5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Es bleibt hart – Gentian Pond Shelter nach Full Goose Shelter (mi 1909,0)

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Frank hat heute morgen beschlossen, dass ich ausschlafen durfte – wir hatten ja nur etwas mehr als neun Meilen für heute geplant, das sollte ein entspannter Tag werden. Vom Profil her sah es so aus, als hätten wir nach einem etwas knackigeren morgendlichen Aufstieg das gröbste hinter uns.

Wir spielten sogar mit dem Gedanken, heute noch Mahoosuc Notch hinter uns zu bringen, so dass wir morgen nur Mahoosuc Arm bewältigen müssten. Mahoosuc Notch gilt als die härteste aber auch spaßigste Meile auf dem AT. Über eine Meile nur wilde Kletterei über herumliegende Boulder. Angeblich brauchen auch geübte Wanderer mindestens eine Stunde für diese Strecke. Und Mahoosuc Arm ist danach einfach nur ein fieser Anstieg über rollende Felsen, der auch ziemlich schlauchen soll. Es wäre also schön gewesen, die beiden auf zwei Tage zu verteilen.

Zunächst sah auch alles ganz gut aus. Wir waren zwar beide sehr müde aber für die erste Meile brauchten wir endlich mal wieder nur dreißig Minuten und knackten dabei auch noch die 1900-Meilen-Marke! So konnte es von uns aus weitergehen! Tat es aber leider nicht. Schon für den ersten Teil des großen Anstiegs zu Mount Success brauchten wir eine Ewigkeit. Hinunter wurden wir dann noch langsamer, das war dann unsere langsamste halbe Meile bisher. Wir brauchten 35 Minuten dafür! So wie das Terrain aussah denke ich, dass das ein Vorgeschmack auf morgen war: Wildes Klettern über herumliegende Felsbrocken. Ein entgegenkommender Southbounder warnte uns, dass es den Rest des Tages so weitergehen würde. Wir dachten darüber nach, vielleicht doch nur die knapp zehn Meilen bis zum Shelter zu machen. Mahoosuc Notch für heute erschien uns dann doch ein bisschen gewagt.

Kurz danach erreichten wir das Schild, das die Grenze zwischen New Hampshire und Maine anzeigt. Wir sind in unserem vierzehnten und letzten Staat für diese Reise angelangt!!! Ein seltsames Gefühl, an die erste Grenze zwischen Georgia und North Carolina zurückzudenken. Seither haben wir soviel erlebt und trotzdem erinnere ich mich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Ich erinnere mich an jede einzelne Grenze, die wir überschritten haben. Zur Feier, dass wir es geschafft hatten, machten wir dort Mittagspause.

Danach sah das Profil eigentlich ganz gut aus, aber wir waren gewarnt. Und tatsächlich, es gab sehr viel Kraxelei. Ich hatte das Gefühl, dass sich eigentlich immer nur Felswände oder Brocken mit Sumpflöchern abwechselten. Die Sumpflöcher waren von der besonders fiesen Sorte, tief und klebrig und die Felswände waren noch fieser. An manchen Stellen kam mir das wirklich eher wie ein böser Witz vor, den Trail dort entlang zu führen. Über den Sumpflöchern lagen immerhin meistens hölzerne Bretterstege aber die Felswände waren selbst mit teilweise vorhandenen Leitern und Treppen schwer zu bewältigen.

Mehr als einmal musste ich meinen Rucksack abnehmen und einmal musste Frank mich aus einer misslichen Lage, in die ich mich natürlich selbst gebracht hatte, retten. Ich hatte versucht, in einer Felsspalte herunterzuklettern, als ich plötzlich an einer Stelle war, an der ich merkte, dass meine Füße rutschten und ich mit Rucksack dort nicht mehr herauskonnte. Frank nahm mir dann auf meinen Hilferuf hin meinen Rucksack ab und lobte mich sobald ich sicher unten war sogar noch dafür, dass ich nicht panisch geworden sei. Er konnte den Angstschweiß an meinen Füßen ja nicht sehen…

Ein besonderes Highlight war eine Holzleiter, die wir von der anderen Seite des Berges schon über uns gesehen hatten und über die wir noch Witze gerissen hatten. Wir mussten natürlich tatsächlich über diese Leiter nach oben. Insgesamt war die Strecke heute echt hart und wir waren völlig platt als wir um sechs am Shelter ankamen. Neun Stunden für 9,6 Meilen – wir waren langsamer als in den Whites. Allen anderen erging es ähnlich und so sind wieder viele Hiker hier gelandet. Yooper und Big Red wollten eigentlich auch hierher kommen, ich denke aber, sie campen jetzt irgendwo auf der Strecke. Sie sind nicht so verrückt, in derartigem Gelände eine Nachtwanderung zu riskieren. Die Truppe Jugendlicher von letzter Nacht ist auch wieder da und brauchte auch wieder eine Zurechtweisung. Sie kamen auch erst an, als alle Hiker schon im Bett waren.

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