5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wir bekämpfen die Hitze wie die Profis – Highway 4 nach Falls Village (mi 1488,0)

4 Kommentare

Heute sind wir auch wieder um kurz nach halb sieben vom Hotel aufgebrochen. Wir mussten erstmal 1,5 Meilen zurück zum Trail laufen. Gestern war mir die Strecke viel kürzer vorgekommen – wahrscheinlich, weil es überwiegend abwärts ging und ich unten mit Eis und Lemonade belohnt wurde.

Zurück am Trail kam gleich der Guinea Brook, ein kleiner Bach, der anscheinend nach Regen schwierig zu überqueren ist. Wir hatten ja fast gehofft, dass wir ihn durchwaten müssten, aber man kam ganz gut über die Steine. Danach arbeiteten wir uns langsam weiter vorwärts. Es sollte ziemlich unerträglich heiß werden heute und so fühlte es sich auch schon morgens an. Mit unserem langsamen Tempo war es aber gar nicht so schlimm. Wir hatten gestern von einem anderen Hiker Tipps für Wanderungen im Grand Canyon geschickt bekommen – das dürfte unseren derzeitigen Bedingungen recht nahe kommen – und versuchten nun, diese genau zu befolgen:

– viel trinken (alle Stunde 0,5-1 Liter Wasser bzw. Flüssigkeit mit Elektrolyten): wir haben Gatorade Pulver von Big Red bekommen und ansonsten viel Wasser getrunken

– alle Stunde mindestens zehn Minuten Pause und die Füße hochlegen: es war sicher ein Anblick für Götter wie wir ausgestreckt auf dem Parkplatz lagen mit den Beinen auf den Rucksäcken – die Autos fuhren extrem langsam an uns vorbei.

– jede Gelegenheit nutzen, um sich mit Wasser zu erfrischen: wir steckten unsere Füße und Hüte brav in die Bäche entlang des Weges

– der größten Hitze ausweichen: während der heißesten Stunden des Tages, von halb zwei bis vier hielten wir eine moskitosichere Siesta in unseren Innenzelten

– viele Kohlenhydrate essen, Proteine vermeiden, da sie schwer verdaulich sind: ich hatte gestern Abend schon fast meinen ganzen Käse aufgegessen, so dass ich heute Mittag nur noch Brot übrig hatte. Ansonsten habe ich den Rest des Tages eigentlich nur Gummibären gegessen, was anderes krieg ich mit der Hitze nicht runter.

– maximal so schnell gehen, dass man sich dabei noch gut unterhalten kann: wir waren fast den ganzen Tag zu viert unterwegs immer im Gespräch über alles mögliche – so sehen wir so schnell keine Bären mehr fürchte ich, aber es ist schön.

Wir hatten viel Spaß, all diesen Anweisungen zu folgen, vor allem, weil sie anscheinend echt hilfreich sind. Es ging uns heute viel besser mit der Hitze als sonst. Noch vor unserer Siesta hörten wir hinter uns Stimmen. Frank drehte sich um und glaubte, Monk zu erkennen. Aber das war nicht möglich, der müsste doch viel weiter hinter uns sein. Also gingen wir weiter, die würden uns eh schnell eingeholt haben und dann würden wir schon sehen, wer das war. Da hörten wir hinter uns „The Germans!“. Es war doch Monk! Zusammen mit Obi, Redknees und Biline! Was für eine Wiedersehensfreude! Seit Erwin hatten wir Monk nicht mehr gesehen und Obi und Redknees seit südlich von Damaskus nicht mehr! Wie schön, alte Bekannte wieder zu treffen. Wir tauschten Neuigkeiten aus über gemeinsame Bekannte. Die anderen wollten keine Siesta halten, ich hoffe, wir sehen sie die nächsten Tage wieder.

Nach der Siesta, in der wir alle wirklich geschlafen haben, mussten wir 0,4 Meilen laufen. Bei Meile 1482,7 waren es genau tausend Meilen seit unserem ersten Treffen mit Yooper und Big Red! Wie Yooper so schön sagt: “ Wir haben es schon weiter miteinander ausgehalten als so manche Paare hier auf dem Trail“. Ich bin froh und dankbar, dass wir mit ihnen wandern dürfen. Zu viert ist es noch schöner und inzwischen haben wir schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hier auf dem Trail erreicht wie es scheint. Letztens wurden wir als „die fantastischen vier“ begrüßt. Das hat uns echt gefreut, auch wenn Yooper und ich uns immer noch eher als „Chicken Flock“ sehen.

Danach mussten wir uns dann etwas beeilen. Goober hatte uns geschrieben, dass er heute hier sei und uns treffen könne. Er wartete im örtlichen Restaurant mit seiner Freundin auf uns und hatte auch schon Monk gesehen als wir ankamen. Dadurch, dass er nicht mehr wandert kann er alle nach und nach treffen, wenn sie in seiner Nähe vorbeikommen. Während wir wenn wir auf dem Trail sind in einer Distanz von wenigen Meilen voneinander doch schwer zueinander finden, kann er dorthin fahren, wo er Leute treffen möchte. Ich hab mich echt gefreut, ihn wiederzusehen!

Das Essen im Restaurant hier war außerordentlich lecker, ich hatte Wassermelonensalat und Lobster Mac’n Cheese, danach ein Sorbet – großartig! Jetzt zelten wir kostenlos hinter dem Toymaker Café. Wir dürfen hier sogar unsere Handys aufladen und haben Trinkwasser. Heute Nacht soll es nicht regnen, ich seh die Sterne über unserem Zelt und bin glücklich.

4 Kommentare zu “Wir bekämpfen die Hitze wie die Profis – Highway 4 nach Falls Village (mi 1488,0)

  1. Gestern am Abend ich wollte ins Bett, schautte noch kurz in die Mails. Juhuu zwei Mails von Euch Hikers. Musste diese gleich lesen … Heute Morgen um halb 4 im Büro 15 Mails von Euch. Einfach groosartig In der Pause musste ich mir alle Buchstaben von Euch einsaugen …wo seit Ihr? was habt Ihr seit letztes mal erlebt ? Immer noch so heiss? und dann Franks Erzählungen und Veronikas Humor einfach super…
    Ich lerne von Euren Berichten kann mir Tips aufschreieben und bin wie immer schon wieder gespannt auf Eure weiteren Erlebnisse.
    Danke und grüsst die Beiden Yooper und Big Red von mir
    Haltet durch alle 4… drück Euch fest die Daumen.

    Michu us der Schwiz
    stuengu@hotmail.de

  2. Hoffe es geht Euch allen gut!
    Bitte um lebenszeichen.

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