5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Superfund Trailhead nach Leroy A. Smith Shelter – 24,8km

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Um zehn Uhr nachts sind gestern noch drei bemitleidenswerte Gestalten im Hostel angekommen. Als sie am letzten Shelter vor der Stadt angekommen sind, war es wohl voll und sie schon seit einer Stunde völlig durchnässt. Da haben sie sich dann doch noch die anderthalb Stunden bis nach Palmerton angetan. Trampen konnten sie ja um die Uhrzeit nicht mehr. Da sowohl Veronika und ich als auch Yooper und Big Red auf der Erde geschlafen haben, waren sogar noch genug Pritschen frei. Für mich waren die einfach zu kurz, meine Isomatte hat nicht reingepasst!

Nach dem Frühstück bei Bert’s haben uns Rainbow und Hot Wheels um acht am Hostel abgeholt. Die beiden hatten wir vor ein paar Tagen ja schon getroffen und sie haben gestern Yooper, Big Red und Blister in die Stadt gefahren. Heute haben sie einen Shuttlemarathon gemacht: wir fünf mit unseren Rucksäcken zum Trailhead, J.D. und Trip fünf Meilen weiter, weil sie mit ihrem Knie nicht klettern kann, und das Gepäck von Handstand, Apollo und Shanen ging nach Wind Gap, wohin die drei Slackpacken wollten (ohne die gesamte Ausrüstung wandern). Großartig von den beiden!

Zu fünft haben wir um neun diesen schrecklichen, schrecklichen Aufstieg in Angriff genommen. „Die schwerste Section vor den White Mountains“, „Das schlimmste, was ich bisher auf dem Trail erlebt habe“ es war mal wieder die ganz große Panik vorab! Wir hatten richtig viel Spaß auf dem Weg nach oben. Das Wetter war viel angenehmer als die letzten Tage, vor allem merklich kühler und es macht einen großen Unterschied, ob man sowas alleine oder als Gruppe macht! Wie sagte Yooper mal so schön: „Wir sind zwar nicht die schnellsten Wanderer, aber die fröhlichsten!“ Die ganze Kletterei war eine einzige Fotosession und die Ausblicke von diesem Felshaufen gigantisch.

Irgendwo in der Mitte hat uns BMW, ein weiterer Deutscher, überholt. Der sah nicht ganz so fröhlich aus wie wir. Er hatte die letzte Nacht aber auch draußen verbracht. Wir sind langsam aber stetig und des Öfteren auf allen vieren die Felsen hochgekrabbelt. Nach gut einer Stunde waren wir oben. Ich hatte mit mehr gerechnet und es mir auch viel schwieriger vorgestellt! Es war nicht einfach, aber wir waren jetzt nicht völlig fertig.

Weiter ging es oberhalb von Palmerton und der Zinkschmelze, die der Grund für diesen kahlen Berg war. Bis in die Achtziger haben die Dämpfe von dort alle Pflanzen hier oben gekillt. So langsam wir es wieder grüner und die Renaturierungsbemühungen tragen Früchte. Es sind bisher vor allem Gräser und Sträucher, das perfekte Zeckenhabitat! In der erste Pause musste Yooper eine von Blisters Bein entfernen und auf meiner Hose waren auch drei unterwegs. Die Gräser sollten wir aber bald hinter uns lassen um wieder durch felsigeres Gelände unterwegs zu sein. Das macht uns so langsam echt die Füße kaputt!

Bis zur Mittagspause um halb zwei hatten wir erst sechs Meilen geschafft. Ok, da lagen der große und ein kleiner, fieser Anstieg drin aber so langsam mussten wir voran kommen! Als es um zwei weiter ging, hat Veronika angefangen Dampf zu machen. Sie vorneweg, dann ich, dann Blister und Yooper und Big Red irgendwo hinter uns. Nach zwei Stunden waren wir drei vorne zwar ziemlich schweigsam aber auch echt fix unterwegs. Dafür, dass es erst sein fünfter Tag hier draußen ist, hat mich Blister ziemlich beeindruckt! Er hat sich an uns rangehängt und nicht mehr locker gelassen. Klar war er am Ende völlig fertig aber das waren wir auch. Der Aufstieg steckte uns doch ein wenig in den Muskeln.

Um viertel nach sechs, etwas zeitiger als erwartet, standen wir am Sidetrail zum Shelter. Der war bis auf Mess auch völlig leer. Da wir nicht wussten, was das Wetter bringt, haben wir die restlichen Plätze belegt. Es hatte schon seit einer viertel Stunde immer mal wieder gedonnert aber Big Reds Wetterradar auf dem Telefon zeigte nur Gewitter nördlich und südlich von uns an. Kaum kamen Veronika und Yooper vom Wasser holen zurück, ich hatte in der Zwischenzeit unser Zelt als Moskitonetz ins Shelter gestellt, fing es an zu tröpfeln. Dann nieselte es. Und während Big Red und Veronika noch diskutierten, ob das jetzt leichter oder schwerer Regen werden würde, ging es richtig los. So viel Wasser von oben hatten wir seit Wochen nicht mehr! Es hat zwei Stunden lang durchgehend geschüttet und vor dem Shelter ist jetzt ein See. Regenwahrscheinlichkeit für morgen: 10%. Besser is dat! Vor uns liegen 20 Meilen…

Noch 1.467km

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