5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Crawford Notch nach Lakes of the Clouds Hut – 17,92km

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Über Nacht hat der Wind nachgelassen. Laut Thermometer war es zwar recht kalt heute morgen aber es fühlte sich nicht so an. Die grauen Wolken, die gestern noch über den Bergen hingen, waren alle verschwunden und es sah nach einem richtig schönen Tag aus. Ziel des Tages war die Hütte unterhalb von Mount Washington, einem der windigsten Orte der Welt.

Zuerst mussten wir aber zurück zum Trail. M80, Trooper und Shweasle brauchten knapp 20 Minuten bis ein Pickup Truck sie mitnahm. Als wir vier an der Straße standen fuhr auch erstmal Auto um Auto vorbei. Nach fünf Minuten passierte uns ein alter Station Weagon. 200 Meter weiter drehte er um und kam zurück um uns aufzulesen. Die Fahrerin meinte zu Veronika und Yooper, dass wir so fröhlich und freundlich ausgesehen hätten, dass sie ein schlechtes Gewissen bekommen hat, als sie an uns vorbeifuhr.

Am Parkplatz in der Crawford Notch habe ich eine Kiste entdeckt, die voller Mountain House Dinners war. Das ist auf dem Trail DIE Luxusnahrung! Gefriergetrocknetes Essen, das wirklich gut schmeckt. Das blöde ist nur, dass sie irrsinnig teuer sind. 6 bis 7 Dollar kosten sie meistens, während man Reis- oder Nudelgerichte schon für einen Dollar gibt. Jeder von uns hat sich eine der Tüten gegriffen und los ging es auf die Ridge zum Mount Washington. Den höchsten Aufstieg hatten wir gleich am Anfang des Tages: Mount Webster, 2.600 Fuß auf 3,3 Meilen.

Anscheinend haben sich unsere Beine so langsam an die Aufstiege hier gewöhnt. Wir beiden kamen richtig gut voran. Big Red und Yooper hatten wesentlich mehr Probleme und lagen bald ein ganzes Stück zurück. Bis zu den Webster Cliffs konnten wir im T-Shirt wandern und dann wurde es plötzlich sehr sehr kalt. Sobald man über die Baumgrenze kommt tobt der Wind das es eine wahre Freude ist. Den restlichen Tag konnten wir die Regenjacke bzw. Den Fleecepullover nicht mehr ausziehen. Nur die Reißverschlüsse gingen, abhängig vom Windschatten und der Sonne, in einem fort auf und zu.

Der weitere Aufstieg über Mount Webster und Mount Jackson war mal wieder eine große Klettertour. Links ging es steil runter in die Crawford Notch und rechts steil rauf über fast senkrechte Felswände. Gut, dass Veronika mittlerweile viel sicherer in den Felsen unterwegs ist. Anfangs mochte sie die Kletterei gar nicht und jetzt ist sie auch da immer vorne weg. Der Blick über die umliegenden Berge war mal wieder vom Feinsten. Kein Baum versperrte die Sicht und wir waren bis zum Mittag auch schon weit höher als alles um uns herum.

Um halb eins kamen wir an der Mizpah Spring Hut an. Mittags sind diese Hütten wirklich praktisch. Man kommt aus dem Wind raus, es ist warm und es gibt Suppe und heiße Schokolade zu wirklich fairen Preisen. Das schlechte Wetter der letzten Tage (gestern hatten sie auf Mount Washington Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h) hat dazu geführt, dass sich heute eine große Blase von Thru-Hikern gebildet hat. Schon während dem Aufstieg haben uns einige überholt und rund um die Hut habe ich 15 Wanderer gezählt, die alle zur nächsten Hütte wollten.

