5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Auf nach Massachusetts! – Brassie Brook Shelter nach Highway 7, Great Barrington (mi 1517,7)

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So früh wie heute sind wir noch nie auf dem Trail unterwegs gewesen. Als um fünf der Wecker klingelte sind wir ausnahmsweise tatsächlich sofort aktiv geworden und haben unsere Sachen zusammengepackt.

Inzwischen haben sich unsere Körper schon so sehr auf die Affenhitze eingestellt, dass wir morgens bei 23 Grad erstmal Gänsehaut hatten. Das war aber nicht lange so, schon gegen sieben fing es an, wärmer zu werden. Wir konnten immerhin noch kurz von der morgendlichen Frische profitieren, weil wir schon vor sieben unterwegs waren. Der Nachteil, wenn man so früh unterwegs ist ist allerdings, dass der Trail voller Spinnweben ist. Bis wir von zwei Mädels überholt wurden bin ich mit den Stöcken in der Luft vor mir rudernd gelaufen, um die Netze nicht alle im Gesicht hängen zu haben.

Aufgrund der früh einsetzenden Hitze hatte ich so meine Zweifel, ob das gestern richtig gewesen war, mich gegen die Nachtwanderung zu entscheiden. Wie auch immer wir es jetzt drehen würden, wir würden den dritten und steilsten der Anstiege, Mount Everett, heute wohl in der Mittagshitze bezwingen müssen. Dann jedoch kamen wir an den Abstieg. Er war echt steil und mit einigen Kletterpassagen. Wir alle waren froh, dass wir das jetzt im Tageslicht runter kraxeln konnten und nicht heute Nacht im doch relativ schwachen Licht unserer Stirnlampen dort unseren Weg finden mussten.

Außerdem hätten wir wahrscheinlich das Stachelschwein nicht gesehen. Wir müssen es aufgeschreckt haben und es kletterte links von uns einen Baum hoch. Es hatte fast was von einem Koala, wie es sich da an den Baum klammerte und wir alle rätselten eine Weile bis wir uns auf Stachelschwein einigten. Hermes, einer vom diesem extrem schnellen Hikern, gab dann den Ausschlag zu Stachelschwein. Er ist ein echt netter Kerl, macht seine irren Meilen mit Leichtigkeit und Freude. Schade, dass er wohl schon morgen in unerreichbare Ferne Rasen wird.

Aufgrund der Hitze tranken wir sehr viel und mussten vor Mount Everett nochmal Wasser holen. Die einzige Wasserstelle, die in unserem Profil eingezeichnet war, war an einer Campsite, die 0,3 Meilen vom Trail weg war. Wir bissen also in den sauren Apfel und gingen dorthin. Es ging ziemlich steil runter zum Wasser und dementsprechend steil wieder zurück zum Trail. Der ganze Spaß kostete uns vierzig Minuten. Kaum zurück auf dem Trail war nicht mal 0,1 Meile nach der Abzweigung zur Campsite ein netter nicht mal kleiner Bach mit schönem, klaren Wasser mitten auf dem Trail! Ärgern hilft nicht, es ging auf eins zu und wir waren immer noch nicht im Anstieg zu Mount Everett.

Dann ging es endlich hoch. Es war ein wirklich steiler Trail, falls man das noch so nennen kann, über mehr oder weniger wackelnde Felsen in der prallen Sonne nach oben. Es war pure Quälerei, aber wenigstens hatten wir genug Wasser. Als wir endlich oben waren, hatten wir keine Lust, uns nach einem Ausblick oder so umzusehen. Das einzige, was uns interessierte, war ein Schattenplatz, um wieder etwas abzukühlen.

Danach ging es weiter den Berg hinunter. Dort trafen wir alle anderen an einem Picknickplatz wieder. Ein freundlicher Mensch hatte dort Unmengen an eisgekühltem Wasser deponiert – die beste Trail Magic bei dieser Hitze!

Heute konnten wir die Mittagspause nicht ganz so sehr ausdehnen wie die letzten Tage. Yooper hatte jemanden gefunden, der uns vom Trail in die Stadt fahren würde und wir wollten ihn jetzt nicht ewig spät wegen uns rumfahren lassen. Der Abstieg war etwas anstrengend und wir kamen nicht so schnell voran wie wir gehofft hatten. Dafür schafften wir dann die letzten viereinhalb Meilen in weniger als zwei Stunden. Das lag sicher auch an den Mückenschwärmen, die uns umschwirrten – schrecklich! Man hatte uns gewarnt, dass Massachusetts von den Mücken her das schlimmste werden würde. Bisher war es aber noch nicht schlimmer als New Jersey, mal sehen, was noch kommt.

Unten an der Straße nach Great Barrington angekommen wurden wir zum Glück schnell von unserem Shuttle abgeholt. Was für ein außergewöhnliches Glück wir hatten, er hatte das irgendwann in 2008 mal auf whiteblaze.com geschrieben, dass er in der Gegend shuttlen könne. Danach hatte er das vergessen und wohnt inzwischen gar nicht mehr hier, war nur zufällig bei seinen Eltern zu Besuch. Vielen Dank an diesen Trail Angel!

Das Motel ist wieder sehr schön und voller Hiker. Das wird schwer, morgen wieder rauszugehen.

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