5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ein Wahnsinns-Slack durch die Whites – Kinsman Notch nach Frankonia Notch (mi 1812,8)

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Heute stand unser großer Slack durch die Whites an – 16,4 Meilen über Kinsman Mountain. Fast diszipliniert waren wir alle um kurz nach sechs auf den Beinen um so schnell wie möglich loszukommen. Naja, ganz so schnell waren wir dann leider nicht, es wurde halb acht bis wir im Shuttle saßen. Um acht waren wir auf dem Trail und sehr gespannt, wie es uns ergehen würde – sechzehn Meilen durch die Whites sind eine ganz schöne Ansage!

Der erste Anstieg war anstrengend aber nicht unbedingt schwieriger als das, was wir bisher so hatten. An einem der Seitenpfade warnte uns plötzlich ein Mann, dass sich dort hundert Meter weiter ein Elch befände. Wir verließen also kurz unseren Trail und schlichen so geräuschlos wie möglich Richtung Elch. Yooper ging voraus und hielt eifrig Ausschau, plötzlich blieb sie stehen und deutete nach rechts ins Gebüsch. Keine Ahnung, wie sie das gemacht hat – selbst mit genauer Richtungsangabe sahen wir anderen alle erstmal nichts. Bis es dem Elch zu bunt wurde und er beschloss, sich von dannen zu machen. Ich sah Kopf und Körper, Frank bekam wohl nur das Hinterteil zu Gesicht. Big Red hätte es fast noch geschafft, ein Foto zu schießen, dann war der Elch außer Sichtweite. Wahrscheinlich war es ein Jungtier, da er ziemlich dunkel gefärbt war. Als wir zurück zum AT kamen, fiel uns auf, dass er genau auf die Richtung zulief, in der der Elch verschwunden war. Wir hofften auf eine zweite Chance, sahen aber nichts mehr.

Beim Eliza Brook Shelter machten wir dann Mittagspause, etwas bevor wir die Hälfte des Tagespensums hinter uns gebracht hatten. Danach kam dann der harte Teil des Tages. Zuerst ging es richtig steil und mit Klettern hoch auf Kinsman und dann genauso fies steil wieder runter. Allerdings war es wunderbar, das alles mit nur kleinem Rucksack machen zu können. Vor allem hoch zu fühlte ich mich das erste Mal beim Klettern so richtig sicher und wohl – es war großartig! Oben hatten wir eine wunderbare Aussicht, wir konnten die Franconia Ridge sehen, von der Frank schon lange geträumt hatte. Die steht uns dann morgen bevor, zum Glück ist gutes Wetter angesagt. Es geht dort oben zwei Meilen oberhalb der Baumlinie mit mach rechts und links steil abfallendem Berg entlang, das wird sicher toll.

Zunächst hatten wir aber erstmal den steil abfallenden Abstieg von Kinsman vor uns und der Mächte und ganz schön langsam. Bis wir bei der Lonesome Lake Hut ankamen, war es schon ziemlich spät, viel später als erwartet. Das ärgerte uns umso mehr als wir wussten, dass die anderen gestern hier waren, als das Abendessen gekocht wurde und wir kamen heute ungefähr zu der Zeit an, als die anderen gestern zurück in Lincoln waren, also gegen halb sieben. Es lag noch ein gutes Stück Weg vor uns mit zwei Bächen, wobei der eine wohl etwas schwer trockenen Fußes zu durchqueren war.

Der Ausblick von der Lonesome Lake Hut war für mich mit das schönste, was ich bisher auf diesem Trail gesehen habe. Wir waren genau zum perfekten Zeitpunkt dort als das Licht der sich schon stark senkenden Sonne über dem See die Franconia Ridge in goldenem Glanz schimmern ließ. Von diesem Anblick noch ganz verzaubert wurden wir schnell zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Wir waren dem Trail um den See gefolgt und Violet und Codewalker hatten uns zwar ganz begeistert auf den Elch dort hingewiesen aber nicht daran gedacht, dass wir eigentlich nur auf dem schnellsten Weg runter zur Straße wollten und uns verschwiegen, dass wir nicht mehr auf dem AT waren. Als Frank eine blaue Markierung sah, dämmerte uns, dass wir dem falschen Pfad folgten. Ohne den Elch, der inzwischen schon längst verschwunden war, gesehen zu haben, drehten wir um und nahmen diesmal an der Abzweigung den anderen, richtigen, Trail.

Dort durfte ich dann rasen um uns alle so schnell wie möglich nach unten zur Straße zu bringen. Mit einem Schnitt von fast drei Meilen pro Stunde kamen wir schnell an dem Bach an, der den Ruf hatte, etwas schwierig trockenen Fußes zu durchqueren zu sein. Wir sahen die Stelle am Cascade Brook, an der die anderen gestern wohl über eine tiefe Stelle gesprungen waren. Das war uns allen zu mulmig, der Stein auf der anderen Seite sah dafür zu rutschig aus. Zum Glück fand Yooper einen Weg über die Steine, so dass wir nicht unsere Schuhe ausziehen mussten.

Als wir beim nächsten Bach ankamen, war es schon ziemlich dunkel und wir konnten nicht gleich auf Anhieb erkennen, wo der Weg entlangführen sollte. Bloß gut, dass die anderen nicht recht gehabt hatten mit ihrer Aussage, dass der Weg nicht markiert sei. Von der anderen Seite leuchtete uns freundlich ein weißer Streifen entgegen und wies uns den Weg durch den Bach. Wir alle waren nicht so sehr begeistert über unsere unfreiwillige Nachtwanderung und blieben eng zusammen, um einander nicht zu verlieren.

Umso krasser kam es uns vor, als wir unten an der Fahrradstraße zum Parkplatz einem Mann begegneten, der ohne jegliche Ausrüstung und vor allem ohne Lampe, den Trail nach seinen Freunden absuchen wollte. Er ließ sich aber nicht davon abbringen, also gingen wir weiter Richtung Parkplatz, wo wir uns von einem Shuttle abholen ließen. Danach sind wir nur noch schnell zu McDonalds gefahren um dann nach Hause zu laufen und jetzt ins Bett zu fallen. Mit einer Startzeit von halb neun Uhr morgens und einer Ankunftszeit von viertel vor neun abends haben wir fast zwölf Stunden für 16 Meilen gebraucht und das, obwohl wir geslackpackt haben. Das kann ja heiter werden morgen mit unserem vollen Rucksack!

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