5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

501 Shelter nach Highway 61 (Hamburg) – 39,04km

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Die letzte Nacht wurde nach dem eher unspektakulären Tag aufregender als uns lieb war. Gegen viertel vor zwölf hörte man plötzlich sehr seltsame Geräusche und kurz darauf rief Handstand schon durch den Shelter: „Er hat einen Anfall!“ Einer unserer Mitwanderer hatte einen Krampfanfall, der gefühlt kein Ende nehmen wollte. Gut dass Handstand da war!!! Sie ist Krankenschwester, hat sofort die Kontrolle übernommen und blieb dabei bewundernswert ruhig.

Als er wieder halbwegs ansprechbar war, hat sie ihn gefragt, ob er ins Krankenhaus wolle. Ja, es war anscheinend nicht sein erster. Nur wie dort hin kommen. Der nebenan wohnende Caretaker war neu und kam nicht aus der Gegend und es war nicht ganz klar, ob der Kranke versichert ist bzw. die Versicherung den Transport übernehmen würde. Sie hat ihn also ernsthaft gefragt, ob sie einen Krankenwagen rufen soll oder nicht! Auf die Frage wäre ich niemals gekommen, denn eigentlich sollte man sowas in einem Industrieland nicht fragen müssen! Dafür standen kurze Zeit später dann wohl auch VIER Emergency Vehicles auf dem Parkplatz wo eines gereicht hätte…

Um halb eins war der ganze Spuk vorbei. Einer der Florida Flipfloppers ist mit ins Krankenhaus gefahren, sodass wir auch erfahren konnten, ob alles in Ordnung sei. Sie hatten eh vor zwei Zeros in Philadelphia zu machen. Das ist ihm echt hoch anzurechnen! Gut, dass er im unteren Bett lag, dass die Straße in der Nähe war und wir nicht irgendwo im Wald waren und dass wir Handstand da hatten!!! Sechs Stunden später hieß es trotzdem Aufstehen und weiter. Ein sehr langer Tag wartete auf uns, wenn wir es bis nach Hamburg schaffen wollten.

Am Anfang waren die Temperaturen noch erträglich und der Weg nur wenig felsig. Wir waren heilfroh, dass die beiden schlimmsten Anstiege noch vor zwölf hinter uns lagen! Mittags wurde es dann wirklich unerträglich heiß. Auch wenn der Weg ziemlich flach war, die Hitze und die Felsen machten das Wandern wirklich schwer. Am Shelter nach 15 Meilen, bei dem wir eh Wasser holen mussten, hätten wir auch Schluss machen können. Hotelbett und Dusche waren aber zu verlockend und wir wollten noch weitere 9 Meilen laufen.

Die ersten fünf davon gingen noch, die letzten vier waren die Hölle! Eigentlich konnten wir beide nicht mehr. Die Füße haben geschmerzt wie noch nie bisher, wir waren völlig ausgelaugt und wir wussten, dass noch ein fieser Abstieg auf uns wartet. Das war wirklich grenzwertig! Vor allem hatten wir noch keine Idee, wie wir die zwei Meilen zum Hotel kommen sollten. Kurz nach uns kam eine Gruppe von drei Tageswanderern am Fuß des Berges an. Die hatten wir schon vorher getroffen und denen ging es noch schlechter als uns. Einer von ihnen hat sich einfach auf den Weg gelegt und wollte nicht mehr weiter. Er hat dann von mir einen dreiviertel Liter Wasser bekommen, weil er schon keines mehr hatte. Die anderen beiden hatten wir gefragt, ob sie uns nach Hamburg fahren könnten, aber sie waren eher abweisend, weil das Auto wohl zu klein sei.

Am Trail Head angekommen wurde es dunkel und wir mussten einsehen, dass per Anhalter wohl nichts geht. Der Parkplatz war aber auch äußerst ungünstig gelegen! Im Hotel sagte man uns am Telefon, dass sie ein Zimmer für uns hätten, aber auch nicht wüssten, wie wir dorthin kommen könnten. Wir wollten schon fast die halbe Meile nach Port Clinton zurück laufen, als die drei Jungs ankamen. Ich habe mir ein Herz gefasst und ein drittes Mal gefragt, ob sie uns fahren könnten. Dieses Mal hat auch Anthony, der Besitzer des Autos, unsere Bitte mitbekommen. Er war der, der mein Wasser bekommen hat. Er meinte sofort, dass wir schon irgendwie reinpassen würden! Was waren wir glücklich! Nach einer kurzen Irrfahrt sind wir jetzt im klimatisierten Hotel. Yooper, Big Red und sein Neffe Luke sind auch hier. Da die Küche um zehn schließt bin ich ungeduscht um fünf vor noch runtergerannt und wir haben sogar ein warmes Abendbrot. Nie wieder 24 Meilen!!!

Noch 1.556km

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