5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wieder so richtig draußen – Highway US2, Gorham nach Gentian Pond Shelter (mi 1899,4)

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Genau wie gestern wurden wir heute wieder vom köstlichen Duft unseres Frühstücks geweckt. Es gab wieder Hash-Browns, Wurst und Muffins, dazu heute French Toast à la crème brûlée – die Unterseite war eine dicke Karamelschicht. Das war einer der wenigen French Toasts, die mir schmeckten, aber die Karamelschicht war etwas zuviel des guten. Ich verzichtete auf Kartoffeln und Wurst und war trotzdem pappenvoll. Vielleicht hätte ich lieber mal das Oatmeal testen sollen – dafür hatte wieder keiner mehr Platz im Bauch.

Gut gestärkt zogen Frank und ich los, Yooper und Big Red mussten nochmal in die Stadt, neue Schuhe für Big Red kaufen. Sein letztes Paar hat nicht mal 300 Meilen überstanden, er hatte es in Dakton gekauft und schon vor den Whites waren Löcher drin. Inzwischen löst sich die Sohle ab, das ist ein echtes Problem. Wir hatten große Hoffnung, dass das heute ein echt entspannter Tag werden würde, da wir nur knapp zwölf Meilen geplant hatten und das ja schließlich nicht mehr die Whites waren.

Zunächst ging es mir aber nicht so gut, ich hatte das Gefühl, dass mein eigener Gang auf mich einen ähnlichen Effekt wie Autofahren hatte und mir davon schlecht wurde. Sobald wir aber anfingen, wieder steiler den Berg hochzuklettern, legte sich das. Vielleicht kann ich einfach nur nicht mehr auf ebenem Gelände gehen. Wir kamen im Vergleich zu den Whites recht gut voran jedoch immer noch nicht so schnell wie früher, als das Gelände flacher und der Trail weniger steil waren. Allerdings haben die Whites unsere Definition von steilen Anstiegen stark relativiert, das haben wir heute gemerkt. Inzwischen kommt zumindest mir ein Anstieg unabhängig von der Steigung weniger steil vor, wenn ich nicht klettern oder extrem steile Stufen benutzen muss. Heute waren aber auch nach dieser veränderten Wahrnehmung immer noch ein paar steile Anstiege dabei, wir durften wieder klettern. Das macht mir inzwischen richtig Spaß allerdings erschöpft es mich extrem im Vergleich zum einfachen Wandern.

Die Aussichtspunkte heute waren allesamt etwas enttäuschend nach dem, was wir in den Whites geboten bekommen hatten. In Pennsylvania hätten wir uns darüber aber extrem gefreut. Nach den ersten roten Blättern von vorgestern haben wir heute den ersten Baum gesehen, der nur noch rote Blätter hatte. Frank hofft jetzt darauf, dass wir hier auch noch den Indian Summer zu sehen bekommen, davon hatte er schon von Anfang an geträumt. Heute war es aber im Vergleich zu den letzten Tagen kein bisschen herbstlich von den Temperaturen her, eher nochmal hochsommerlich.

Gegen halb sechs waren wir die ersten, die am Shelter übernachten wollten. Handstand und die anderen, die uns tagsüber begegnet waren, waren wohl weitergegangen. Kurz nach uns kamen Lucky, Apollo, Srocket, Beetlejuice und Still Here an. Plötzlich kam einer von ihnen an und meinte, am Pond sei eine Elchkuh mit Kalb. Wir waren gerade am Kochen, Frank war so lieb, beim brennenden Kocher sitzen zu bleiben, damit ich die Elche sehen und fotografieren konnte. Später kam er auch dazu, es war wirklich toll. Die Elche schienen überhaupt keine Angst vor uns zu haben und plantschten fröhlich im Wasser. Vor allem das Kalb kam ziemlich nahe an uns heran – bloß gut, dass die Mutter trotzdem ruhig blieb. Ich blieb eine Ewigkeit dort stehen, nur um sie zu beobachten. Das war genau so, wie ich mir meine Begegnung mit Elchen gewünscht hatte, schön auf der anderen Seite vom See in aller Sicherheit und Ruhe. Ich muss aber sagen, das sind echt Riesenviecher! Gut, dass sie nicht zu nah an uns waren.

Später kamen noch Garbageman und Littlefoot, die auch noch die Elche sehen konnten. Sie hatten Schwierigkeiten, einen Platz für ihr Zelt zu bekommen, da die Jugendgruppe, die hier aufgeschlagen ist, meinte die Zeltplätze neben ihrem als Kochstelle benutzen zu müssen. Zum Glück konnten sie friedlich eines besseren belehrt werden und nach einer kurzen Zurechtweisung durch eine der beiden Southbounderinnen hier respektieren sie jetzt auch die Nachtruhe. Ich hoffe, Yooper und Big Red haben ein schönes Plätzchen entlang des Weges gefunden und holen uns morgen ein, wenn wir bis kurz vor Mahoosuc Notch gehen.

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