5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Zurück in die Wildnis – Highway 61 nach Eckville Shelter (mi 1228,2)

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Natürlich waren wir heute morgen noch nicht um halb sieben beim Frühstück. Wir sind zwar brav um kurz nach sechs aufgestanden aber da wir gestern nicht mehr unsere Sachen gepackt hatten brauchten wir eine ganze Weile um fertig zu werden. Als wir jedoch um halb acht unten ankamen, saßen alle noch da und sahen nicht aus als wären sie schon lange dort.

Wir waren dafür als erste fertig mit frühstücken und da die Rucksäcke schon gepackt waren, waren wir um viertel nach neun aus dem Hotel raus. Wir wollten versuchen, den Highway entlang zu laufen und dabei zu hitchhiken. Kaum hatte ich den Daumen rausgestreckt, hielt ein Auto. Es war ein Hotelgast, der uns auf dem Hotelparkplatz gesehen hatte. Dank ihm waren wir innerhalb weniger Minuten beim Post Office in Port Clinton angekommen. Wir wollten von dort unsere Regenhosen und meinen Daunenpullover für die Whites vorausschicken. Der äußerst hikerfreundliche Postangestellte half uns, den günstigsten Preis für unser Paket zu finden – dadurch haben wir nur die Hälfte von dem bezahlt, was wir letztes Mal zahlen mussten.

Auf dem Weg vom Post Office zum Trail wurden wir noch vom örtlichen Frisör aufgehalten – er habe kostenlosen Kaffee für Hiker. Wir mussten leider ausschlagen, da wir den fiesen Anstieg aus der Stadt raus so schnell wie möglich vor der großen Hitze des Tages hinter uns bringen wollten. Er sah nach dem perfekten Gegenstück zu dem Abstieg von vorgestern aus und wir hatten uns die letzten beiden Tage schon davor gefürchtet. Port Clinton scheint wirklich mit Begeisterung eine Trailstadt zu sein.

Der Anstieg war weniger schlimm als ich befürchtet hatte, trotzdem lief uns der Schweiß in Strömen hinunter als wir oben ankamen. Damit war der schlimmste Teil des Tages aber auch schon geschafft, die restlichen Abstiege waren ziemlich sanft in der Steigung. Den ganzen Tag über wanderten wir mehr oder weniger mit Apollo und Handstand, wir sahen sie eigentlich in jeder Pause. Handstand hatte ein USB-Ladegerät gefunden und Apollo hatte ihr gesagt, dass wir das brauchen könnten. Jetzt kann ich mein deutsches Ladegerät und meinen Adapter-Stecker nach Hause schicken und damit meinen Rucksack leichter machen. Total cool, vielen Dank an die beiden!

Beim ersten Shelter, an dem wir Mittagspause machten, fand ich einen echt coolen blauen Stein. Leider viel zu groß und schwer zum mitnehmen. Apollo hat ihn geputzt und wir haben beide Fotos davon geschossen, dann haben wir ihn als Dekoration im Shelter liegen gelassen. Er war echt schön, ich bin mir ziemlich sicher, dass das irgendein Halbedelstein war. Wir haben beim Shelter auch Bamboo und Morning Kid wiedergetroffen. Dadurch, dass sie ein paar Tage vom Trail weg waren, konnten wir sie nochmal treffen, sonst sind sie schneller unterwegs als wir und wären schon weit voraus. Es war schön, sie nochmal zu sehen.

Nach dem Shelter folgte nochmal ein Anstieg. Aufgrund der Hitze war er ziemlich anstrengend und so nutzten wir die Gunst der Stunde und den nächsten Ausblick für eine ausgedehnte Pause. Während wir ausgestreckt auf den von der Sonne erwärmten und dennoch schlangenfreien Felsen rumfläzten wurde uns klar, wie angenehm so ein Giftschlangenleben ist. Den ganzen Tag nur in der Sonne liegen, vorbeikommende Hiker anstarren und in Furcht versetzen klingt ziemlich gut.

Leider zogen dunkle Wolken am Horizont auf und drängten uns dazu, weiterzuwandern bevor wir zu Klapperschlangen mutierten. Die folgenden Meilen hatte ich das Gefühl, vor dem Gewitter davonzurennen. Wir bekamen ein paar Tropfen ab, der Wind blies heftiger und wir hörten Donner. Ansonsten blieb es bei uns ruhig. Frank meint, ich wäre wieder ganz schön gerannt – Apollo und Handstand haben uns trotzdem mit Leichtigkeit eingeholt.

Auf den letzten Meilen waren wir nur noch knapp hinter Yooper, Big Red und Luke, Handstand und Apollo hatten sie an einer Quelle getroffen. Wir versuchten, sie einzuholen aber es gelang uns nicht, also trafen wir sie erst am Shelter. Die Wiedersehensfreude war groß vor allem weil wir jetzt hoffentlich erstmal wieder zusammenbleiben. Wir hatten uns gewundert, warum sie gestern und heute nur so wenig Meilen gemacht hatten und hatten uns schon Sorgen gemacht aber sie waren gestern den Weg zum Trail gelaufen, was drei zusätzliche Meilen bedeutete und heute hatten sie eine längere Pause gemacht und das Zelt aufgebaut, um dem Sturm aus dem Weg zu gehen.

Das Shelter hier ist ähnlich wie das 501 Shelter an der Straße gelegen, mit Bunkbetten, fließend Wasser, einer Dusche und einer Toilette mit Spülung. Man kann hier zwar keine Pizza liefern lassen aber die Caretaker haben uns Eis und Chilisalz spendiert. Nach langem hin und her haben wir uns dafür entschieden, im Shelter zu schlafen. Das Gewitter, das gerade hier drüber getobt ist, zeigt, dass wir uns richtig entschieden haben.

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