5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die Hitze macht uns platt – High Point State Park Headquarters nach Liberty Corners Rd (mi 1345,6)

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Wie gestern abgesprochen hat uns der Motelbesitzer morgens um halb neun am Trail abgesetzt. Schon da war klar, dass heute ein brüllend heißer Tag werden würde. Wenigstens hatte es über Nacht nicht geregnet, so dass die Felsen weniger schlüpfrig waren. Vielleicht lag es daran oder auch an der leichten Brise, die uns von Zeit zu Zeit streifte, zunächst ging es einigermaßen mit den Mücken. Das Deet half sicher auch. Wir waren gespannt, was dieser Independence Day für uns bringen würde – am liebsten wären wir alle am nächsten Badesee geblieben um dort den Rest des Tages zu verbringen. Diszipliniert wie wir sind, sind wir schwitzend weitergelaufen.

Trotzdem es nicht geregnet hatte war der Weg über weite Strecken widerlich schlammig und aus irgendwelchen Gründen waren die Laufstege immer zu kurz, so dass man davor und danach gezwungenermaßen im Matsch versank. Außerdem gab es wieder einige Felsen, fast schon wie in Pennsylvania. Ich war grantig und als die Mücken wiederkamen, wunderte ich mich darüber, warum die Leute über Pennsylvania soviel schimpfen und nicht über New Jersey, weil mir rückblickend Pennsylvania wie das reinste Paradies vorkam im Vergleich zu dieser mückenverseuchten, schlammig-felsigen Hölle.

Man sollte nicht zuviel fluchen, das bringt nur Pech. Kurz danach ging es steil über glitschigen Lehm hinunter zu einem Bach. Ich schaffte es gerade so mit Ausrutschen aber ohne Sturz. Dann hörte ich Frank hinter mir rutschen und schreien und drehte mich um, während er dabei war, auf seine vier Buchstaben zu fallen. Ich hätte halt doch auf ihn hören sollen und mich aus der Gefahrenzone raus bewegen sollen ohne mich umzudrehen. So aber bekam ich einen der Steine, die er mit seinen Füßen aufgewirbelt hatt,e ins Auge geschossen. Zum Glück war er nur klein, weniger als ein halber Zentimeter Durchmesser, und wahrscheinlich hat die Kontaktlinse das Gröbste abgefangen. Yooper und Big Red standen völlig verschreckt hinter uns und betrachteten den Schlamassel. Frank war auf die Hüfte gefallen, hatte aber nur eine leichte Schramme. Mein Auge machte zunächst mehr Sorgen und wir dachten schon, ich müsste mit Augenklappe zur nächsten Straße und von dort zum Arzt aber nach einer Reinigung der Kontaktlinse war alles wieder gut – Glück gehabt!

Nach diesem Schrecken ging es weiter. Und New Jersey zeigte sich von seiner liebenswerteren Seite. Wir durften sehr weit über Laufstege durch einen richtigen Sumpf laufen, nicht nur Matsch sondern mit Wasser und interessanten Pflanzen. Wir waren alle total begeistert und fühlten uns ein bisschen wie im botanischen Garten und ein bisschen wie auf einer Expedition im Dschungel.

Als wir danach an eine Straße kamen, merkte Yooper, dass ihr Wasser leer war. Ich guckte im Profil nach der nächsten Wasserquelle und sah, dass diese für so einen heißen Tag ganz schön weit weg war. Auf der Suche nach Alternativen fiel mir auf, dass wir in nur zwei Meilen beinahe durch Unionville durchlaufen würden, ganz nah an einer Taverne vorbei. Mein Vorschlag, dort zum Mittagessen einzukehren und bei dieser Gelegenheit das Wasser aufzufüllen stieß auf große Begeisterung. Die zwei Meilen verflogen schneller als gewöhnlich.

Das Mittagessen in der Taverne war nichts außergewöhnliches, ganz normale, gute Burger, aber wir fühlten uns großartig. Außerdem fiel uns auf, dass wir schon ein Stückchen auf dem Trail durch den Staat New York gelaufen waren – unser neunter Bundesstaat! Die endgültige Grenze zwischen New Jersey und New York werden wir aber erst übermorgen überschreiten, davor geht es wie bei North Carolina und Tennessee zwischen den beiden hin und her.

Beim Start aus der Taverne schlug uns brüllende Hitze entgegen. Das würde noch richtig anstrengend werden bis wir abends ankämen. Tapfer quälten wir uns alle vorwärts. Zu allem Überfluss führte der Weg dann über eine geteerte Straße – das war natürlich noch heißer und unangenehmer als im Wald. Frank rannte ziemlich schnell voraus aber ich hatte keine Lust, mich kaputt zu machen und lief in meinen eigenen Tempo weiter – immerhin lief ich, das war doch schon etwas und wir wollten am Ende des Tages ja zwanzig Meilen geschafft haben!

Nach ca. zwei Meilen sah ich am rechten Wegrand einen Schattenplatz unter einem Baum im Gras. Ich fühlte mich wie magisch davon angezogen, wollte aber standhaft weitergehen. Zu meiner Überraschung steuerte Frank auf den Schatten zu. Dort angekommen drehte er sich um und meinte, er könne nicht mehr, die Hitze sei zuviel, zwanzig Meilen wären heute nicht drin. Darauf schienen wir alle nur gewartet zu haben. Mit neu erwachtem Lebensmut machten wir munter Pläne und träumten davon, in einem Motel am See unterzukommen. Leider war wegen des Nationalfeiertags alles in der Art ausgebucht. Es gab nur noch einen Platz für uns im Appalachian Motel in Vernon, aber das war auch gut für uns. Wir beschlossen, noch zwei weitere Meilen zu laufen und uns dann am Trailhead an der Liberty Corner Road abholen zu lassen. Statt der geplanten zwanzig Meilen haben wir nur 13,6 geschafft. Wir schmeißen nun unsere Planung für die nächsten Tage um, weil mehr unter dem derzeitigen Bedingungen für uns echt nicht drin ist.

Der Ausblick vom Motel hier ist wunderschön und wir haben lecker Pizza zum Abendessen bekommen. Ich bin froh, dass wir nicht auf Biegen und Brechen versucht haben, die zwanzig Meilen zu schaffen. Leider gibt es hier kein Feuerwerk zur Feier des vierten Juli, aber wir hoffen, dass wir am Wochenende eines zu sehen bekommen.

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