5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Endlich wieder Berge – Moose Mountain Shelter nach Hexacuba Shelter (mi 1772,4)

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Die Nacht war ziemlich kalt, morgens waren es weniger als fünfzehn Grad im Zelt, aber wohl trockener als die letzten Nächte, wir hatten keinerlei Kondensationswasser am Zelt. Es war schön, alle wieder in ihren Daunenpullovern zu sehen – das erinnert mich an den Anfang.

Heute morgen wagte ich mich dann doch auf die Privy. Big Reds Erzählung von einer offenen Privy hatte mich abgeschreckt, ich hatte da schon einige ziemlich eklige hier gesehen. Diese hier jedoch hatte wirklich die Bezeichnung „Thron“ verdient. Umrahmt von vier dicken Baumstämmen auf denen ein majestätisches Dach ruhte war sie wirklich etwas besonderes und Big Reds Begeisterung dafür war verständlich.

Das Terrain hier ist inzwischen deutlich bergiger und wir müssen meist mehrere steilere Anstiege pro Tag meistern. Dafür werden wir jetzt endlich wieder mit meist atemberaubenden Ausblicken belohnt, wie heute zum Beispiel von Holts Ledge runter. Dort trafen Yooper und Big Red auf einen überaus glücklichen Southbounder, der ihnen was von kostenlosem Eis an der Straße unten erzählte. Wir beschlossen unsere nächste Pause noch etwas nach hinten zu verschieben, um mehr Zeit für das Eis zu haben.

Unten angekommen wurden wir von einem liebevoll gestalteten Schild zu Bill Ackerlys Haus gelotst. Er ist auf dem Trail als „The Icecream Man“ bekannt. Jeder Hiker bekommt ein Eis, kann Softdrinks für 50 Cent kaufen, es gibt kostenloses W-Lan und wenn Bill da ist, wird man zu einer Runde Krocket herausgefordert. Als wir ankamen war Bill nicht da, aber er hatte dafür gesorgt, dass genug Eis für Wanderer frei zugänglich war. Wir verbrachten fast eine Stunde auf seiner Terrasse mit Eis, Internet und vor allem seinem Logbuch. Es scheint mir das vollständigste von allen zu sein, die mir bisher begegnet sind – ich hab noch nie so viele Namen an einem einzigen Tag gelesen!

Wie immer wollten wir erst nach mindestens der Hälfte der Strecke Mittagspause machen – das wäre dann Lamberts Ridge, mit angekündigtem Ausblick – und es war absehbar, dass es nach der langen Eispause ziemlich spät werden würde. Wir kamen früher als erwartet an einem Ausblick an und stoppten dort. Es war wirklich wunderschön und wir fühlten uns als echt starke Hiker, dass wir so schnell dort oben angekommen waren. Frisch gestärkt ging es weiter. Einige Zeit nach der Mittagspause kam der nächste Ausblick. Da dämmerte uns, dass das erst Lamberts Ridge war. Was für eine unschöne Erkenntnis! Wir waren viel langsamer als gedacht und hatten gleich einen Monsteranstieg zu Smarts Mountain vor uns!

Dieser Anstieg sah ungefähr so dramatisch aus, wie das Profil es vermuten ließ. An einer Stelle waren sogar eiserne Krampen in die Wand geschlagen an denen wir hochkraxeln durften. Dafür wurden wir oben wieder mit einer großartigen Aussicht vom Feuerturm aus belohnt. Diesmal kam sogar Frank mit hoch, merkte allerdings schnell, dass das doch nichts für ihn war und kehrte wieder um. Ich blieb dann auch nicht mehr lange, ich musste ja gucken, wie es ihm geht nachdem er in Panik und Windeseile nach unten geflüchtet war.

Dort oben trafen wir Green Bean, eine von diesen extrem schnellen Wandererinnen, wieder. Sie ist am 6. Mai auf Springer gestartet, musste zwei Wichen aussetzen wegen Borreliose und macht jetzt nur noch „kurze“ Tage mit etwas mehr als zwanzig Meilen. Sie freute sich, uns wiederzusehen und schloss sich uns für die letzten fünf Meilen zum Shelter an. Wir ließen sie vorauslaufen, damit sie uns leichter zurücklassen könnte falls wir ihr doch zu langsam waren.

An einer dieser fies schlammigen Stellen versank als sie auf einen Laufsteg trat , diese Ecke so tief, dass ihr Fuß im Schlammwasser war. Entsetzt versuchte sie, auf das Gras rechts vom Pfad zu springen und versank mit dem rechten Bein bis über das Knie hinaus im Schlamm. Was für ein Schreck! Als sie hektisch versuchte, sich mit einem Stecken abzustützen während ich versuchte, sie an der anderen Hand herauszuziehen, versenkte sie auch noch fast den Stecken. Es gelang ihr schließlich, sich an einem Baum neben ihr hochzuziehen, ohne dabei den Schuh in dem alles verschlingenden Schlamm zu verlieren. Danach konnte sie auch noch ihren Stecken retten und war unendlich dankbar und froh, dass wir bei ihr gewesen waren, als sie im Sumpf steckte. Wir waren alle froh, dass wir nicht bis übers Knie hinaus im Schlamm gesteckt hatten.

Trotz der ganzen Aufregung kamen wir dank Green Beans großartigem Tempo richtig schnell voran und schafften die knapp fünf Meilen bis zu dem Bach, an dem wir vier campen wollten, in unter zwei Stunden. Green Bean forderte uns mehrfach dazu auf, nicht scheu zu sein und es ihr ruhig zu sagen, falls sie zu langsam sie. Aber mir gefiel ihr Tempo sehr gut und den andern dreien fehlte nach eigener Aussage die Puste, um sich darüber zu beschweren.

Am Brook angekommen, sah das nicht nach vielen guten Campspots für uns aus – vermutlich hatte der Southbounder diesen und den Bach ein Stückchen vorher verwechselt. Also kümmerten Yooper und ich uns ums Wasser während Runner Up und Big Red Ausschau nach Stellen hielten, an denen wir unsere Zelte aufstellen könnten. Big Red war fest entschlossen, dort zu bleiben und wurde dementsprechend fündig. Frank kam unverrichteter Dinge zurück, ihm gefiel Big Reds Spot überhaupt nicht und sonst war auch nichts da. Nach einem Blick auf Big Reds Zeltplatz, auf dem ein Felsen in Große eines Kopfes herausragte, war auch ich der Ansicht, dass wir lieber noch die 0,4 Meilen hoch zum Shelter gehen und den 0,3 Meilen langen Anstieg dorthin auf uns nehmen sollten. Die anderen beschlossen zu bleiben, also schlafen wir heute Nacht getrennt.

Am Shelter wurden wir freudig von Green Bean begrüßt. Schade, dass wir sie nach morgen früh wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen werden. Ansonsten sind noch vier Southbounder da, die die zwei Plätze für Zelte besetzt haben. Umso besser für uns, der eine Zeltplatz ist direkt neben der Privy und sieht fast genauso eben aus wie der von Big Red. Wir hingegen konnten jetzt einfach unser Zelt in diesem riesigen, sechseckigen Shelter aufstellen. Hier wäre leicht noch Platz für die anderen beiden gewesen. Die Southbounder hier sind übrigens auch zwei Pärchen, die so wie wir jetzt zu viert unterwegs sind.

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