5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Trail Magic und Baden gegen die Hitze – Wildcat Shelter nach Fingerboard Shelter (mi 1384,0)

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Wir hatten eine schreckliche Nacht. Es war viel zu heiß, die Mücken umkreisten ständig im Tieflug unser Innenzelt in der Hoffnung doch zuschlagen zu können und der arme Frank wurde wohl auch mehrfach gestochen, wenn er an der Zeltwand lag. Deswegen ließen wir spontan unseren Plan um fünf aufzustehen fallen und blieben bis kurz vor sechs liegen.

Viele andere brachen aber schon früher auf, um der großen Hitze zu entgehen. Schwierig, es waren schon morgens vor sechs 24 Grad draußen. Yooper und Big Red waren disziplinierter beim Aufstehen und deutlich früher als wir losgezogen. Also waren kämpften wir uns zunächst alleine durch. Wir waren gewarnt worden, dass der Weg heute nicht einfach sei und es war wieder recht viel Klettern dabei. An einer Stelle war der Weg so steil und hoch, dass wir beschlossen, unsere Stöcke mit dem Seil nachzuziehen. Wir waren gerade fertig, als wir von unten Stimmen hörten. Es waren Yooper und Big Red, sie waren an einer Stelle falsch abgebogen und jetzt hinter uns.

Wir ließen unser Seil gleich für ihre Stöcke hängen und wanderten glücklich gemeinsam mit den anderen beiden weiter. Es ist viel schöner und spaßiger zu mehreren unterwegs zu sein und macht harte Tage viel erträglicher.

Als wir den beiden von den Bärenspuren unten am Teich erzählten sagten sie, dass sie keine gesehen hätten. Die Bärenmama mit Kleinem muss also kurz vor uns dort entlang gegangen sein. Diese Pfotenabdrücke waren wirklich beeindruckend groß – ich betrachte Bären weiterhin lieber von weitem.

Die Hitze war wieder mal unerträglich und unser Wasserverbrauch hoch. Hier ist es recht schwierig, gutes Wasser zu finden, es ist oft eklig braun auch nach dem Filtern. Wir machen zwar immer Witze darüber, dass da bestimmt genau die Mineralien und Elektrolyte drin sind, die wir hier draußen dringend brauchen und sonst nicht genug kriegen, aber an sich finden wir das eklig und freuen uns über jede Gelegenheit, wenn wir gut aussehendes Wasser bekommen.

Kurz bevor wir unten an die Straße kamen konnten wir unseren Augen kaum trauen: ein Trail Angel hatte sich die Mühe gemacht und 34 Gallonen Wasser in den Wald geschleppt! Unglaublich! Auch wenn die Straße nur ca. 150 Meter weg war, war das wahrscheinlich ganz schön anstrengend die ganzen Kanister hierher zu schleppen. Vielen Dank dafür!

Unten an dem Parkplatz nach der Straße ging es weiter mit Trail Magic. Patio, der uns gestern Abend schon beim Shelter besucht und Bier und Eistee vorbeigebracht hatte, stand dort mit seinem Auto – sein Essen hatten die schnelleren Wanderer schon aufgefuttert, er hatte nur noch Getränke. Und da gerade Ann vorgefahren war, die zwei Stunden Anfahrt auf sich genommen hatte, um hitzegeplagte Hiker mit kühlen Getränken, Obst und Snacks zu versorgen, beschloss er, eine Straße weiter zu fahren um dort die anderen wiederzutreffen und Ann nicht die Show zu stehlen. Ann hatte sogar einen Kanister mit Brennspiritus mitgebracht, so dass wir hier unseren Vorrat auffüllen konnten. Das war echt super, weil wir vermutlich in den nächsten Städten Schwierigkeiten haben werden, welchen zu bekommen.

Nachdem wir die größte Hitze mit Rumgammeln im Schatten bei der Trail Magic überstanden hatten, ging es weiter. Wir hatten von Anfang an geplant, in dem See, der gleich neben dem Trail liegen sollte, zu baden. Patio hatte uns dann freundlicherweise noch eine gute Badestelle genannt, so dass wir nicht so weit laufen mussten. Es war großartig, das Wasser war zwar an der Oberfläche ganz schön warm und wenig erfrischend, aber in einem Meter Tiefe war es dafür wunderbar eisig kalt.

Solchermaßen erfrischt ging es ziemlich spät weiter in Richtung Shelter. Da wir unterwegs nochmal Wasser holen mussten – diesmal gab es leider wieder das köstliche bräunliche – wurde es richtig spät. Der Weg war auch nicht so offensichtlich wie die Leute, die für die Markierung zuständig sind, anscheinend dachten, sodass wir lieber alle nah beieinander blieben um wenn dann gemeinsam in die Irre zu laufen.

Bis wir am Shelter ankamen war es richtig dunkel. Für heute waren wieder mal Regen und Gewitter angesagt, deshalb waren wir froh, dass das Shelter leer war als wir ankamen. Auch wenn dieses Shelter hier echt widerlich ist – es riecht, als hätte jemand versucht, es als Privy zu benutzen – bleiben wir heute Nacht hier drinnen.

Kaum dass wir nämlich im Shelter waren, fing es an zu regnen. Es blitzte und donnerte genau in der Richtung, aus der wir kamen. Das hatten wir gerade noch rechtzeitig geschafft! Wir haben schnell unsere Innenzelte gegen die Moskitos aufgebaut und hoffen, dass niemand mehr kommt. Heute schlafen wir das letzte Mal in unserem Seedhouse SL2. Auch wenn wir darin nass geworden sind und ich mich auf unser neues Zelt freue, bin ich trotzdem ein bisschen traurig, es zurück zu schicken. Schließlich war es unser Zuhause in den letzten Monaten. Unter uns zeltet ein Summercamp – echt nette Leute, sie haben ihre Essensreste durch den Regen getragen um sie uns anzubieten.

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