5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Doppel-Zero in Glencliff

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Es sollte nicht sein, dass wir heute wieder raus dürfen. Gegen halb fünf wurde ich wach, weil es anfing zu regnen. Spätestens um fünf als ein heftiger Donner die Umgebung erschütterte waren alle Hiker wach. Runner Up, Yooper Apollo und ich nutzten die Gelegenheit, um einen Blick auf den Regenradar zu werfen. Eine dicke Wolkenwand zog über uns hinweg und wie es aussah, sollte den ganzen Tag keine Besserung eintreten.

Wir standen trotzdem alle um halb sieben auf, da war ja noch die Sache mit dem Slackpack über Moosilauke, den wir arrangiert hatten. Für die meisten stand fest, dass sie bei diesem Wetter nicht den steilen Abstieg Moosilauke hinunter machen wollten – viel zu gefährlich, schon bei trockenem Wetter ist dieser Abstieg eine Herausforderung und gilt als eine der schwierigsten Strecken in den Whites, vor allem über so eine lange Distanz. Pfeiffer und Handstand wollten trotzdem unbedingt raus, Pfeiffer überlegte sogar, ob sie überhaupt ihre Regensachen mitnehmen sollte. Apollo ging auch mit, wahrscheinlich um auf die anderen beiden aufzupassen. Uns kam das ganze ziemlich leichtsinnig vor, vor allem als Slackpack, da sie so ja keinerlei Ausrüstung mit sich hatten, um im Zweifelsfall doch im Shelter oder anderswo entlang des Weges Unterschlupf zu suchen und die Nacht dort verbringen zu können.

Die meisten anderen beschlossen auch, einen Zero einzulegen, ein paar andere nahmen wenigstens ihren kompletten Rucksack mit. Da es bis in den späten Nachmittag hinein ununterbrochen in Strömen regnete, verbrachten wir den ganzen Tag mit Essen und einem Schrottmarathon durch die jüngere Filmgeschichte. Währenddessen trudelten unentwegt klatschnasse und frierende Hiker ein, die ausnahmslos alle irgendwo untergebracht wurden. Nachdem sämtliche Betten und der Boden in beiden Bunkrooms belegt waren, wurden Plätze im Aufenthaltsraum verteilt. Alle waren unendlich dankbar, dass sie dem Regen entkommen konnten und die Atmosphäre war echt gut. Die einzigen, die vom Regen völlig unbeeindruckt blieben, waren die Kolibris, die auch bei heftigstem Regen ununterbrochen fleißig zu den Futterstellen schwirrten.

Wie jeden Abend hier gab es wieder einen Shuttle nach Warren. Bergham, der Legion als Caretaker ersetzt bis Miss Janet da ist, rief bei der Gelegenheit bei Chat an, um herauszufinden, wie es unseren Slackpackern ergangen ist. Wir erhielten die Auskunft, dass sie es wohl alle geschafft haben müssten, da keiner ihrer Rucksäcke mehr da sei.

Bergham konnte nur vier Leute zum Einkaufen mitnehmen. Das war aber nicht so schlimm, da vom benachbarten Campground tagsüber die unangebrochenen Vorräte von einem Jugendcamp rübergebracht worden waren und er daraufhin beschlossen hatte, dass wir alle daraus Essen bekommen könnten. Angesichts der Unmengen von gefrorenen Fleischbällchen entschied er, dass es Nudeln mit Tomatensoße und Fleischbällchen geben sollte.

Er besorgte aus eigener Tasche Nudeln und Tomaten – soviele der Laden hergab. Yooper und ich erklärten uns bereit, das Kochen zu übernehmen. Mit weiteren Resten aus dem Jugendcamp und Sachen aus der Küche gelang es uns schließlich folgendes Menü zu zaubern: Nudeln mit Meatballs und Champignon-Tomatensauce, dazu geröstetes Brot mit Knoblauchbutter. Yooper und ich waren glücklich, dass wir kochen konnten, weil wir uns so nicht völlig nutzlos vorkamen an diesem bis dahin faulen Zero und von den anderen hat sich auch keiner über das Essen beschwert. Violet und Codewalker und ein paar Southbounder kamen sogar nochmal extra an, um sich zu bedanken. Und beim Essen fiel Runner Up auch noch der perfekte Trailname für Bergham ein: er heißt jetzt Moosecall, weil er die letzten beiden Tage ständig mit seinem selbstgebastelten „Moosecall“-Instrument rumgespielt und alle anderen damit angesteckt hat. Insgesamt war das heute wirklich einer unserer schönsten Zeros hier.

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