5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Madison Spring Hut nach Carter Notch Hut – 22,4km

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In den White Mountains sollte man immer seine Winterausrüstung dabei haben denn auf Mount Washington kann es in jedem Monat im Jahr schneien. Wir haben Mitte August und ja, heute brauchten wir Wintersachen! Direkt hinter der Hütte ging es 500 Fuß fast senkrecht nach oben auf den namensgebenden Mount Madison. Als wir aus dem Windschatten herauskamen fegte uns eine eiskalte Brise um die Ohren. Ohne Handschuhe war das wirklich nicht auszuhalten. Veronika musste sogar ihre Wintermütze unter ihrem Hut tragen. Der Pelz auf meinem Kopf ist mittlerweile dicht genug, um mich warm zu halten.

Ob man Mount Madison wirklich als Berg bezeichnen will, sei mal dahingestellt. Eigentlich ist es ein riesengroßer Geröllhaufen. Wie schon gestern mussten wir die ganze Zeit von Brocken zu Brocken hüpfen und meistens raten, wo der Trail eigentlich langgehen sollte. Wie bei jedem Berg hier in den Whites hat sich der Aufstieg gelohnt! Hinter uns konnten wir Mount Washington und die ganze nordöstliche Flanke sehen, auf der wir gestern unterwegs waren. Ein Tageswanderer meinte, dass er zum fünften Mal hie hochsteigt und sonst immer Wolken den Gipfel verdeckten. Ob wir denn wüssten, was für ein Glück wir hätten?! Ja, wissen wir! Haben wir uns aber auch verdient!

Das doofe an den meisten Bergen ist, dass man irgendwann auch wieder runter muss. Bei diesem war es besonders unangenehm. 3.000 Fuß in 3,2 Meilen und keine Ahnung wo der Weg lang geht. Yooper und Big Red waren direkt hinter uns und gemeinsam sind wir sehr sehr sehr sehr langsam von Steinpyramide zu Steinpyramide über die Felsen gehüpft. Insgesamt haben wir drei Stunden bis zur Osgood Campsite gebraucht. Die war ja eigentlich gestern unser Ziel. Gut, dass wir das nicht noch versucht haben!

Die nächsten Meilen bis zur Pinkham Notch und dem AMC Besucherzentrum waren richtiggehend flach. Kurz bevor wir dort waren ging es über Straße, die zum Gipfel des Mount Washington führt. Irgendwie war diese Autokarawane völlig absurd! Wir quälen uns hier über die Berge und die fahren einfach hoch. Im Visitor Center haben wir dann nochmal versucht, ein weiteres Bett in der Carter Notch Hut zu bekommen. Keine Chance, es war alles ausgebucht. Es blieb uns nur, dort hoch zu wandern und uns auf unser Glück zu verlassen. Yooper und Big Red haben beschlossen, dort zu bleiben und die nächsten drei Tage etwas anders aufzuteilen als wir.

Vor uns lagen für heute noch 6,2 Meilen bis zur Hut. Während es vormittags im Wesentlichen bergab ging, mussten wir nachmittags wieder raus aus der Notch nach oben. Hoch auf die Wildcat Ridge, um genauer zu sein uber Peak E, D, C und A. Peak B ist wahrscheinlich nicht hoch und steil genug… 1,7 Meilen für 2.000 Fuß. Wer auch immer sich diesen Trail ausgedacht hat, hatte eine sadistische Ader! Ein anderer Wanderer meinte neulich, das sei technisches Klettern ohne Ausrüstung aber dadür mit Rucksack. Veronika ist tapfer vorne weg, auch wenn wir so manches Mal vor den Felsen standen und nicht den Hauch einer Ahnung hatten, wie es weitergehen sollte. Sogar ein Blutopfer hat sie dem Berg erbracht! Die entgegenkommenden Tageswanderer haben teilweise respektvoll, teilweise entgeistert auf ihr aufgeschlagenes Knie gestarrt.

Nach zweieinhalb Stunden, um fünf, standen wir endlich auf dem Gipfelgrat. Noch 3,2 Meilen ab der Seilbahnstation. Die einzigen Landkarten in unserem Profil waren die genannten Peaks. Aber wo sind die Gipfel? Wir hatten keinen Plan, wo genau wir waren. Endlich, nach weiteren zwei Stunden, konnte man unten in der Notch die Hütte sehen. Nur noch 500 Fuß runter… Kurz vor dem Abzweig zur Hut stand der ganze Wald voller Zelte. Handstand, Apollo, Shweasle, Sir pants a lot und Daddy Longlegs hatten hier ihre halblegalen Nachtlager aufgeschlagen. Eigentlich muss man in den Whites 200 Fuß vom Weg weg sein, aber das ist meistens so gut wie unmöglich.

In der Hütte angekommen waren die anderen Gäste gerade mit dem Abendessen fertig. Es war ja auch schon halb acht. Dafür hatten wir aber bei den Betten Glück. Anscheinend sind heute morgen zwei Wanderer abgereist und jetzt ist für uns noch ein weiteres Bett frei. Gemeinsam mit zwei Tageswanderern haben wir dann nach allen anderen gegessen. Irgendwann durften sich auch Strawberry Donut, Whistler und der Southbounder Blondie, die den Work for Stay ergattert haben, zu uns setzen.

Das war ein echt langer und harter Tag! Nachdem ich Veronikas einem Wanderstock noch eine neue Spitze verpasst habe, sind wir ziemlich schnell schlafen gegangen. Morgen geht es raus aus den Whites aber ob es danach leichter wird? Ich glaube nicht…

Noch 501km

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