Eigentlich wollten wir hier auf Yooper und Big Red warten, nur kamen und kamen die nicht! Als wir nach einer Stunde weiter wollten kamen sie gerade an. Die beiden sahen nicht so richtig gut aus. Big Red war sichtbar erschöpft vom Aufstieg. Das ist er aber wie ich eigentlich immer. Yooper hat uns mehr Sorgen gemacht. Sie sah irgendwie mitgenommen aus. Wahrscheinlich kam das von den Kletterpassagen. Die mag sie noch weniger als Veronika. Während wir uns auf den Weg zur fünf Meilen entfernten Lakes of the Clouds Hütte machten, wollten die beiden erstmal Mittagspause machen und dann überlegen, ob sie heute noch weiter gehen.

Die restliche Strecke war ziemlich einfach und wirklich wunderschön. Es ging fast die ganze Zeit oberhalb der Baumgrenze entlang immer in Richtung des wolkenverhangenen Mount Washington. Je näher wir dem Gipfel kamen, umso unangenehmer und stärker wurde der Wind. Die Masse an Thru-Hikern die jetzt hier unterwegs war, hat mich schon ein wenig beunruhigt. Wie sollten wir da oben alle unterkommen? Normalerweise nehmen sie in dieser Hütte bis zu acht Leute für einen Work for Stay, weil es die größte von allen ist und auch Lakes of the Crowds genannt wird. Außerdem gibt es einen Keller, den Dungeon, in dem sechs Wanderer für 10$ pro Nase schlafen können. Das wollten wir aber nicht, viel zu kalt und feucht!

Bei unserer Ankunft um viertel nach vier wurden wir von Shweasle begrüßt. Der Dungeon sei schon voll, weil die Hüttencrew nur noch Aufgaben für den Morgen zu vergeben habe und die wollten einige, wegen dem dann späteren Start, nicht machen. Umso besser für uns! Wir hätten einen Platz im Speisesaal der Hütte sicher, denn hier oben gibt es weit und breit keine Alternative und es wäre viel zu gefährlich, uns weiter zu schicken. So war es dann auch. Wir bekamen einen Work for Stay. Da die Morgenaufgaben aber anscheinend alle schon vergeben waren, bekamen wir heute noch was zu tun! Ich habe die Bücher in der Hüttenbibliothek sortiert und die Regale aufgeräumt und Veronika ist mit einer Plastiktüte bewaffnet einmal um die Hütte gelaufen und hat Müll eingesammelt. Später mussten wir noch die ganzen Suppenlöffel spülen und das war’s dann mit unserer Arbeit für den Aufenthalt.

Nach einem fünf Uhr Mountain House Reisgericht haben wir in und um die Hütte rumgegammelt. Nachdem die zahlenden Gäste ihr Abendbrot bekomme hatten, wurden die Thru-Hiker auf die Reste losgelassen. Die Crews kochen aber so, dass auch wir alle satt geworden sind! Wie erwartet sind es unheimlich viele geworden. Apollo und ich haben uns den Spaß gemacht und alle Namen zusammengetragen: M80, Trooper und ihr Hund Willow haben Glück gehabt und noch für Betten im Bunkroom bezahlen dürfen. Rattle Snake Jane, Iris, Shweasle, Slim Jim, Seahawk und Sugar Rush schlafen unten im Dungeon. Handstand, Apollo, Strawberry Donut, Whistler, Barbarosa, Sir pants a lot, Quahog, Oreo, Pony Bear, Indy, Stink Bug, Honeybun, Daddy Longlegs, Pacemaker und Runner Up haben alle einen Work for Stay bekommen und schlafen jetzt im Speisesaal. Das macht 23 Thru Hiker, ein großer Haufen Hiker Trash!

Yooper und Big Red sind nicht mehr weiter gegangen. Quahog und Oreo haben uns gesagt, das sie auf der Nauman Campsite an der Mizpah Spring Hut geblieben sind. Ich bin mir nicht sicher, ob sie diesen Rückstand, der sich in den nächsten Tagen eher noch vergrößern wird, noch aufholen können. Leider können wir aber auch nicht auf sie warten, weil uns so langsam die Zeit davonläuft. Es wäre echt schade, die beiden so kurz vor dem Ziel zu verlieren!

Noch 535km

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