5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Blutsauger – Brink Road Shelter nach Highpoint State Park Headquarters (mi 1332,0)

4 Kommentare

Dank unseres Moskitonetzes hatten wir eine gute, mückenfreie Nacht. Ich weiß nicht, wie er das aushalten konnte, aber Cash hat ohne jeglichen Mückenschutz nur in seinem Schlafsack die Nacht verbracht und angeblich auch gut geschlafen.

Er schien es im Gegensatz zu uns heute morgen auch nicht besonders eilig zu haben aus dieser Mückenplage rauszukommen. Wir packten so schnell wie möglich unsere Siebensachen und machten, dass wir wegkamen. Nur Yooper und Big Red waren noch fixer: sie frühstückten rasch im Stehen und als Yooper zu lang brauchte, um ihren Rucksack fertig zu packen, flüchtete Big Red ohne sie aus dem Lager mit den Worten „Ok, wir treffen uns unterwegs!“

Die Flucht half wenig, die Mücken sollten unsere ständigen Begleiter im Wald werden. Immerhin nicht mehr ganz so extrem wie am Brink Road Shelter. Nur dort, wo der Wald lichter ist, sind weniger Mücken unterwegs. Ansonsten hilft nur ständig in Bewegung zu bleiben, das vergrätzt einem ganz schön die Pausen.

Oben auf dem Bergrücken, in einem angenehm mückenfreien Abschnitt durch Heidelbeerbüsche tobte plötzlich rechts von und etwas großes durchs Gebüsch, von uns weg. Wir vermuten, dass das ein Bär war, laut hilfreicher Infotafel halten sie sich nämlich gerne dort auf, wo sie reife Beeren finden.

Danach ging es runter zum Deli, dort gab es für uns ein leckeres zweites Frühstück. Angeblich soll es hiervon demnächst mehr geben – das wäre echt prima, dann müssen wir weniger Essen mitschleppen. Der weitere Weg war recht unspektakulär, weiterhin ziemlich mit Mücken verseucht.

Als Mittagessensplatz hatten wir uns einen Pavillon ausgesucht, in der Hoffnung, dass er etwas freier läge und dementsprechend der Wind und die Sonne dort die Mücken vertrieben hätten so dass wir ungestört essen könnten. Die Rechnung ging auf, keine Mücken. Als ich allerdings beim Schuheausziehen drei Zecken, die auf meine. Socken rumkrabbelten, entdeckte, war der Spaß vorbei. Runner Up, Yooper und Big Red fanden auch alle welche auf sich. Im Gras rund um den Pavillon saßen weitere Prachtexemplare dieser widerwärtigen Blutsauger. Auch mückenfrei können wir hier also anscheinend nicht ungestört Pause machen, immer wollen sie unser Blut hier!

Noch während wir am Pavillon saßen kam Duffle Miners Vater vom Parkplatz unten herauf. Sie säßen dort unten mit dem gleichen Angebot wie gestern. Er überlegte, ob sie hier hoch umziehen sollten, weil der Pavillon direkt auf dem Trail liegt und ein guter Pauseplatz ist. Big Red kam mit, um ihm tragen zu helfen. Als er aber feststellte, wie weit weg der Parkplatz war, schlug er vor, stattdessen am Pavillon einen Hinweis auf die Trail Magic unten aufzuhängen.

Nachdem das erledigt war, haben wir uns nochmal für fast eine Stunde zu Duffle Miners Eltern gesetzt und uns von ihnen verwöhnen lassen. Während wir vier dort gemeinsam mit Shane saßen, kam einer der Leute vorbei, die sich um die Instandhaltung des Trails kümmern und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Damit waren wir dann auch halbwegs mental auf den zugewucherten Abschnitt vorbereitet, der kurz nach seinem Zuständigkeitsbereich einsetzte. Wilderness Experience in der Reinform!

Big Red hatte es furchtbar eilig zum nächsten Shelter zu kommen und raste mit drei Meilen pro Stunde dahin. Als wir ihn und Yooper dann beim Shelter einholten meinte er nur, er wollte gucken, ob er das Tempo für diese Strecke halten könne. Nachdem das nun bewiesen war durften wir den Rest des Weges wieder in gewohnten Tempo laufen. Naja, etwas beschleunigt durch die Mücken, die jeden Anschein von Langsamkeit zum Zustechen ausnutzten. Jetzt sind die Toilettengänge im Wald noch unangenehmer… Deet hilft immer nur kurz, falls überhaupt. Es gibt härtere Mittel, mit denen man seine Kleidung behandeln kann, aber die bringen dann wohl auch fiesere Nebenwirkungen mit. Mal gucken, wie lange wir es noch so aushalten.

An der Straße wurden wir vom Motelbesitzer abgeholt. Das war ein ziemlich schönes, sauberes Motel. Das beste war, dass er für sieben Euro unsere Wäsche wusch und zwar so großartig, dass nach langer Zeit sogar die Socken mal wieder frisch rochen.

Als wir draußen vor dem Motel saßen, kamen Duffle Miner und Jean Genie mit Duffle Miners Eltern angefahren. Auch sie wollten die Nacht hier im Motel verbringen. Wir mussten recht lachen, weil wir von den Eltern nochmal Bier bekamen – es gab also sogar noch ein drittes Mal Trail Magic!

Jetzt liegen wir in unserem sauberen, klimatisierten und mückenfreien Zimmer – ich denke, wir werden eine gute Nacht haben!

Bisher mag ich New Jersey noch weniger als Pennsylvania. Die Felsen hier sind zwar weniger anstrengend als in Pennsylvania, aber immer noch in ausreichender Menge vorhanden dass die Füße davon schmerzen. Dazu kommen jetzt die Sümpfe mit den matschigen Wegen, glitschigen Laufstegen und vor allem den abertausenden Mücken und Zecken überall. Pennsylvania war wenigstens trocken und nicht so mückenverpestet.

4 Kommentare zu “Blutsauger – Brink Road Shelter nach Highpoint State Park Headquarters (mi 1332,0)

  1. La chasse aux moustiques est ouverte ! J’espere qu’entre temps vous avez quitte cette zone infestee. Pour ma part je suis en vacances du 16 au 31 Juillet, bonne continuation a tous les deux ! 🙂

  2. Du gehst zu Bett um zehne,
    Du hast zu schlafen vor,
    Dann hörst du jene Töne
    Ganz dicht an deinem Ohr.

    Drückst du auch in die Kissen
    Dein wertes Angesicht,
    Dich wird zu finden wissen
    Der Rüssel, welcher sticht.

    Merkst du, daß er dich impfe,
    So reib mit Salmiak
    Und dreh dich um und schimpfe
    Auf dieses Mückenpack.

    Wilhelm Busch

  3. Ihr schafft auch das ….weiter so …haltet durch …gruss aus der schweiz

  4. Das mit den gutriechenden Socken ist keine Hexerei, Hygienespüler gegen Bakterien: wirkt Wunder…

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