5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Auf ins Paradies! Governor Clement Shelter nach Kent Pond, Mountain Meadows Lodge (mi 1701,5)

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14,5 Meilen sind immer noch nicht zu unterschätzen. Aber wir dachten uns, wir machen das mit links, nachdem wir die letzten beiden Tage ja jeweils so um die zwanzig Meilen gelaufen waren.

Also schliefen wir erstmal schön bis sieben, packten ohne große Hektik unsere Siebensachen und machten uns gemütlich gegen viertel vor neun auf den Weg. Der Anstieg zu Mount Killington war zwar ganz schön lang und es ging ganz schön weit hoch aber es war nicht zu steil. Dafür war der Weg von Wurzeln überwuchert und auch sonst nicht ganz so einfach – an einigen Stellen ging es steil bergab neben uns und der Pfad war schmal und bröselig in Richtung Rand. Wir kamen also nicht ganz so schnell voran wie wir uns eingebildet hatten, dass wir könnten.

Um viertel nach elf waren wir dann am Cooper Lodge Shelter, später als erwartet aber immer noch zu einer akzeptablen Zeit. Yooper und Big Red waren schon da und wollten unbedingt auf den Gipfel von Mount Killington um dort mit der Gondel zu fahren, weil Yooper noch nie mit einer Gondel gefahren ist. Ich hatte nur gehört, dass die 0,2 Meilen dort hoch übelst steil sein sollten und hatte überhaupt keine Lust darauf – vor allem weil ich ja anschließend denselben Weg nach unten nehmen müsste, um anschließend noch die verbleibenden mehr als zehn Meilen nach Killington zu gehen. Frank wollte aber auch mit hoch und er hatte die schlaue Idee, dass wir unsere Rucksäcke mit der Gondel nach unten bringen und dort lassen könnten, so dass wir die letzten zehn Meilen slackpacken könnten. Das Argument überzeugte mich und so kraxelten wir alle dort hoch.

Diese 0,2 Meilen waren mit die härtesten, die wir bisher auf dem Trail hatten, es war fiese Kletterei. Allerdings war die Aussicht von dort oben einfach atemberaubend – wahrscheinlich eine der schönsten bisher. Das einzig ärgerliche war, dass die Gondel geschlossen war. Also hieß es mit vollem Gepäck wieder runter und dann weiter. Die anderen waren tiefenentspannt aber ich wollte gerne so früh wie möglich bei der Mountain Meadows Lodge ankommen – ich hatte mich schließlich schon sooooo lange darauf gefreut. Während Yooper und Big Red also noch oben blieben fingen Frank und ich mit dem Abstieg an. Der war natürlich noch viel fieser als der Aufstieg – abwärts ist immer etwas wackliger als aufwärts. Für die 0,2 Meilen brauchten wir eine gute halbe Stunde. Ich hoffe, das war kein Vorgeschmack auf die Whites, ansonsten wird das wohl eher weniger spaßig für mich.

Unten zurück beim Shelter brauchten wir erst eine Riegelpause, bevor wir endlich gegen viertel vor eins die letzten Meilen in Angriff nehmen konnten. Inklusive Mittagspause schafften wir es diese bis um halb sieben hinter uns zu bringen. Endlich waren wir bei der Mountain Meadows Lodge! Direkt am Kent Pond gelegen, mit eigenem Steg dort, Hot Tubs, Sauna, Swimmingpool und unzähligen Freizeitangeboten für 70$ die Nacht im Doppelzimmer, inklusive Frühstück, ist dieser Ort das reinste Paradies. Zudem verläuft der Trail genau über das Gelände, so dass wir noch nicht mal darüber nachdenken mussten, wie wir dorthin kommen. Weil wir frühzeitig reserviert hatten haben wir sogar zwei nebeneinander liegende Zimmer mit Blick auf den See bekommen.

Und weil wir allen davon vorgeschwärmt hatten, waren außer uns noch jede Menge anderer Hiker mit von der Partie: M80, Trooper, Magic Scout, Giggles, Silent, Shweasle und Lil‘ Bit. Man bekommt in der Lodge sogar Abendessen und auch Mittagessen für zehn Dollar, aber nur wenn man früh genug bestellt. Also hieß es für uns heute ab in die Stadt! Auf der Karte sah das gar nicht so weit aus zu den nächsten Restaurants, wir neun (M80 und Trooper aßen lieber ihr Camp-Essen) machten uns also fröhlich auf den Weg.

Unterwegs stellten wir dann fest, dass es doch ziemlich weit war. Und trampen war ziemlich unmöglich, welches Auto kann schon neun Leute zusätzlich mitnehmen? Zum Glück haben die Amis riesige Autos und sind ein ungemein freundliches Völkchen. Wir waren noch nicht lange neben der Straße unterwegs, da hielt zu unserer Überraschung einer von diesen überdimensionalen Pickups neben uns und schlug uns vor, uns die Hälfte der Strecke hinten drin mitzunehmen, weil er danach abbiegen müsste. Auf halber Strecke überlegte er es sich anders und fuhr uns bis zum Restaurant. Er war völlig begeistert, wie viele Leute er in seinem Auto hatte und bat uns darum, ein Foto davon auf seinen Facebook-Account Posten zu dürfen. Natürlich gönnten wir ihm den Spaß, wir waren schließlich echt dankbar dafür, dass er uns mitgenommen hatte.

Das Restaurant war großartig, das Essen allerdings auch dementsprechend teuer. Das schöne war, dass es allen egal war. Wir waren alle in einer großartigen Stimmung, weil die Lodge sich tatsächlich als so großartig wie erhofft herausgestellt hatte. Alle außer Lil‘ Bit beschlossen spontan so wie wir hier einen Zero einzulegen. Unsere Kellnerin war auch echt fit, nicht nur, dass sie vom ersten Moment an allen immer genau das brachte, was sie bestellt hatten (keine Ahnung, wie sie sich das alles merken konnte), als wir am Ende kein Taxi finden konnten, das uns hätte mitnehmen können, nahm sie das selbst in die Hand und fuhr uns in zwei Ladungen zurück zur Lodge. Yooper meinte, Vermont sei möglicherweise einer von diesen Staaten in den USA, in denen die Gastwirte verpflichtet sind, Gäste, die getrunken haben, nach Hause zu bringen.

Zurück im Zimmer ging ich raus auf den Balkon, unsere alten Schuhe reinholen. Die hatten wir wegen des üblen Geruchs nach draußen verbannt aber da Regen für morgen angesagt ist, wollte ich sie dann doch lieber drinnen haben. Der Sternenhimmel war überwältigend schön. Normalerweise schlafen wir um diese Zeit schon längst, deswegen kriegen wir das da draußen nie zu sehen. Ich hoffe, morgen wird so schön wie dieser Abend heute hoffen lässt!

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