5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Giftefeu und Trail Magic – Campsite beim Rausch Gap Shelter nach 501 Shelter (mi 1189,3)

8 Kommentare

Heute Nacht sind wir trocken geblieben obwohl wir alle ohne Außenzelt geschlafen haben. Nur ein einziger Hiker war morgens um fünf aufgestanden, alle anderen blieben erstmal noch bis kurz vor sieben liegen. Und das, obwohl es ziemlich heiß werden sollte und zwischenzeitlich für zehn Meilen keine Wasserstellen angegeben waren – so einen Abschnitt möchte man nicht in der größten Hitze des Tages machen.

Nach dem größten Anstieg des Tages ging es immer denselben Bergrücken entlang. Der Weg schien in ziemlich schlechtem Zustand zu sein. Dass hier überall die Steine durchkommen und ungünstig herumliegen, dafür können sie nichts. Auch nicht dafür, dass entlang dieses Abschnitts bis zum ersten Shelter überall Giftefeu und dornige Büsche wachsen. Aber wenn man teilweise die Felsen nicht mehr sehen kann, weil von beiden Seiten alles zugewuchert ist, dann könnte man zumindest die Äste etwas zurück schneiden. Vor lauter Aufpassen, dass keiner von uns in den Giftefeu rennt konnten wir keine Rücksicht mehr auf die Dornen nehmen und waren völlig zerkratzt an den Armen. Ich bin mir auch nicht hundertprozentig sicher, dass ich unten an den Beinen nicht vielleicht doch das eine oder andere Blatt gestreift habe, Gesicht und Arme waren mir wichtiger.

Mitten in diesem Dschungel tobte auf einmal wieder eine von diesen schwarzen Baumschlangen verschreckt über den Weg. Diese hier blieb dann aber neben dem Weg im Gebüsch liegen und bewegte ihren Schwanz so geschickt über die trockenen Blätter, dass es sich fast wie eine Klapperschlange anhörte. Wir wussten, dass manche von den ungiftigen Schlangen sich diesen Trick aneignen, weil dies ein abschreckendes Geräusch für Feinde ist, ich hatte aber nicht gedacht, dass wir das Glück haben, das live zu beobachten.

Beim ersten Shelter nach dem Rausch Gap Shelter, der ersten Wasserstelle nach den zehn Meilen ohne Wasser, traf sich dann auch prompt die gesamte Truppe zum Wasser fassen. Danach war der Trail deutlich besser, viel breiter und nicht mehr überwuchert. Wir kamen flott voran, es war inzwischen auch wieder kühler.

Als wir an die letzte Straße vor der PA 501 kamen, sahen wir schon von weitem einen Tisch und Stühle stehen und unsere Mitwanderer der letzten Tage dort sitzen – Trail Magic! Und was für eine! Es gab Subway-Sandwiches, die sich erstaunlich gut gehalten hatten, allerlei leckeren Süßkram, Bananen, Äpfel und natürlich jede Menge Softdrinks. Die Spender waren ein ehemaliger Thru-Hiker, der jetzt für den Abschnitt des Trails vom Shelter bis zu dieser Straße zuständig ist, und seine Frau. Das war auch wieder eine überwältigend großartige Trail Magic, vielen Dank an die beiden!

Nachdem wir beinahe eine Stunde dort zugebracht hatten, machten wir uns auf den Weg für die letzten beiden Meilen zum Shelter. Wir wollten nicht zu spät schlafen gehen, um morgen früh aufstehen zu können und die letzten 24 Meilen nach Hamburg gut zu schaffen. Wir hatten natürlich heute auch schon noch ein paar von diesen Meilen schaffen können, aber wir wollten gerne am 501 Shelter übernachten. Dieses Shelter liegt direkt an der PA 501 und man kann dort duschen und sich Pizza liefern lassen.

Am Shelter angekommen waren wir völlig begeistert. Dieses Shelter hat mehr was von einem Hostel als von einem Shelter. Es ist eine richtige Hütte, mit zwei Türen und einem Oberlicht. Man schläft in Stockbetten (man muss noch seine Isomatte und seinen Schlafsack benutzen), in der Mitte ist ein Esstisch, es stehen richtige gepolsterte Stühle herum und es gibt Mülleimer für Pizzakartons, Dosen und Plastikflaschen. Außerdem standen vor dem Shelter zwei nette Herren mit Vitamindrinks und noch mehr Süßkram für uns. Trail Magic am Shelter! Dann kam noch ein weiterer Spender an, der Äpfel und Werbecomics für die Kirche für uns dabei hatte. Während die Jungs am Parkplatz auf die Pizza warteten, bekamen sie von den beiden Herren noch Bier spendiert. Vielen Dank auch an sie! Wir Mädels haben die Gunst der Stunde genutzt, um zu duschen. Da es nur eine Solardusche war, war es ziemlich erfrischend, aber echt toll.

Frisch geduscht, mit warmer Pizza und Cola von den Florida Flip-Floppern im Bauch kommen wir doch später als erhofft aber sehr zufrieden ins Bett. Wir stellen den Wecker trotzdem auf sechs, damit wir morgen zeitig loskommen. Die meisten anderen wollen auch früh los.

8 Kommentare zu “Giftefeu und Trail Magic – Campsite beim Rausch Gap Shelter nach 501 Shelter (mi 1189,3)

  1. Ihr erlebt ja super tolle sachen …..wenn ich könnte würde ich Euch besuchen und Trail Magic machen grins….
    Ach wann könnt Ihr wieder Fotos runterladen?

    • Mit neuen Fotos ist es gerade etwas schwierig. Das kostet immer viel Zeit und wir waren seit Harpers Ferry auch nicht mehr in der Nähe eines Computers… Sobald sich die Gelegenheit ergibt!

  2. warte soooooooo sehnsuechtig auf neue posts!!! bin echt gespannt von euch neues zu erfahren
    LG
    Petterson

    • Es tut uns wirklich leid, dass es so lange nichts neues von uns gibt! Wir leben noch, es geht uns gut und nein, wir wurden nicht weggeschwemmt (nur fünf oder sechs Häuser im benachbarten County…).
      Das Wetter ist ein wenig stressig und wir sind froh, mit dem Schreiben hinterher zu kommen. An Uploads ist gerade nicht zu denken! Freitag sind wir (geplant) wieder in einem Motel, dann gibt’s viel zu lesen…

  3. Schon gesehen?

    6 min 17 sec 😉

  4. bin froh von Euch zu lesen ..hab mir schon sorgen gemacht um Euch auch weil ich eure Wettersituation angeschaut und verfolgt habe..

    bis bald michu

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