5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Eine harte Nummer – Madison Spring Hut nach Carter Notch Hut (mi 1872,7)

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Wir hatten eine gute Nacht in unseren tollen, kuscheligen Bunkbetten dort oben. Als wie üblich in den Huts um halb sieben geweckt wurde, hatten wir unsere Sachen schon fast fertig gepackt. Und da wir heute als zahlende Gäste hier waren, konnten wir direkt nach dem Frühstück, das aus Oatmeal, Pancakes und Bacon bestand, um kurz vor acht aufbrechen. Das Madison Avenue Schild war übrigens nicht an seinen Platz zurückgekehrt. Ich denke, nach unseren Erzählungen hat die Crew beschlossen, zu warten bis die Thru-Hiker Saison vorbei ist, um es zurückzuholen.

Wir hatten ja schon gestern auf dem Weg zur Hütte den Aufstieg bewundern können, der uns heute als erstes bevorstand. Es war eine Art Haufen aus riesigen Felsbrocken. Man konnte nicht wirklich erkennen, wo genau der Weg jetzt eigentlich ursprünglich verlaufen sollte. Jeder versuchte einfach nur, irgendwie heil hochzukommen. Oben blies ein eisiger, heftiger Wind. Da wollte sogar Frank seine Handschuhe anziehen! Und als ich meine Kamera aus der Tasche zog, erfasste der Wind mein Taschentuch und blies es davon, bevor ich auch nur merkte, was geschah. Immerhin wurden wir mit einem großartigen Ausblick belohnt. Die Täler waren mit Wolkenseen gefüllt und der Blick auf Mount Washington war frei und klar. Ein entgegenkommender Wanderer meinte, das sei sein fünftes Mal hier oben und er habe noch nie eine derart gute Aussicht gehabt. Wir sind halt echt Glückspilze!

Dafür war der Abstieg von diesem Felshaufen weniger traumhaft. Wir brauchten drei Stunden für diese drei Meilen und das ohne klettern zu müssen. Immerhin vermuteten wir, dass es nach der Osgood Campsite deutlich besser werden würde und dem war dann auch so. Die verbleibenden knapp fünf Meilen nach Pinkham Notch legten wir in etwas mehr als zwei Stunden zurück, das war echt gut. Wir wollten dort unbedingt gegen eins aufschlagen, um in der Hütte in Carter Notch noch ein zweites Bett reservieren zu können, falls eines frei geworden war. Um eins machen die nämlich immer die Telefonrunde, um den neuesten Stand der Reservierungen mit den Hütten auszutauschen. Dummerweise war nichts frei geworden, aber zur Not würden wir auch in einem Bett gemeinsam schlafen.

Wir nutzten die Gelegenheit, um in der Lodge dort auch gleich zu Mittag zu essen. Das war nicht unsere schlauste Idee, wir warteten ewig auf unser Essen, so dass wir alles in allem über eine Stunde dort vertrödelten. Yooper und Big Red kamen an, kurz bevor wir uns Richtung der Wildcats aufmachten. Sie hatten schon beschlossen gemeinsam mit Garbageman und Littlefoot irgendwo vor dem Aufstieg zu übernachten.

Das war vermutlich eine schlaue Entscheidung, da die Wildcats es wirklich in sich hatten. Für mich war das heute der schwierigste Aufstieg, den wir bisher hatten. Wir kamen zwar ganz gut voran und überholten sogar Rattlesnake Jane und Iris, die wir für stärkere Hiker als uns gehalten hatten, aber es war echt hart. Ich war nur froh, dass wir das ganze aufwärts und nicht abwärts machen konnten. Auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle echt zu kämpfen hatte. Da war diese Stelle, an der ich das Gefühl hatte, wir sollten jetzt Kaminklettern einsetzen. Es ging zwischen zwei Felsen hoch und der erste Hubbel, den man ansatzweise als Tritt bezeichnen konnte, war über Kopfhöhe – na vielen Dank! Und unten, als wir auf dem Lost Pond Trail unterwegs waren, hatte ich noch Witze darüber gerissen, dass ich jetzt immer, wenn sich vor mir eine Felswand auftürmt, als erstes gucke, wie ich dort hoch komme und nicht mehr denke, dass der Weg vorbei führen könnte. Deswegen waren wir dort unten nämlich kurzzeitig vom Trail abgekommen, weil ich über den Felsen geklettert war, anstatt dem Trail zu folgen, der außenrum führte. Irgendwo in all der Kraxelei musste ich mehrfach meine Knie einsetzen, weil ich den Fuß nicht auf die nächste Trittmöglichkeit bekam. Ich weiß, dass das schlechter Stil ist und wurde auch prompt bestraft. Als ich auf mein linkes Knie blickte, erschrak ich dann doch ein bisschen: ein kleines Blutrinnsal hatte sich gebildet. Zum Glück war es nur ein kleiner Schnitt und weil ich mit meinen dreckigen Fingern bestimmt nicht viel Gutes geleistet hätte, ließ ich das Ganze erstmal so. Die entgegenkommenden Dayhiker guckten zwar ein bisschen komisch, aber das war mir egal.

