5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Unsere erste Hütte in den Whites – Garfield Ridge Shelter nach Galehead Hut (mi 1825,8)

Ein Kommentar

Für heute war Regen angesagt aber als wir morgens aufwachten war sogar ein bisschen blauer Himmel über uns. Wir waren also erstmal guten Mutes und hofften, dass wir es vielleicht doch trocken bis zum Tagesziel, der Zealand Hut, schaffen könnten. Oder zumindest über den Berg davor, da der erste Regen für zwölf Uhr mittags südlich von uns angesagt war und erst später bei uns sein würde.

Kurz bevor wir aufbrachen tauchte doch noch der Caretaker für die Garfield Campsite auf und knöpfte uns 8,-$ pro Nase ab, dann ging es los. Das erste Stück des Weges war ziemlich steil und brachte einige Kletterpassagen mit sich, wir waren also froh, dass die Felsen einigermaßen trocken waren – abgesehen von den Passagen, in denen der Trail eher ein Bach war.

Irgendwann auf dem etwas flacheren Stück danach blieb Yooper plötzlich stehen. Sie hatte ein paar Regentropfen abbekommen und wollte zur Sicherheit ihre Regenhülle über den Rucksack machen. Das erschien uns allen vernünftig und wir folgten ihrem Beispiel. Noch bevor wir die Hüllen über den Rucksäcken hatten, wurde der Regen stärker und wir zogen auch unsere Regenjacken an. Von da an hörte der Regen auch nicht mehr auf, es regnete nur mal stärker und mal weniger stark und es fühlte sich widerlich kalt an.

Wir beeilten uns umso mehr, um zur Hütte zu kommen. Unsere Hoffnung war, dass wir dort ein trockenes Plätzchen finden könnten und nicht im Regen weiterlaufen müssten. Als wir bei der Hütte ankamen saßen dort schon lauter andere bekannte Gesichter, alle Thru-Hiker hatten die gleiche Idee gehabt. Eigentlich wollte keiner von uns mehr weitergehen. Wir alle waren nass und saßen bibbernd dort im Trockenen. M80 war gerade dabei, die letzten beiden Bunk-Betten zu erkaufen, alle anderen machten ratlose Gesichter. Gleich nach der Hütte sollte der Weg uns über den Berg führen – bei den Bedingungen da draußen kein Spaß!

Die Hütten-Crew war wenig hilfreich, sie haben hier seltsame Regeln, nach denen Wanderer, die zu früh am Tag bei schlechtem Wetter aufschlagen rausgejagt werden, um genug Platz für durchnässte Wanderer zu haben, die später am Tag reinkommen. Es gab keine Möglichkeit, sie davon zu überzeugen uns einen Platz irgendwo auf dem Boden zu geben – wir hätten auch dafür bezahlt. Stattdessen erzählten sie uns von mehr oder weniger versteckten Campsites am Weg in der Nähe der Hütte, zurück in der Richtung aus der wir gekommen waren oder auf der anderen Seite des Berges. Die anderen wollten gleich unsere Zelte auf einen dieser Plätze stellen, aus Angst, dass sie danach besetzt wären. Mir kam die Idee grausig vor, ewig weit zurück zu laufen, dabei selbst nass zu werden, unsere Zelte nass zu machen und dann mit nassen Klamotten dort schlafen zu müssen. Diese Leute in der Hütte kamen mir sehr ahnungslos vor, wie sie sich darüber wunderten, warum wir alle ins Trockene geflüchtet waren und uns wieder rausschickten in gutem Glauben, dass sie uns damit einen Gefallen täten. Wir waren alle sehr verzweifelt und den Tränen nahe.

Obwohl ich den Plan mit den Zelten doof fand, kam ich mit. Schon die erste „versteckte“ Campsite war ewig weit weg. Sie war mistig, viel zu klein und mit lauter Wurzeln. Also gingen wir weiter zur nächsten. Auf dem Weg dorthin rutschte ich auf einem Felsen leicht aus und da kam mir der Gedanke, wie bescheuert das doch eigentlich war, hier so weit rumzurennen, noch dazu zurück, nur um draußen zu schlafen und trotzdem nass zu werden. Da würde ich lieber weiterlaufen zum nächsten Shelter und wenigstens noch ein paar Meilen machen! Als ich das Frank so sagte, leuchtete ihm das auch sofort ein und auch die anderen beiden waren dabei. Wir beschlossen also, zur Hütte zurück zu gehen und abzuwarten, ob noch Ressrvierungen gecancelt würden. Falls nicht wollten wir zum nächsten Shelter gehen.

Zum Glück wurden drei Reservierungen gecancelt, so dass Lentil ein Bett haben konnte und wir vier anderen konnten den Hüttenchef davon überzeugen, dass wir uns jeweils zu zweit ein Bett teilen konnten. Die Mädels aus der Küche, die sich schon vorher so unverständig gezeigt hatten, bestanden aber darauf, dass wir trotzdem nur ein Essen pro Bunk bekommen sollten. Immerhin waren wir im Trockenen, das Essen war uns egal. Und als es dann ans Abendessen ging, teilten wir uns einfach pro Paar je einen Teller und es war bei weitem genug da. Wir ließen den anderen Gästen stets den Vortritt, um sicherzugehen, dass sie auch genug kriegen, und sie schienen nicht nur kein Problem mit uns zu haben sondern es zu genießen, Thru-Hiker zu treffen. Ich hoffe, wir sind nicht mehr auf den guten Willen von Hüttenpersonal angewiesen.

Ein Kommentar zu “Unsere erste Hütte in den Whites – Garfield Ridge Shelter nach Galehead Hut (mi 1825,8)

  1. Für mich unverständlich, das Verhalten der Küchencrew.

    Liebe Veronika, lieber Frank,
    ich begleite euch lesend schon seit Springer Mountain. Ich ziehe den Hut vor eurer Leistung, die ich niemals nachzumachen imstande wäre. Umso schöner ist es, virtuell mit euch mitreisen zu dürfen. Ihr macht so einen sympathischen Eindruck und es ist schön dass ihr trotz der körperlichen Anstrengung immer noch die Geduld und den Fleiß für euer Blog aufbringt. Ich danke euch herzlichst für die schönen Stunden die ich lesend mit euch verbringen durfte und sende euch liebe Grüße aus Deutschland,
    Chrissii

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