5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Vor dem Sturm in den Knast geflüchtet – New Tripoli Campsite nach Superfund Trailhead, Palmerton (mi 1253,6)

7 Kommentare

Wie schnell wir doch morgens aus den Federn kommen, wenn wir aus Angst vor einem Gewitter so schnell wie möglich in die Stadt kommen wollen! Um kurz nach sechs fing ich an, meinen Schlafsack zusammenzupacken und um kurz vor halb acht verließen wir das Camp.

Yooper, Big Red und Blister hatten die Handynummer von Hot Wheels und Rainbow ’88, damit sie sie anrufen konnten, um am Trailhead abgeholt zu werden. Weil wir nicht sicher waren, ob in dem Auto genug Platz für fünf Hiker wäre, hielten wir es für schlauer, wenn Runner Up und ich versuchten, so schnell wie möglich runter zu kommen und dann eigenständig von Trailhead in die Stadt zu kommen. Erst mal war nicht viel los mit schnell, der Weg (falls man das noch so nennen kann) war die reinste Kletterpartie über wild dahingeworfene kleinere und größere Felsbrocken. An sich machte mir die Kraxelei ja Spaß, vor allem weil ich mich inzwischen in solchem Gelände viel sicherer als noch vor kurzem fühle. Aber wir wurden dadurch ganz schön ausgebremst. Für die ersten vier Meilen brauchten wir gut zweieinhalb Stunden – letztens haben wir in derselben Zeit noch fast sechs Meilen geschafft. Allerdings in anderem Gelände.

Nach dem Baked Oven Knob Shelter sollte das Gelände nach dem, was wir gehört hatten, eigentlich besser werden. Wir kamen aber erst nach weiteren zwei Meilen besser voran. Von da an ging es dann deutlich besser und wir kamen früher als erwartet an jeder weiteren Wegmarke an. Die ersten Heidelbeeren sind jetzt in großen Mengen reif an den sonnigeren Stellen, das Logbuch im nächsten Shelter war voller begeisterter Kommentare darüber. Dafür scheint die Zeit der Zikaden vorbei zu gehen, wir sehen immer mehr tote und halbtote auf und neben dem Trail.

Als wir unten am Trailhead ankamen, waren wir etwas verunsichert von der Wegführung und der Ausschilderung dort. Während die White Blazes uns eindeutig an der Ampel über die Straße leiten wollten schien das Schild das Überqueren genau dort zu verbieten. Wir folgten natürlich den weißen Streifen. Dann gaben wir uns fünf Minuten zum trampen – falls uns dann niemand mitgenommen hatte, wollten wir laufen. Kurz bevor die fünf Minuten vorüber waren, hielt eine Frau mit Eistorten auf der Rückbank: „Das ist viel zu gefährlich hier an der Straße entlangzulaufen. Kommt rein!“. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und schon wurden wir einmal nach Palmerton chauffiert. Wir bekamen sogar noch eine kleine Stadtführung, vielen herzlichen Dank an diese liebe Frau!

Wir waren sehr gespannt auf das Jailhouse Hostel. Es war zwar nie ein Gefängnis aber wer zu unpassenden Zeiten ankommt, muss bei der örtlichen Polizei einchecken. Der Eingangsbereich ist sehr vielversprechend, das Damenklo ist ein Traum. Der Bunkroom ist in Ordnung dafür, dass er kostenlos ist. Die Dusche ist ziemlich eklig, allerdings meinten die Amis einstimmig, dass das der Standard in alten Sporthallen ist. Naja, immerhin war das Wasser schön warm.

Frank hat heute an mir die erste Zecke entdeckt, die sich festgesaugt hatte. Es war eine von den fiesen kleinen, die wir seit Maryland immer wieder an uns finden. Die sind so winzig, man sieht sie kaum. Ich bin echt begeistert, dass er sie erstens entdeckt und zweitens komplett herausbekommen hat. Unsere Zeckenkarte ist Gold wert! Und mein Moskitonetz für den Kopf übrigens auch. Am Anfang haben sich ja einige darüber lustig gemacht aber in den letzten Tagen wollen sie auf einmal auch alle eins. Diese Insekten sind aber auch lästig, vor allem die, die immer vor den Augen rumschwirren.

Nach dem Duschen haben wir uns dann zwischen unseren Aufgaben einmal quer durch die Stadt gefuttert. Während unsere Wäsche wusch, gab es Salat und Sandwiches im Diner nebenan. Danach ging die Wäsche in den Trockner und wir in die Bar mit Yooper, Big Red, Blister, Hot Wheels, Raunbow ’88, Apollo und Handstand. Auf dem Weg zurück vom Einkaufen gab es Frozen Yogurt und im Anschluss ging es zurück in die Bar fürs Abendessen mit Trip und JD. Damit sollten wir heute eine ganz gute Kalorienbilanz geschafft haben – die brauchen wir auch für unseren Aufstieg morgen aus der Stadt raus. Draußen regnet es inzwischen ununterbrochen und es hat auch ordentlich gewittert. Wir liegen hier schön warm und trocken, wie schön!

7 Kommentare zu “Vor dem Sturm in den Knast geflüchtet – New Tripoli Campsite nach Superfund Trailhead, Palmerton (mi 1253,6)

  1. … ist imme wieder schön Eure Wanderung zu verfolgen. Ich frage mich immer wieder woher ihr die Kraft und das Interesse nimmt noch so viel und so regelmäßig zu schreiben. Was ist eine Zeckenkarte? Werde Euch weiter auf Eurer Reise begleiten. Vielleicht kann ich ja auch nächstes oder übernächstes Jahr damit starten. Reichen Eurer Meinung nach 5.000 Euro für die Reise aus (das hab ich in einem Buch gelesen)?

  2. @ michael:
    Mit oder ohne flug?
    und hast du vor oft in städten einzukehren oder nicht?
    würde mich mal interessieren 🙂
    Alles Liebe,
    Petterson

    • Mit flug hin und zurück …pro maile oder km ein euro , dolar oder franken egal wenn du 3500.- franken hast für den AT sollte das reichen. Das währen sicher pro monat ca 2-3 aufenthalte in den städten mit drinn . Das ist mein budget jeder hat halt seine prioritäten aber denke ist in etwa bei jedem gleich. Mit flug ca 5000.- franken gerechnet.
      Hoffe kinnte dir weiterhelfen.
      Michu

  3. Vielen Dank! 🙂

    • 5.000€ sollte man alleine für hier einplanen! Also nachdem Flüge, Versicherungen und Visa bezahlt sind. Bisher sind wir mit 2,50$ pro Meile und Nase ganz gut ausgekommen. (Es ist natürlich billiger, wenn man mehr in Hostels unterkommt) Dazu kommt aber noch die Ausrüstung, die kaputt geht und Umvorhergesehenes wie Veronikas Krankheit. Ich weiß auch noch nicht, wie es im Norden aussieht. Zur Zeit haben wir den Eindruck, dass alles um 30-50% teurer wird…

  4. Danke Frank dann leg ich noch nen Tausender drauf grins …

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