Endlich oben angekommen sahen wir diese Gondelstation. Wir hätten einfach unten irgendwo herausfinden sollen, wo genau diese Gondel abfährt, dort unsere Rucksäcke hochfahren lassen und uns so selbst slackpacken sollen! Das wäre soviel einfacher gewesen diese ganzen Kletterpassagen mit leichterem Rucksack zu machen!

Die Gondel war dann auch der letzte vernünftige Wegpunkt auf dieser Bergkette. Wir gingen ständig auf und ab und wenn wir mal wieder einen der höheren Hügel erreichten, rätselten wir, ob das jetzt eine der wilden Katzen war oder einfach nur eine namenlose Erhebung. Irgendwann kamen wir endlich an einem Ausblick an, der auch im Profil stand. Unter uns sahen wir die Carter Notch Hut. Wir konnten sogar die Stimmen der Leute dort hören und da es gegen halb sieben war, vermuteten wir, dass sie dort wohl gerade beim Abendessen saßen. Das war echt fies! Ich war kurz davor, aus unserem Außenzelt einen Fallschirm zu basteln und dort runter zu segeln! Oder wenigstens die Rucksäcke schon vorauszuschicken!

Ich blieb vernünftig und weniger als eine Stunde später hüpfte uns plötzlich eine gut gelaunte Handstand entgegen. Sie, Apollo, Shweasle, Daddy Long Legs und Sir-pants-a-lot campten dort neben dem Trail. Die Hut war nur noch ein paar Meter weiter! Auf dem Weg dorthin kamen wir noch an zwei schönen kleinen Seen vorbei, dann waren wir endlich da. Die Gäste bekamen gerade den Nachtisch serviert. Und wir hatten Glück, es war noch ein zweites Bett frei, zwei Gäste hatten heute morgen die Hütte früher als geplant verlassen. Wir fanden sogar noch zwei Betten im selben Zimmer! Die Zimmer hier sind wirklich schön, mit nur wenigen Betten und nicht diese großen Bunkrooms. Wir sind hier nur zu viert, das macht das Ganze viel angenehmer.

Nachdem wir unsere Betten gesichert hatten, gab es auch für uns und zwei Gäste, die sogar noch später als wir die Hütte erreicht hatten, Abendessen. Wir sind das ja gewohnt mit den Resten, die von dem einzelnen Tischen übrig geblieben sind, und kennen auch den Vorteil: man kann alles aufessen! Das Essen hier ist auch richtig lecker, vor allem die Linsensuppe war toll. Strawberry Donut, Whistler und Blondie haben hier heute „work for stay“ und wir freuten uns, als sie sich zu uns setzten. Ich glaube, der eine von den beiden anderen Gästen genoss das so richtig, mitten zwischen uns Thru-Hikern zu sitzen. Dem anderen war leider nicht so wohl, sie hatten mehr Meilen gemacht als ursprünglich geplant und er verabschiedete sich noch bevor die drei sich zu uns setzten.

Wir anderen saßen recht lange am Tisch, vor allem auch, weil unsere beiden Bettnachbarn schon schliefen, bevor wir Essen bekamen und wir sie nicht stören wollten. Dann fielen wir nur noch ins Bett. Das heute war echt eine harte Nummer, vierzehn Meilen mit erst heftigen Abstieg und dann krassem Aufstieg. Damit haben wir den Schwächen Tag gestern mehr als wettgemacht.

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