten. Sobald wir aus den Felsen und aus der Sonne raus waren, durfte ich wieder vorausgehen. Als erstes ging es zur nächsten Campsite, die Aufregung hatte uns ganz schön hungrig gemacht. Nach diesem Schlangennest waren wir alle ziemlich nervös und passten den Rest des Tages auf wir die Schiesshunde, vor allem an den sonnigen Stellen.

Wir kamen weiterhin recht flott voran, allerdings machten wir eine recht lange Mittagspause von über einer Stunde. Danach kamen uns Reiter entgegen, das war irgendwie echt unangenehm, weil der Weg so eng war und die Pferde ziemlich nah an uns über die Felsen steigen mussten. Allerdings waren die Reiter sehr bemüht, uns nicht zu nahe zu kommen. Auf dem letzten Stück des Wegs, kurz vor der Campsite, sah ich plötzlich in Vorbeigehen am linken Wegrand eine kleine Klapperschlange liegen. Sie war wieder total entspannt, klapperte nicht und bewegte sich auch nicht vom Fleck. Damit haben wir heute fünf Klapper- und vier Kupferkopfschlangen gesehen – das kommt davon, wenn man sich über das langweilige Wildleben in Pennsylvania beschwert.

Die Campsite ist echt schön gelegen, zwischen lauter kleinen Bächen. Es ist immer noch ziemlich warm und wir versuchen es heute nochmal, ohne Außenzelt zu schlafen – hoffentlich regnet es nicht!

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